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Daniel Niedzkowski: Solinger formt Deutschlands Fußballtrainer

Daniel Niedzkowski : Solinger formt Deutschlands Fußballtrainer

Daniel Niedzkowski leitet seit Frühjahr den Fußballlehrer-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie.

Einen klaren Karriereplan habe er eigentlich nie verfolgt, gibt Daniel Niedzkowski zu. "Ich hatte aber immer die große Motivation, mit Fußball mein Geld zu verdienen", verrät der 41-Jährige. Als Spieler, unter anderem beim Wuppertaler SV und dem FC Remscheid in der Regionalliga, habe das so leidlich geklappt, blickt er zurück: "Es hat gereicht, um mein Studium zu finanzieren."

Heute jedoch ist der gebürtige Solinger, der in Jugendtagen beim VfB am Bavert die Schuhe schnürte, eine Führungskraft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Im Frühjahr übernahm er vom scheidenden Frank Wormuth die Rolle als Chef-Ausbilder an der Hennes-Weisweiler-Akademie. Seither gibt er angehenden Trainern auf dem Gelände der Sportschule Hennef das nötige Rüstzeug für ihren Beruf mit.

Im Verband genießt der neue Leiter des Lehrgangs einen ausgezeichneten Ruf. Oliver Bierhoff, beim DFB Direktor Nationalmannschaften und Akademie, beschreibt ihn auf der DFB-Website als "absoluten Fachmann, der für Professionalität und Innovation steht." Seine Qualitäten konnte der derart Geadelte auch über Jahre hinweg nachweisen - schon 2008 heuerte Niedzkowski als Technischer Mitarbeiter beim DFB an. Dort hat er nun eine Doppelfunktion inne: Denn weiterhin betreut er als Assistent von Torjägerlegende Stefan Kuntz auch die deutsche U 21-Auswahl, mit der er im vergangenen Sommer den EM-Pokal aus Polen mitbrachte. "Ich könnte nicht sagen, was ich lieber mag", schwärmt Niedzkowski von beiden Wirkungsfeldern. "Ich bin total gerne Ausbilder, mag aber auch den Wechsel mit der Aufgabe als Trainer auf dem Platz." Schließlich profitiere das eine vom anderen. So schätze er die Möglichkeit, verschiedene Ansätze praktisch auszuprobieren - wozu einen Trainer im normalen Tagesgeschäft kaum die Zeit bleibe - und die gewonnenen Erfahrungen wieder in die Ausbildung zurückzutragen. "Reinzoomen in die Rolle und das dann von außen betrachten und sich mit dem großen Ganzen beschäftigen, ist total wertvoll."

Von einem guten Trainer erwartet Niedzkowski bei allem strategischen Talent besonders eines: "Empathie ist das Wichtigste." Großen Spielraum gebe es in der Ausbildung beim Thema Selbstreflexion: "Die kann man lernen." Das werde in der Ausbildung künftig auch ein Schwerpunkt sein. Die öffentliche Debatte über junge Trainer ohne große Spieler-Erfolge nimmt er gelassen: Natürlich schade es nicht, ein großer Fußballer gewesen zu sein. "Aber es gibt viele Wege, ein guter Trainer zu werden."

Beispiele für zwei verschiedene Typen von Übungsleitern erlebte er selbst - als Co-Trainer arbeitete Niedzkowski bei Bayer Leverkusen sowohl unter dem Ex-Regionalligaspieler Roger Schmidt als auch unter dem einstigen Europapokalsieger Sami Hyypiä. Entspannt begegnet Niedzkowski auch den Sorgen um das taktische Niveau der Bundesliga. Der oft gehörte Vorwurf, zu viele Mannschaften vergäßen über die Arbeit gegen den Ball die eigene Linie im Offensivspiel, lasse sich nicht objektiv belegen. "Da wird oft aus einem vagen Gefühl heraus argumentiert", sagt Niedzkowski und verweist auf die Zahlen: So fielen in der Bundesliga in der abgelaufenen Saison im Vergleich der Top Fünf-Ligen die meisten Tore pro Spiel.

Kontakt zu seiner Geburtsstadt hat er weiterhin über seine Eltern: "Ich besuche sie regelmäßig, aber zeitbedingt nicht so oft, wie ich es mir wünschen würde", erklärt der 41-Jährige. Vom Abriss des alten Union-Stadions am Hermann-Löns-Weg habe er über einen Bekannten aus frühen Tagen erfahren: "Das ist schon traurig, weil ich manchmal als Besucher dort war und auch als Gegner in dem Stadion gespielt habe." Gefreut habe er sich wiederum über den Aufstieg seines früheren Vereins VfB Solingen in die Landesliga.

Wie verfolgt jemand, dessen Alltag so stark vom Fußball geprägt ist, eigentlich eine Weltmeisterschaft in Russland ? "Es ist schon mit dem Job verbunden, dass ich mich, wenn ich ein Spiel anschaue, intensiv damit beschäftige, was da passiert." Gerade bei einer WM sei es schließlich interessant, unterschiedliche Fußball-Kulturen und -Ansätze zu beobachten. "Es gibt aber auch Spiele", stellt Niedzkowski, klar, "die ich einfach nur als Fußball-Fan gucke."