Solinger Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“: Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen

Das Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“ wurde neu aufgestellt. Maria Ricchiuti ist zentrale Ansprechpartnerin.

Angebot und Nachfrage klaffen auf dem Solinger Ausbildungsmarkt seit Jahren weit auseinander. Zu viele Bewerber einerseits, zu wenig Lehrstellen andererseits – viele Jugendliche sind gezwungen, sich außerhalb der Klingenstadt einen Ausbildungsplatz zu suchen. Allein im vergangenen Jahr kamen auf 100 Bewerber nur 58 Stellen. Solingen ist damit in der Region das Sorgenkind im Bezug auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Das soll anders werden.

Denn die Beteiligten am Ausbildungsstellenmarkt suchen jetzt noch enger den Schulterschluss. „Kein Abschluss ohne Anschluss“ heißt ein bereits seit 2013 bestehenden Projekt bei der Stadt. Dieses wurde nun neu aufgestellt, das Netzwerk noch enger verzahnt. Damit die neue Struktur auch greift, wurde mit Maria Rucchiuti die kommunale Koordinierungsstelle von „kein Abschluss ohne Anschluss“ besetzt – als Stabsstelle direkt beim Leiter des Jobcenters, Mike Häusgen, angesiedelt. „Das Netzwerk wird dadurch verbindlicher, wir bringen mehr PS auf die Straße“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach bei der Vorstellung von Maria Ricchiuti.

Sie arbeitet bereits seit Jahren in der Stadtverwaltung und ist mit der Thematik Ausbildung bestens vertraut. „Wir müssen die Jugendlichen in den Schulen gut auf den Beruf beziehungsweise die Ausbildung vorbereiten“, sagte Ricchiuti, „und die Jugendlichen rechtzeitig mit den Betrieben zusammenbringen“. Gerne ist die Leiterin der kommunalen Koordinierungsstelle auch bereit, kleine und große Unternehmen in Sachen Ausbildung zusammenzubringen. Beispielsweise wenn es um Betriebsunterricht geht, der häufig in den größeren Unternehmen für die Auszubildenden angeboten wird. Ricchiuti: „Hier könnten sich Kooperationen ergeben“.

Ziel aller Beteiligten auf dem Ausbildungsmarkt – im Rahmen des beschlossenen Ausbildungspaktes in Solingen sind das unter anderem die IHK, die Kreishandwerkerschaft, der Arbeitgeberverband, die Stadt mit verschiedenen Stadtdiensten, die Wirtschaftsförderung, die Agentur für Arbeit , Schulen, das Jobcenter, die Bergische Universität – ist es, Schulabsolventen zeitnah in Ausbildung zu vermitteln. „Das ist ein zentrales und wichtiges Anliegen“, erklärte der Oberbürgermeister. Er appellierte an die Unternehmen, „jungen Menschen eine Ausbildungschance in Solingen zu geben – in ihrer Heimatstadt“.

Dezernentin Dagmar Becker betonte mit Blick auf die vielen Beteiligten, dass es „intern auf eine gute Abstimmung“ ankomme. Eine zentrale Ansprechpartnerin mit Maria Ricchiuti ist für das Projekt sehr förderlich. „Wir wollen in Solingen keinen Jugendlichen zurücklassen“, betonte Mike Häusgen.

Veranstaltungen wie früher „Forum Beruf“ sollen überdies neu aufgestellt werden. Dies kündigte Dezernentin Dagmar Becker an. „Kleinräumiger und branchenorientierter“, so umriss Mike Häusgen mit Blick auf diese Veranstaltung die neue Vorgehensweise. Schon im vorigen Jahr gab es statt Forum Beruf den Tag der Ausbildungschance zusammen mit der IHK im Technischen Berufskolleg. Im Oktober wird dieses Veranstaltungsformat im Schulzentrum Vogelsang erneut über die Bühne gehen. „Unser Ziel ist es hier, praktikabel und effizient zu sein“, erklärte Becker.

Damit die Zusammenarbeit künftig noch besser klappt, sind 2019 eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen. Dazu gehören unter anderem auch berufsorientierte Aktionen für Jugendliche durch das Jobcenter, Bewerberdatings der Kreishandwerkerschaft oder auch Betriebserkundungen und Praktika durch die Schülerschaft im Rahmen von „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Oberbürgermeister Kurzbach ist überzeugt, dass das Projekt einen guten Schub erfährt. Er hob „die klare Zuständigkeit“ der Koordinierungsstelle hervor. „Maria Rucchiuti hat ein gutes Talent zu motivieren.“

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