Fachtagung „mikpräp“ in Solingen : Wer den Schaden hat, braucht Metallografen

Das Technische Berufskolleg lud zur vierten Fachtagung „mikpräp“ mit Ausstellung an die Blumenstraße ein.

Es war ein Versprecher, der eine ganze Tagung auf den Punkt brachte: „Wenn ich Sie ans Mikroskop bitten darf“, wurde Oberbürgermeister Tim Kurzbach aufgefordert, die fast 220 Teilnehmer der vierten Metallografie-Fachtagung „mikpräp“ – Mikroskopie und Präparation – zu begrüßen. Gemeint war natürlich das Mikrofon, wie sich Joachim Laimmer schnell korrigierte. Er sitzt der Gesellschaft für Materialografie Rhein Ruhr (gmr2) vor, die gemeinsam mit dem Technischen Berufskolleg die Tagung veranstaltet.

„Das ist das Besondere“, unterstrich Laimmer, „dass ein Interessenverband und eine Schule zusammenkommen.“ Nach zwei Vorveranstaltungen gab es 2013 die erste richtige Tagung. Seitdem findet sie alle zwei Jahre statt und hat, so Laimmer, immer hochkarätige Forscher und namhafte Referenten zu bieten. Inzwischen werde man auch international wahrgenommen. Die ersten Ausführungen kamen von Prof. Dr.-Ing. Sebastian Weber von der Bergischen Universität. Weber, dessen Institut seinen Sitz im ehemaligen Solinger Hauptbahnhof hat, sprach über die Mikrostruktur gegossener martensitischer Chromstähle.

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Die vierte „mikpräp“ stand mit Themen wie „Weiterführende Fraktographie“ unter dem Thema Schadensanalyse. Dazu hatten auch ein ehemaliger und zwei aktive Schüler etwas beizutragen: Tobias Geisler, der momentan an seiner Dissertation arbeitet, berichtete als Co-Referent von Untersuchungen zu Korngrößen- und Streulichtwertbeziehungen an stranggepresstem Aluminium. Dominic Paschalidis schilderte die Schadensfall-Untersuchung eines Differentials, und Marco Hoff (Max-Planck-Institut) analysierte ein beschädigtes Abflussrohr.

Paschalidis wird wie 39 weitere junge Männer und Frauen an der Blumenstraße zum Physikalisch-technischen Assistenten für Metallographie und Werkstoffkunde ausgebildet. Die meisten kommen aus der Region. Weil das Technische Berufskolleg aber neben einer Privatschule in Berlin der einzige Ausbildungsort für Metallografen in Deutschland ist, ließen sich auch schon Schüler aus Süddeutschland oder dem Harz für die Ausbildungszeit in Solingen nieder. Für Realschüler dauert sie drei Jahre, für Abiturienten zwei.

Die Schüler engagierten sich auch kräftig bei der Betreuung der Teilnehmer. „Zu solchen Lehrern und Schülern kann man nur gratulieren“, lobte Joachim Laimmer, der wie Tim Kurzbach auf die besondere Bedeutung Solingens als „geschichtliche Keimzelle der Metallographie“ hinwies.

Mit Messerhersteller Nesmuk, einem Nachbarn der Schule, und Zwilling kamen zwei der 19 Aussteller aus der Klingenstadt. Nesmuk-Schmied Markus Patschull zeigte Kochmesser mit Klingen aus mehr als 200 Mal gefaltetem Damaszenerstahl, während Victor Köhnen, früher selbst Schüler am Technischen Berufskolleg, das Zentrallabor von Zwilling vertrat. Das Unternehmen kooperiert bei Praktika und unterstützt das Berufskolleg von Zeit zu Zeit mit nicht mehr benötigten Maschinen und Geräten.

Um Geräte ging es auch, als die teilnehmenden Unternehmen zwölf Schwerpunkte von der Bildanalyse am Lichtmikroskop bis zu Tipps und Tricks für die Makrofotografie anboten. Kurz vor Ende der Fachtagung wurden zudem die besten Poster prämiert, die Schüler des Berufskollegs sowie Düsseldorfer Auszubildende gestaltet hatten.

„Es gibt keine bessere Investition als in Bildung“, betonte Oberbürgermeister Kurzbach. Die Ausbildung der Metallografen begann an der Blumenstraße in den 1980er Jahren. „Sie werden von der Industrie sehr gesucht“, erläuterte Lehrerin Uta Richter-Harneid und können, so Joachim Laimmer, „durchaus die Familie ernähren“.

Nach einer Weiterbildung seien Jahresgehälter von 60.000 bis 70.000 Euro möglich.