Baumfällungen in Solingen : Land soll Kahlschlag stoppen

Baumrodungen erhitzen weiter die Gemüter. Jetzt kommt aus Solingen der Vorstoß, die Landesregierung in die Pflicht zu nehmen.

Die Auseinandersetzung um die Rodung von Bäumen im Solinger Stadtgebiet zieht immer weitere Kreise – und dürfte demnächst auch jenseits der Stadtgrenzen für Aufregung sorgen. Denn nachdem der Landesbetrieb Straßen.NRW schon im November mit der Fällung von Straßenbäumen an der Burger Landstraße teils großen Widerstand ausgelöst hat, will der Beirat Untere Naturschutzbehörde nun die Landesregierung einschalten, damit ähnliche Aktionen in Zukunft vermieden werden.

„Es muss endlich mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, um genaue Untersuchungen der Bäume zu garantieren“, sagte der stellvertretende Beirats-Vorsitzende Bernd Krebs (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald), der am Donnerstag ankündigte, gemeinsam mit dem Beirats-Vorsitzenden Enrique Pless (Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW) in Kürze entsprechende Schritte gegen einen weiteren Kahlschlag in die Wege zu leiten.

So sollen sowohl NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, als auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (beide CDU) aufgefordert werden, neue Regeln für die Begutachtung etwa von Straßenbäumen zu erlassen und Mittel umzuschichten. Zuvor hatte bereits Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) das Thema Baumfällungen zur Chefsache gemacht und in einem Brief an die Technische Direktorin von Straßen.NRW, Elfriede Sauerwein-Braksiek, eine Forderung des Naturschutzbeirats unterstützt, künftig „umfassend und begründet vor der Durchführung von Fällmaßnahmen auf Solinger Stadtgebiet informiert zu werden“.

Ein Vorgehen, das tatsächlich Erfolg zeitigte. So entschuldigte sich Straßen.NRW nur einen Tag nach dem OB-Schreiben ausdrücklich für nicht erfolgte Informationen im Vorfeld der Fällungen an der Burger Landstraße. Gleichzeitig blieb der Landesbetrieb aber bei seiner Einschätzung, die Rodungen von insgesamt 39 Bäumen seien aus Gründen der Verkehrssicherheit dringend notwendig.

Das jedoch wird von vielen Anwohnern bestritten – zumal bislang erst rund 15 Bäume, die meisten von ihnen Ahorne, gefällt worden sind und zusätzlich noch knapp 25 Alleebäume fallen sollen. „Das Holz von gefällten Baumstämmen sieht fantastisch aus, da ist nichts dran. Durch Pflege oder Nachschnitt hätten Bäume gerettet werden können“, betonte jetzt zum Beispiel Architektin Nicole Molinari, die mit anderen Bürgern auch schon in den Sozialen Medien gegen die Fällungen an der Burger Landstraße mobil machte.

Denn noch ist unklar, wie es weitergeht. Zwar nahmen zuletzt Unbekannte an den ebenfalls zur Fällung vorgesehenen Bäumen Manipulationen vor. Was wiederum zur Folge hat, dass Straßen.NRW nun zunächst neue Kontrollen durchführen muss. An dem grundsätzlichen Beschluss, die Bäume zu beseitigen, hat dies allerdings nichts geändert. Weswegen Anwohnerin Molinari am Donnerstag ankündigte, in den Tagen nach den Weihnachtsfeiertagen unter anderem eine Plakat-Aktion gegen die nach wie vor geplanten Rodungen zu starten.

Dabei ist die Burger Landstraße mitnichten der einzige Schauplatz umstrittener Fällungen. So sorgten erst vor Kurzem auch Fällaktionen an der Viehbachtalstraße für Unmut, wo von Straßen.NRW an der Auffahrt Mangenberg ebenfalls etliche Bäume beseitigt wurden. Und darüber hinaus steht neuer Ärger ins Haus, wenn für den Ausbau des Ittersammlers an der Stadtgrenze zu Haan in Wald weitere Bäume – diesmal durch den Bergisch-Rheinischen Wasserverband – weichen sollen.

Aus diesem Grund fand dort in dieser Woche ein Vorort-Termin statt. Anwesend waren dabei nicht allein Vertreter des Beirats Untere Naturschutzbehörde, sondern überdies Mitglieder der Grün- und Wegekommissionen der Bezirksvertretungen Wald sowie Ohligs / Aufderhöhe / Merscheid.

Wie eine Lösung im Ittertal aussehen kann, steht einstweilen noch nicht fest. Indes ist unbestritten, dass vor allem Straßen.NRW in Zukunft genauer auf die Finger geschaut werden soll. Kritiker vermuten hinter dem bisherigen Vorgehen des Landesbetriebes nämlich ein prinzipielles Problem.

So wird geargwöhnt, dass die Behörde bei ihren Baumkontrollen hauptsächlich verkehrstechnische Belange berücksichtigt und weniger naturfachliche Erwägungen eine Rolle spielen. Die seien jedoch bei künftigen Entscheidungen dringend geboten – weswegen die zuständigen Landesministerien nun dafür sorgen sollen, dass die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden.