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Solingen / Wuppertal: Viereinhalb Jahre Haft nach Überfall-Serie

Berufungsprozess am Landgericht Wuppertal : Viereinhalb Jahre Haft nach Überfall-Serie

In einem Fall um Raub auf offener Straße und in Bankfoyers muss ein 20-jähriger Angeklagter aus Solingen ins Jugendgefängnis – zur nachträglichen Erziehung.

   (mis) Zu vier Jahren Haft war ein Solinger mit afghanischer Nationalität bereits wegen Raub und Körperverletzung vom Amtsgericht verurteilt worden, aber die Berufungsinstanz verwies das Verfahren zur Neuaufnahme an das Landgericht Wuppertal. Es war nicht klar, ob nun Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht in diesem Fall anzuwenden gewesen wäre.

Die Schätzungen zum Alter des Neu-Solingers lagen extrem weit auseinander. In Marl in der Aufnahmestelle wurde er nach sechsmonatiger Flucht im Jahr 2016 erst auf 17 geschätzt, aber dann mit 20 in den Papieren entlassen. Der medizinischen Gutachter wie auch die Jugendhilfe hielten ein deutlich höheres Alter für möglich, die Ausrechnung über den Lebenslauf des Angeklagten blieb erfolglos.

Von kindlichen Streichen konnte man bei der Brutalität der Vorfälle nicht mehr reden. Besonders das Zusammenschlagen eines Solingers mit anschließender Beraubung in der nächtlichen Innenstadt erregte Aufsehen. Die gesundheitlichen Folgen bleiben. Und auch der Diebstahl von Schuhen im Hofgarten eskalierte zu Angriffen gegen die Aufsicht und die Polizei – Handschellen, Morddrohungen, Gewalt gegen Unbeteiligte und Griff zum Messer inklusive. Die Flucht seiner beiden Begleiter aus dem Laden und später deren ernsthafte Bedrohung der Sicherheitskraft in der S-Bahn und an der Arbeitsstelle scheinen nicht verfolgt worden zu sein. Insgesamt waren es 13 Fälle aus den Kategorien Diebstahl, Drohungen, Widerstand gegen Beamte und Beleidigungen.

Während die Staatsanwältin eine vergleichsweise moderate Jugendstrafe von fünf Jahren forderte, sah der Verteidiger aufgrund des Lebensweges eine Jugendstrafe von drei Jahren als ausreichend an. Die Nebenklägerin sah die Brutalität eines Erwachsenen. Ihr Mandant sei fürs Leben gezeichnet, eine Erwachsenenstrafe von sechs Jahren sei angemessen.

Das Gericht entschied nach überaus langer Beratung auf eine zusammenfassende Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten, trotz älteren Aussehens nichts für Erwachsenrecht. Es seien typische Jugendverfehlungen.

Eine bereits vom Amtsgericht ­unzulässig verfügte Abschiebung muss ein anderes Gericht neu verhandeln.