Solinger Gewerbegebiet wird umgebaut

Neues Gewerbegebiet: Stöcken: Erste Firmen sollen 2020 einziehen

2019 startet die Sanierung. Später sollen innovative Produkte entstehen. Auch der Batterie-Obus könnte in Stöcken heimisch werden.

Die denkmalgeschützte Fassade der alten Fabrik bleibt erhalten. Und das Gebäude selbst wird saniert. Aber sonst dürfte in einigen Jahren auf dem Rasspe-Areal in Stöcken kaum noch ein Stein auf dem anderen stehen. Denn dort, wo sich bis heute die größte Industriebrache Solingens mit rund 6,5 Hektar erstreckt, wollen Stadt und Wirtschaftsförderung bald beginnen, eines der modernsten Gewerbegebiete in der ganzen Region aus dem Boden zu stampfen.

Wobei dies durchaus wörtlich gemeint ist. Bevor nämlich die ersten Firmen etwa ab 2020 an die Adresse „Stöcken 17“ ziehen, ist es nötig, 51.000 Tonnen an Abfällen sowie 150.000 Kubikmeter Abraum von dem standortpolitischen Filetstück wegzuschaffen, mit dem die Verantwortlichen im Rathaus nicht weniger als die Hoffnung auf einen echten wirtschaftlichen Quantensprung für Solingen verbinden.

Das wurde einmal mehr deutlich bei der Vorstellung der Pläne, zu der die Stadt am Freitag in das zukünftige Gewerbegebiet eingeladen hatte. So soll in Stöcken binnen eines knappen Jahrzehnts ein Businesspark entstehen, in dem innovative Firmen neue Produkte entwickeln und sich gegenseitig unterstützen könnten.

Dafür ist vorgesehen, einzig den einstigen Verwaltungstrakt der Landmaschinenfabrik Rasspe an der Straßenfront sowie ein weiteres Gebäude stehen zu lassen, während der größte Teil der ehemaligen Produktionshallen auf dem hinteren Teil des Grundstückes abgerissen werden muss.

Die Runde aus Stadtvertretern und Experten stellte die Pläne vor Ort vor. Foto: Oberpriller, Martin (or)

Beispielsweise sieht der bei einem Wettbewerb siegreiche städtebauliche Entwurf des Stadtplanungsbüros „De Zwarte Hond“ unter anderem einen dreieckigen Platz in der Mitte des Gewerbegebiets vor. Um diesen herum sollen sich Gebäude gruppieren, die einerseits auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer zugeschnitten sind und andererseits über eine neue Straße erschlossen werden.

Darüber hinaus beinhalten die Pläne aber auch Raum für Gastronomie, wie der Geschäftsführer von „De Zwarte Hond“, Matthias Rottmann, bei der Präsentation in Stöcken erläuterte. „Wichtig ist, dass die Investoren bei der Umsetzung flexibel bauen können“, sagte Rottmann, der in dem Rasspe-Areal ein „großes Potenzial“ entdeckt hat und sich darin mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach einig weiß.

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Wie der Städteplaner verwies der OB nämlich auf die gute Verkehrsanbindung des Geländes, das geradezu prädestiniert sei, Firmen anzulocken. „Für das Hauptgebäude befinden wir uns bereits in Verhandlungen“, berichtete Kurzbach, derweil Stadtdirektor Hartmut Hoferichter ankündigte, einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet möglichst noch Ende 2018 auf den Weg zu bringen.

Später könnten dann einmal Hightech-Unternehmen – etwa aus der 3D-Branche – in Stöcken heimisch werden. Und ferner existieren erste Überlegungen, das Solinger Leuchtturm-Projekt des batteriebetriebenen Obusses (BOB) zumindest teilweise auf dem Rasspe-Areal anzusiedeln, wie bei der Vorstellung der Pläne, an der auch der städtische Projektentwickler Carsten Zimmermann und Wirtschaftsförderungs-Chef Frank Balkenhol teilnahmen, bekannt wurde.

Zwar werde durch die Grundstücksverkäufe der selbst gezahlte Kaufpreis nicht wieder reinkommen, betonte Balkenhol. Langfristig jedoch werde sich das Projekt über Steuern und Kaufkraft auszahlen, betonte Solingens oberster Wirtschfaftsförderer.

Der Zeitplan sieht nun für 2019 zunächst einmal den Abriss der nicht nutzbaren Gebäude, die Sanierung des Haupthauses sowie die Altlastenbeseitigung vor. Für letztere ist der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung zuständig. Dessen Vertreterin Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel gab das diesbezügliche Gesamtbudget mit 8,5 Millionen Euro an.

Darin enthalten sei ein Puffer, sollten im Zuge der Arbeiten noch böse Überraschungen auftauchen. So könnten beispielsweise Bombenblindgänger aus dem Krieg gefunden werden. Bislang, so die Expertin, verliefe aber alles planmäßig. Unter anderem ist angedacht, Tiere auf dem Grundstück – wie Schleiereule, Waldkauz, Blindschleiche und Fledermäuse – zu schützen.

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