Veloroute kommt August 2021 : Radwege-Netz in Solingen noch ausbaufähig

Die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs sieht aber im Rathaus Aufbruchstimmung in Sachen Radverkehr.

Radwege-Netz? – „Davon kann man in Solingen noch nicht sprechen“, sagt Bernhard Stoer von der Solinger Ortsgruppe im Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Wuppertal / Solingen und ergänzt mit Blick auf das vorhandene „Netz“: „Es ist löchrig wie ein Schweizer Käse.“

So sei es passionierten Radlern beispielsweise unmöglich, die Kreuzung Werwolf in der Innenstadt vernünftig zu queren. Am Dickenbusch sei offenbar kein Radweg geplant, sollte hier irgendwann einmal ein Kreisverkehr zum Zuge kommen. Aber Stoer sieht auch Positives im Zuge von Neubaumaßnahmen: „Die Sparkasse will in Ohligs beispielsweise zusätzliche Rad-Abstellplätze realisieren und Mitarbeitern auch die Möglichkeit zum Duschen in der neuen Geschäftsstelle einräumen. Das sind Entwicklungen, denen sich die Politik nicht entziehen kann“, findet Bernhard Stoer. Und er hofft, dass das Finanzinstitut auch beim geplanten Neubau in der Stadtmitte entsprechende Vorkehrungen auch für Mitarbeiter treffen, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen wollen.

Er selbst bringt seine Tochter mit dem Rad zur Kindertagesstätte und fährt dann weiter zum Hauptbahnhof in Ohligs, um von hier mit der S-Bahn nach Düsseldorf zu fahren, weil er dort arbeitet. Wären Schulen gut für Radfahrer zu erreichen, könnte sich die Problematik der Elterntaxen zumindest stark lindern.

Auf der viel befahrenen Korkenziehertrasse wurde unter der Woche auch gezählt, dass morgens zwischen 6 und 8 Uhr und entsprechend abends nach Arbeitsschluss viele Radfahrer unterwegs sind. „Das zeigt doch, dass die Trasse auch von Berufspendlern genutzt wird“, erklärt Bernhard Stoer. Manko der Korkenziehertrasse sei aber, dass sie lediglich von Gräfrath zum Südpark in der Stadtmitte führt.

Von daher würde er eine Veloroute von Mitte nach Ohligs schön finden. „Immer mehr Menschen wollen sich bewegen und steigen aufs Rad“, argumentiert Stoer. Er unterstützt zwar die geplante Veloroute – zumal auch der Bund die Kosten des Schnellradwege-Projektes mit 90 Prozent fördern würde. Optimal seien aber markierte Radwege auf Straßen nicht. „Radfahrer sind keine störenden Elemente im Straßenverkehr. Von daher bittet er andere Verkehrsteilnehmer, auf Radfahrer zu achten und den erforderlichen Abstand von 1,50 Meter einzuhalten.

Die Ortsgruppe Solingen im ADFC ist gleichwohl zuversichtlich. „Wir nehmen wahr, dass es auch in der Solinger Verwaltung eine Aufbruchstimmung in Sachen Rad gibt.“ In der Tat ist der Anteil der Radfahrer in Solingen trotz topografischer Hemmnisse in den vergangenen Jahren deutlich gegenüber früher gestiegen. Mit dafür verantwortlich sind insbesondere E-Bikes, mit denen selbst kleine wie größere Berge leicht zu befahren sind. Gleichwohl sieht die Stadt, dass im Radwegenetz noch Lücken zu schließen sind. Doch daran wird gearbeitet.

Wünschenswert sei beispielsweise Verbindung von Mitte über Aufderhöhe nach Langenfeld. Für die Veloroute Gräfrath-Ohligs-Hilden via Weyerstraße gibt es mit August 2021 bereits einen konkreten Fertigstelltermin. Gearbeitet wird auch am Projekt Stöckerberg-Trasse. Das befindet sich allerdings noch in den Kinderschuhen.

Gerade die Radverbindungen rund um Ohligs von und nach Hilden sowie Langenfeld machen Sinn. In diesen Bereichen sind die Wegeverbindungen zumeist flach und führen in großen Teilen über weniger vom Autoverkehr genutzten Nebenstraßen oder durch die Ohligser Heide. Mehr Vorrang für den Radverkehr sieht auch das Land Nordrhein-Westfalen. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, NRW zum Fahrradland Nummer eins machen zu wollen.