Solingen/Wuppertal: Angeklagte bestreitet sexuellen Missbrauch

Solingen/Wuppertal : Angeklagter bestreitet einen sexuellen Missbrauch

Der Prozess um eine Vergewaltigung auf einer Dienstfahrt beschäftigt die Gerichte seit mittlerweile vier Jahren. Nun ging der Rechtsstreit zwischen einem Abteilungsleiter und einem jungen Kollegen vor dem Landgericht weiter.

Als Heinrich Böll das „Ende einer Dienstfahrt“ zu Papier brachte, ließ er seine Geschichte an einem rheinischen Amtsgericht spielen. Das Geschehen im Gerichtssaal trug familiäre Züge, die Verhandlung mutierte zu einer Art Sozialpsychologie einer kleinen Stadt. Die Sache wurde kleingehalten, die Presse zeigte keinerlei Interesse am Prozess.

Was hingegen derzeit – und das bereits zum zweiten Mal – am Wuppertaler Landgericht verhandelt wird, macht bereits über Jahre hinweg bundesweit Schlagzeilen. Erstinstanzlich am Amtsgericht abgeurteilt, nach der Berufung und beantragter Revision nun erneut ans Landgericht zurückverwiesen und zwischendrin soll es mehrere Prozesse am Arbeitsgericht gegeben haben: Dieses Ende einer Dienstfahrt beschäftigt die Gerichte seit mittlerweile vier Jahren.

Gemeinsam auf Reisen waren im April 2013 ein Abteilungsleiter und dessen junger Kollege, beide angestellt bei einem in Solingen ansässigen Unternehmen. Im Schwarzwald angekommen, soll man sich im Restaurant zum Geschäftsessen mit einem langjährigen Kunden getroffen haben. Danach ging es zum Absacker ins Hotel, schon zuvor hatte man einige Bierchen getrunken und nun kamen noch drei oder vier „Kurze“ hinzu. Von da an gibt es unterschiedliche Versionen einer Geschichte, die sich aus Sicht des jungen Kollegen so anhört: Er sei noch kurz zur Toilette gegangen und habe danach seinen Zimmerschlüssel nicht mehr gefunden. Nach vergeblicher Suche habe er schließlich seinen Vorgesetzten gebeten, mit in dessen Doppelbettzimmer übernachten zu dürfen. In den frühen Morgenstunden habe der ihm plötzlich ans Geschlechtsteil gefasst. Er selbst sei daraufhin aus dem Bett gesprungen und habe dort dann auch noch seinen Zimmerschlüssel gefunden. Den habe der Vorgesetzte aus der Jackentasche  genommen, um ihn zur gemeinsamen Übernachtung zu zwingen. 

Das Amtsgericht und auch das Landgericht hatten die Vergewaltigung auf der Dienstreise bestätigt und den Chef des mittlerweile 28-jährigem Gesellen zu zwei Jahren und vier Monaten, und später in der Berufung zu zwei Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt. Im Arbeitsgerichtsprozess war der Werkzeugmechaniker hingegen mit seiner Klage auf Entlassung des Chefs gescheitert. Dem war erst gekündigt worden, nachdem eine Boulevardzeitung den Namen der Firma veröffentlicht hatte. Auch dem Gesellen hatte das Unternehmen die Kündigung geschickt, wogegen der arbeitsgerichtlich vorgegangen war.

Während nun am Landgericht erneut die strafrechtlichen Konsequenzen verhandelt werden, bestritt der Angeklagte vehement, dass es zu dem ihm vorgeworfenen sexuellen Missbrauch gekommen sei. Im Gegenteil, die sexuellen Annäherungen seien einvernehmlich gewesen und der junge Mann habe  Probleme mit seiner vermeintlich unterdrückten Homosexualität. „Er hatte seine Hand auf meinen Rücken gelegt“, sagt der mittlerweile 48-Jährige über das, was sich im Hotelzimmer angespielt haben soll. Man habe sich geküsst und angefasst  - und nachdem er kurz eingeschlafen sei, habe er danach einfach weitermachen wollen. Daraufhin sei der junge Kollege aus dem Bett aufgestanden  - und Tage später habe der seinen Vater zu einem vereinbarten Gespräch mitgebracht. Beide hätten von ihm gefordert, für eine höhere Gehaltsklasse zu sorgen und auch dafür, dass dem Gesellen die Meisterschule bezahlt werde. Das habe er abgelehnt, daraufhin habe der Betriebsrat dem jungen Kollegen zur Anzeige geraten.

Der Prozess wird fortgesetzt, es sind weitere acht Verhandlungstage anberaumt.

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