Solingen: Solinger Gruppe mit zwei Wagen beim CSD

Solingen : Solinger Gruppe mit zwei Wagen beim CSD

Der Freundeskreis mit dem Namen "Gemischtwarenladen" nimmt am Sonntag zum achten Mal an der Parade für die Gleichberechtigung und Akzeptanz von Schwulen und Lesben teil.

Wer den Flur von Kristof Kronenberg-Zeidler betritt, blickt direkt ins majestätische Antlitz eines Löwen, eingerahmt von anderen Zirkusmotiven. "Die hat meine Ehefrau Anja gemeinsam mit ihrer Freundin Melitta Reif gemalt", berichtet der 47-jährige Solinger. Und vor drei Jahren zierten die Bilder den Wagen, mit dem der Freundeskreis beim Christopher Street Day (CSD) durch Köln fuhr. Dort gehört die Gruppe aus der Klingenstadt und Umgebung mittlerweile zur Stammbesetzung: Seit 2011 ist sie dabei und gewann prompt im ersten Jahr mit ihrem "Gemischtwarenladen" den Preis für den schönsten Wagen - ein Erfolg, den die lockere Gruppe bereits zweimal wiederholte.

Ihr erstes Motto gibt ihr bis heute den Namen. "Denn ein Gemischtwarenladen, das sind wir in der Tat", bekräftigt Kronenberg-Zeidler. Schließlich gehören zur Truppe gleichermaßen Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und Heteros. Gemeinsam demonstrieren sie bei der Parade gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung. "Es ist bei allem Spaß eine politische Veranstaltung", stellt Kronenberg-Zeidler klar. Und entsprechend ernst ist auch das Thema, das sich die Freunde, unter ihnen auch die Solinger Nenad Babic, Guido Buß und Claudia Schmidt sowie der Witzheldener Thomas Reif, für ihren Beitrag zur Parade ausgedacht haben: Unter dem Titel "Die Christopher Street, wo alles begann" haben sie neben dem Lastwagen vom Vermieter Deka Trans ein Polizeiauto aus den USA aufgetrieben. Ein Teil der Gruppe will auch in entsprechende Uniformen schlüpfen, um an das Ereignis zu erinnern, das der Parade den Namen gab: 1969 war es im Anschluss an eine Razzia in der New Yorker Christopher Street zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Homosexuellen gekommen.

Das Gesamtmotto der Parade, an der in diesem Jahr voraussichtlich über 120 Gruppen teilnehmen, lautet "Coming Out in Deinem Style". "Wir setzen uns immer zu Beginn des Jahres zusammen und entscheiden, ob wir wieder mitmachen", erklärt Kronenberg-Zeidler. Lautet die Antwort "Ja", macht sich die Gruppe, deren Kern zehn Bekannte aus Solingen und Umgebung bilden, an die Ausarbeitung.

Den gemieteten Lkw bekommt der "Gemischtwarenladen" stets am Freitag vor dem Ereignis. Für die großformatige Außenverkleidung haben die Freunde inzwischen die Spezialdruckerei PP Digital gewonnen, auf deren Gelände sie den Wagen auch herrichten - mit Musikanlage, Toilette und Treppenaufgang. Rund 35 Personen, darunter Bekannte und Freunde, die zum Teil von weither anreisen, fahren im Wagen mit der Startnummer 17 mit oder laufen nebenher. Hinzu kommen elf Wagenengel, die achtgeben, dass nichts passiert.

"Wir hatten in der Vergangenheit immer eine super Stimmung auf dem Laster", erklärt Kristof Kronenberg-Zeidler. Der CSD sei im Laufe der Jahre immer mehr gesellschaftsfähig geworden, betont er: "Das ist inzwischen ein Erlebnis für die ganze Familie."

(RP)
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