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Solingen: Weltenbummler Krautzun wird 80 Jahre

Fußballtrainer aus Solingen feiert runden Geburtstag : Weltenbummler Krautzun wird 80

Der gebürtige Solinger Eckhard Krautzun ist seit über 50 Jahren dem Fußball-Geschäft eng verbunden: Als Trainer, Berater und Scout. Der Weltenbummler hat sogar mal Diego Maradona trainiert – zumindest für einen Tag.

Eckhard Krautzun könnte eigentlich zweimal im Jahr Geburtstag feiern. 1988 sollte er in jener PanAm-Boeing sitzen, die beim Terroranschlag über dem schottischen Lockerbie abstürzte. Der Fußballlehrer spricht nicht gerne darüber, nur so viel: „Ich hatte immer einen guten Schutzengel.“ Am Mittwoch wird Krautzun 80 Jahre alt und er will jetzt endlich mal ein Buch schreiben – „wenn mich der liebe Gott weiter so gut betreut“. Seit dem Tod des legendären Rudi Gutendorf 2019 darf man den Heppenheimer getrost als den größten Trainer-Weltenbummler des deutschen Fußballs bezeichnen.

Vor Corona war Krautzun regelmäßig in den Bundesliga-Stadien von Hoffenheim, Frankfurt und Mainz anzutreffen. Jetzt ist auch er auf TV-Kost angewiesen, zum ersten Mal seit er 1969 bei den Young Fellows Zürich seinen ersten Trainerposten antrat. „Man sieht auf dem Bildschirm schon einiges, aber die Kamera ist halt hauptsächlich auf den Ball gerichtet“, sagt Krautzun. In der Szene ist er immer noch bestens vernetzt: „Mein Rat ist immer noch gefragt.“ Er hält Kontakte mit Ex-Kollegen und Verbänden. Mangels Live-Erlebnisse liest er gerade viel - derzeit das Buch seines Freundes Alex Ferguson, der Trainerlegende von Manchester United, mit dem Titel „Leading.“

In zwölf Ländern arbeitete Krautzun, auf 31 Stationen kann er zurückblicken – von Union Solingen über Darmstadt 98 bis hin zum SC Freiburg. Nationaltrainer war der gebürtige Solinger in Kenia, Kanada, Tunesien und auf den Philippinen, in mehreren Funktionen auch für den chinesischen Verband tätig.

Titel gesammelt wie Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld oder Otto Rehhagel hat Krautzun nicht. 1979 führte er den TSV 1860 München in die Bundesliga. 2001 schaffte er die WM-Qualifikation mit Tunesien – trat aber vor dem Turnier 2002 zurück, weil ihm der Verbandspräsident die Aufstellung diktieren wollte. Irgendwie typisch für seine Karriere auch das: 1995 führte er den VfL Wolfsburg ins DFB-Pokal-Endspiel, war dort aber nicht mehr Trainer. Ein Jahr später holte er den Cup mit dem 1. FC Kaiserslautern – musste aber nach dem gleichzeitigen Bundesliga-Abstieg gehen.

Krautzun prägte keine Ära bei seinen deutschen Clubs - aber seine Nachfolger taten dies oft: Krautzun war der Vorgänger von Jürgen Klopp in Mainz, der Vorgänger von Volker Finke in Freiburg, der Vorgänger von Otto Rehhagel in Kaiserslautern. 1988 erhielt er einen Anruf vom Präsidenten von Rot-Weiß Essen. Das Engagement kam zwar nie zustande, aber Krautzun buchte seinen Flug um - und entging so dem Absturz der PanAm 103, bei der nach einem Sprengstoffanschlag alle 259 Insassen ums Leben kamen.

In die Welt hinaus trieb ihn immer die „Abenteuerlust. Interesse an anderen Ländern, anderen Kulturen, anderen Kontinenten. Ich wollte schon immer ins Ausland. Da habe ich die Hälfte meines Lebens verbracht.“ Krautzun war Gast beim Kaiser von Äthiopien, hat Pelé kennengelernt - und einmal sogar Diego Maradona trainiert. Der kürzlich gestorbene argentinische Superstar wurde vor über 30 Jahren für viel Geld zu einem Jubiläumsspiel von Krautzuns damaligen saudischem Club al-Ahli Dschidda eingeflogen. „Ich habe ihm gesagt, er soll das Aufwärmprogramm leiten. Das hat er auch gemacht“, erzählt Krautzun. „In der Sitzung hat er sich meine Worte vom Dolmetscher übersetzen lassen und dann die Mannschaft vorbildlich mitgerissen.“

(dpa)