Solinger Einkaufszentrum "Hofgarten" wird fünf Jahre alt

Fünf Jahre Hofgarten : Ein Einkaufscenter im Wandel

Mehrere Millionen Besucher sind in der Mall seit der Eröffnung vor fünf Jahren gezählt worden. Center-Manager Ralf Lindl ist mit der Entwicklung ab 2013 zufrieden. Neue Geschäfte ziehen  jetzt ein, zum Beispiel „Ernstings Family“.

Der 24. Oktober 2013 war ein denkwürdiger Tag gewesen. Bereits am frühen Morgen hatte sich draußen vor der neuen Attraktion der Solinger Innenstadt eine lange Menschenschlange gebildet. Um 4 Uhr morgens waren die ersten Kunden erschienen, um ja nicht die Eröffnung des modernen Einkaufszentrums Hofgarten am Neumarkt zu verpassen. Und auch in den Tagen danach hörte der Ansturm nicht auf, so dass der Verkehr in der City gleich mehrfach praktisch zum Erliegen kam.

Fünf Jahre später haben sich die Wogen naturgemäß geglättet. Doch auch heute noch übt der Hofgarten großen Einfluss auf die Innenstadt aus. So wird demnächst zum Beispiel die Bekleidungskette „Tom Tailor“ dem Center den Rücken kehren, wie eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte. Indes bekommen die Angestellten neue Jobs angeboten. Und der Leerstand wird ebenfalls nicht von langer Dauer sein. Denn für die Fläche im Erdgeschoss gibt es schon einen Nachfolger: Im November zieht „Ernstings Family“ von der Hauptstraße in den Hofgarten.

Eine Entwicklung, die in gewisser Weise symptomatisch ist für die Solinger City. Während die Fläche des Hofgartens ein halbes Jahrzehnt nach dem Start weiter zu 93 Prozent belegt ist, darbt die Fußgängerzone. Was indes aus Sicht von Bernd Krebs (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses, nichts an der Erfolgsgeschichte des Centers ändert. „In meinen Augen ist der Hofgarten städtebaulich und einzelhandelstechnisch eine echte Bereicherung für die Stadt“, sagt der Unions-Politiker, der für den Einkaufsstandort untere Hauptstraße hingegen keine Zukunft mehr sieht.

Mit dem Hofgarten habe dies indes kaum etwas zu tun. Zwar sei nicht zu leugnen, dass das Einkaufszentrum Kaufkraft aus anderen Lagen der Innenstadt abziehe. Gleichzeitig aber müsse jedem bewusst sein, dass der Niedergang an der Fußgängerzone auch ohne Hofgarten gekommen wäre. „An der Hauptstraße müssen moderne Wohnkonzepte her“, fordert dementsprechend Bernd Krebs, der sich für das Center selbst ein noch größeres Angebot an hochwertigen Waren wünscht.

„Tom Tailor“ schließt seine Filiale im Hofgarten. Als Nachmieter folgt im November Ernsting’s Family. Foto: Oberpriller/Oberpriller (or)

Wohnungen im unteren Teil der Hauptstraße – für Hofgarten-Manager Ralf Lindl wäre dies ebenfalls wünschenswert. Im oberen Bereich sollten es Service und Handel geben, während die Clemens-Galerien mit einem Sortiment punkten könnten, das der Hofgarten nicht biete. „Etwa Sport“, sagt Lindl mit Blick auf Intersport Borgmann. Das Unternehmen zieht es an den Mühlenplatz, der Umbau läuft.

Fünf Jahre nach der Eröffnung zeigt sich Hofgarten-Manager Lindl grundsätzlich zufrieden mit der Entwicklung des Centers. Mehrere Millionen Besucher haben seitdem die Mall besucht, jährlich waren es stets um die sechs Millionen. Gleichwohl wurden auch schlechte Erfahrungen gemacht, die man allerdings nicht verhindern konnte. So die Insolvenz von „Yellow River“ und andere Geschäftsaufgaben.

„Wir bemühen uns aber stets, einen vernünftigen Mieter-Mix hinzubekommen“, betont Ralf Lindl. Als neuen Mieter kann er in Kürze beispielsweise „Party Ballon House“ im Basement begrüßen, auf „Xenos“ folgt „Tedi“ – und für „Yellow River“ zeichnet sich eine gastronomische Lösung ab. „Wir führen Gespräche“, sagt der Center-Manager. Voraussichtlich ab der ersten Jahreshälfte 2019 soll auf der derzeit verwaisten Fläche wieder asiatisches Essen angeboten werden. Dann allerdings à la Carte.

Dabei fände es Ralf Lindl anlässlich des anstehenden Jubiläums wünschenswert, wenn der Stadtrat nächste Woche die beiden beantragten verkaufsoffenen Sonntage am 28. Oktober (Brückenfest) und am 16. Dezember (Weihnachtsmarkt) genehmigen würde. „Verkaufsoffene Sonntage sind für die Belebung und die Wahrnehmung der Innenstadt relevant“, sagt der Center-Manager.

Zumal sich das Einkaufsverhalten in den vergangenen fünf Jahren verändert habe. „Der Online-Handel macht dem stationären Handel zu schaffen“, berichtet Lindl. Er geht davon aus, dass der Online-Handel weiter zunehmen und eine Quote von bis zu 30 Prozent erreichen wird. „Das ist abhängig vom Produkt“, betont der 52-Jährige, der es bedauert, dass sich Kaufhof aus Solingen zurückzieht: Lindl: „Da geht Produkttiefe verloren“.

500 Personen haben im Hofgarten einen Arbeitsplatz gefunden. Für Bezirksbürgermeister Richard Schmidt (SPD) ist das Einkaufszentrum auch wegen der vielen sonstigen Geschäftsaufgaben in der City „ein Fels in der Brandung“ des insgesamt abnehmenden Einzelhandels. Schmidt: „Das Center zieht nicht nur Besucher aus Solingen, sondern auch aus der Umgebung an“.

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