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Solinger Andreas Herlinghaus beendete seinen Dienst bei der Feuerwehr

Hauptbrandmeister Andreas Herlinghaus scheidet aus dem Dienst aus : Kein Ruhestand für die Ruhebank

Die Wahl war einfach, als die Stadt als Abschiedsgeschenk einen Gutschein anbot. „Ich habe sofort Obi gesagt“, erzählt Andreas Herlinghaus. „Ich brauche eine Säbelsäge für den Garten.“

Die Aussage ist klar: Der 63-Jährige sehnt sich nicht nach Ruhe – sonst hätte er kaum darum gebeten, noch drei zusätzliche Jahre bei der Feuerwehr arbeiten zu können, als er mit 60 eigentlich hätte ausscheiden müssen. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich verlängern durfte“, betont Herlinghaus, der den nötigen Antrag schon mit 58 gestellt hatte.

Dass der Höhscheider bis Ende Januar bei der Wehr bleiben konnte, hing auch mit seiner Position zusammen: In den letzten acht Jahren musste Andreas Herlinghaus nicht mehr zu Einsätzen ausrücken, sondern leitete die Fahrschule der Feuerwehr. Mit zwei Kollegen bildete er dort auch Mitarbeiter der Technischen Betriebe und des Stadtdienstes Grün aus – und etablierte ein Fahrsicherheitstraining für Einsatz- und später auch Führungskräfte. „Dafür habe ich lange gekämpft.“

Kämpferisch zeigte sich der gelernte Werkzeugmacher auch, als er 2006 in Solingen mit vier Kollegen die Interessenvertretung der Feuerwehr gründete. Herlinghaus: „In den 1990er Jahren hatte es viele Kürzungen gegeben. Wir haben uns nicht richtig vertreten gesehen, wollten mehr Einfluss in den Gewerkschaften nehmen. Die wollten das aber nicht.“ Also rief der Solinger – wieder als Gründungsmitglied – 2011 die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft ins Leben. Zählte die Interessenvertretung damals noch rund 700 Mitglieder, sind es bei der Gewerkschaft heute etwa zehnmal so viel. Die Geschäftsstelle der Gewerkschaft liegt weiter an der Friedrichstraße.

Andreas Herlinghaus engagierte sich bis 2017 im Bundesvorstand und war für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Gewerkschaft dankte ihm und ihrem langjährigen Bundesvorsitzenden Ingo Schäfer den Einsatz 2019 mit der Ehrenmitgliedschaft – und verlegte dazu die Bundeshauptversammlung im vergangenen Oktober in die Schalterhalle des ehemaligen Hauptbahnhofs im Südpark. Mehr als 100 Delegierte verfolgten die Auszeichnung der beiden Solinger.

Im Südpark hatte 2013 auch die 150-Jahr-Feier der Berufsfeuerwehr stattgefunden. Herlinghaus moderierte alle Veranstaltungen – wie auch spätere Feste oder etwa Spiele der Feuerwehr-Eishockeymannschaft. Auf der Bühne zu stehen, war ihm von der Fete am Denkmol geläufig: „Ich habe fast zwei Jahrzehnte lang bei der Fete mitgemacht und war 13 Jahre Vorsitzender des Vereins.“ Herlinghaus, der mit dem Ehrenvorsitz bedacht wurde, bedauert das Ende „eines der ältesten Stadtteilfeste Solingens“: „Wir haben wirklich alles versucht und der Fete neue Strukturen gegeben. Aber die Auflagen wurden immer höher und der Kostendruck immer größer.“

Ein Ehrenamt geht, ein neues kommt: Der Hauptbrandmeister a. D. kann sich gut vorstellen, Pensionäre und aktive Feuerwehrleute enger miteinander in Kontakt zu bringen. Auch beruflich geht noch etwas: „Ich werde gelegentlich als Dozent an einer Fahrlehrer-Fachschule in Leverkusen arbeiten“, blickt Herlinghaus voraus.

Privat werde mehr Zeit für die beiden Enkelkinder bleiben. Ehefrau Martina, mit der er seit 38 Jahren verheiratet ist, arbeitet mit einer ihrer beiden Töchter zwar noch bis 2023 als Tagesmutter. Trotzdem hat sich das Paar gerade einen Wohnwagen zugelegt, um mehr zu reisen. Auch eine KTM Super Adventure mit 1290 Kubikzentimetern wartet auf den gelegentlichen Ausritt. Radfahren („noch verweigern wir uns dem E-Bike“), Wandern und die Pflege einer Parzelle im Kleingarten Böckerhof – auch mit der Säbelsäge – sind ebenfalls angesagt.

Und noch etwas steht auf dem Programm. „Wir sind uns einig: Er soll ihn wieder wachsen lassen“, sagt Martina Herlinghaus über den Schnurrbart ihres Mannes. Mehr als 40 Jahre lang trug er die Zierde, vor gut einem Jahr wurde sie abrasiert.

Andreas Herlinghaus gehört das Schlusswort: „Ich möchte allen danken, die so viel mitgetragen haben – vor allem auch meiner Familie.“ Vielen konnte er das auch schon persönlich sagen: Der Ausstand wurde mit mehr als 100 Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen im „Cornish Arms“ in Gräfrath gefeiert. „Das“, erinnert sich Herlinghaus, „war ein sehr schöner Tag.“