Prozess am Landgericht Wuppertal Video schließt Bruder des Angeklagten als Täter aus

Solingen / Wuppertal · Nach wochenlanger „Urlaubspause“ ging es jetzt weiter im Prozess gegen einen wegen Totschlags angeklagten Solingers, der im August 2022 in der Hasselstraße einen Syrer (26) mit Messerstichen tödlich verletzt haben soll.

Der Angeklagte hatte schon zu Prozessbeginn eingeräumt, am Tatort gewesen zu sein, weil er seinem Vater habe zu Hilfe eilen wollen, der offenbar mit dem späteren Opfer in Streit geraten war. Der Verteidiger des 32-jährigen hatte gesagt, dass sich sein Mandant am Kopf verletzt und mit blutverschmierten Händen in einem nahegelegenen Waldstück wiedergefunden habe. An Messerstiche könne er sich nicht erinnern.

Nach dem Prozessauftakt im Juni ist das Gericht in eine umfangreiche Beweisaufnahme eingestiegen – auch am mittlerweile elften Verhandlungstag wurden weitere Zeugen gehört. Eine Polizeibeamtin schilderte die Befragung eines Augenzeugen, der die Streitigkeiten zwischen dem Opfer und der Familie des Angeklagten von seinem Balkon aus beobachtet haben will. Schläge, Tritte – und dann war da ein Gegenstand, den der Angeklagte aus der Hosentasche geholt haben soll: All das hatte der Zeuge beobachtet. Ob es ein Messer war und ob damit zugestochen wurde? Das will der Mann nicht gesehen haben. Späterer hatte er der Polizei einen Namen genannt, kurz darauf wurde der Bruder des Angeklagten verhaftet.

Dass der es nicht gewesen sein kann, stellte kurz darauf ein Anwalt klar. Er präsentierte der Polizei das Überwachungsvideo eines Wettbüros, in dem sein Mandant den Abend verbracht habe. Was die Beamten auch sahen: Im Hintergrund lief der Fernseher mit einer Sportübertragung. Dass der Bruder des Angeklagten der Täter hätte sein können, war damit vom Tisch.

Aber auch das ist auf dem Video zu sehen: Plötzlich geht der Mann aus dem Laden – offenbar, um zum Tatort zu eilen. Dort war er festgenommen und später wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Dass nicht er, sondern sein nun auf der Anklagebank sitzender Bruder mit dem Messer zugestochen haben soll, hatte man sich da schon längst „im Viertel“ erzählt.

Ein Zeuge hat ausgesagt, damals etwas vor der Dönerbude „aufgeschnappt“ zu haben von Bekannten, die sich dort unterhalten hätten. Der „wahre Täter“ habe sich ins Ausland abgesetzt. Entkommen sei er den Polizeibeamten noch in der gleichen Nacht nur deshalb, weil er sich in Frauenkleidern und verschleiert an ihnen vorbeigeschlichen habe. Der Flüchtende sei zu Fuß zur Kohlfurth gelaufen, am „Café Hubraum“ von Bekannten abgeholt worden und in die Türkei geflohen. Gehört hatte der Zeuge auch, dass die Familie des Täters der Familie des Opfers eine Million Euro geboten haben soll, damit diese „Ruhe geben“ würde. Diese habe aber abgelehnt und gesagt, sie wolle den Täter bluten sehen und dessen Frau und die Kinder töten.

Der Prozess soll mit der Anhörung des psychiatrischen Gutachters fortgesetzt werden.

(mag)