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Solingen: Zögerliche Geständnisse im Drogenprozess

Solinger vor dem Landgericht angeklagt : Zögerliche Geständnisse im Drogenprozess

Für den zweiten Verhandlungstag am Wuppertaler Landgericht im Prozess gegen eine Bande von fünf Drogenhändlern aus dem Solinger Raum hatten die Angeklagten weitgehende Geständnisse angekündigt.

Die Anklage warf ihnen kiloweisen Kauf von Marihuana, Haschisch und Kokain in Roermond und Dortmund vor – alles in der Zeit vom 1. April bis zum 21. November letzten Jahres. Dazu den illegalen Transport über die holländische Grenze und die heimliche Lagerung der Rauschmittel in Privatwohnungen in Ohligs und in der Solinger Innenstadt.

Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 31-jähriger Solinger Shisha-Bar-Betrieber, und seine Stellvertreter, 37 Jahre und 30 Jahre alte Solinger, gaben über ihre Anwälte ihre Beteiligung an fast allen vorgeworfenen Taten zu. Rückfragen des Gerichts ließen sie von vornherein nicht zu – wohl um abzuwarten, was die Mitangeklagten preisgeben würden. Diese Taktik verärgerte den Vorsitzenden Richter und ließen ihn den Bundesgerichtshof zitieren, der solche „Geständnisse“ ohne die Möglichkeit zu richterlichen Nachfragen als „unbedeutend“ bezeichnet. Übersetzt: Strafminderung wäre durch solch eingeschränkte Geständnisse nicht zu erreichen.

Den Anklagepunkten der sieben Drogenkäufe im Zeitraum von April bis November letzten Jahres wurde nur in Details widersprochen, auffällig war aber, dass mit Ausnahme des jüngsten Helfers (22 Jahre), der auch den Mercedes seines Großvaters benutzt hatte, niemand einen Drogentransport über die Grenze gefahren haben will. Und zur Teilnahme gezwungen worden sei auch niemand. Der Waffenkoffer mit dem Schlagring und den Vollgummigeschossen, aber ohne eine dazugehörige Waffe, den die Polizei in einer der Bunkerwohnungen sichergestellt hatte, war der Gruppe beinahe unbekannt.

Auf Nachfragen schien den Helfern eine schwierige Jugend gemeinsam, teilweise schon bis in die Schulzeit zurückreichender Drogenkonsum und kriminelle Auffälligkeiten. Diebstähle und Gewalttaten mit Untersuchungshaft für 14-Jährige schien es genauso zu geben wie den mangelnden Ehrgeiz für eine passende Berufsausbildung.

Die zwei eigentlichen Mieter der Bunkerwohnungen scheinen mit den Transporten nichts zu tun zu haben, wohl aber mit der Hilfe zur Portionierung und Verpackung der Rauschmittel. Ihr Lohn: 200 Euro im Monat Miete – und etwas Marihuana für den Eigenbedarf. Der mutmaßliche Chef, der auch für das Finanzielle verantwortlich war, hatte dafür die Zweitschlüssel der Wohnungen und freien Zutritt. In dessen eigener Wohnung stellten die Beamten neben der standesgemäßen Rolex 190.000 Euro Bargeld sicher, die aus den Drogengeschäften zu stammen scheinen. Eine umfangreiche Observation der Ermittler mit Foto- und Filmdokumentationen vor der Verhaftung scheint den Angeklagten nicht viel Raum für phantasievolle Ausflüchte zu lassen.

Weitere Verhandlungstermine folgen.