Solingen: Waschbär „Panzerknacker“ sorgt für Ärger

Zerstörte Gärten : Waschbär „Panzerknacker“ sorgt für Ärger in Solingen

In Solingen treiben zunehmend Waschbären ihr Unwesen. Für Gartenbesitzer ist es gar nicht so leicht, gegen die Tiere mit der „Panzerknacker“-Maske anzugehen. Auch Mülltonnen sind kein Hindernis für die pfiffigen Wühler.

Kahlgefressene Tomatensträucher, leergeputzte Vogelhäuschen: Ernst Dieter Brunne und seine Nachbarin Beate Unger von der Hasseldeller Straße hatten zuletzt einiges an „Unfug“ bemerkt, den „irgendein Tier“ mit zunehmender Regelmäßigkeit bei ihnen anstellt. In der vorigen Woche konnte der Rentner dem Übeltäter direkt in die Augen schauen: „Im Gitter zwischen Haus und Terrasse hatte sich der Kopf eines Waschbären eingeklemmt, zumindest kurzfristig – er war schnell wieder frei“, berichtete Brunne, der noch nie zuvor ein Exemplar dieser Kleinbären gesehen hatte.

Erst seit den 30er Jahren gibt es diese Tierart in Deutschland. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, entkamen viele aus Pelzzuchtfarmen in Hessen, Brandenburg und der Eifel. Die Folge: Die putzig anzuschauenden Kleinbären mit der schwarzen „Panzerknacker-Maske“ um die Augen und dem geringelten Schwanz haben sich längst in NRW breitgemacht und sind auch in Solingen angekommen. Davon weiß auch Gerhard Brahmer von der Stiftung Umweltschutz und Natur zu berichten. So hat er etwa Fotos eines auf der Bonner Straße überfahrenen Waschbären – sie sind also auch in Ohligs verbreitet.

Zwar gibt es noch keine Jagdstatistiken für Waschbären, sagt Thomas Lambracht, Vorsitzender der Hegegemeinschaft der Kreisjägerschaft Solingen. Landesweit sei die Zahl der erlegten Waschbären aber von rund 2000 in der Saison 2001/02 auf knapp 17.000 in 2017/18 angewachsen. Mit Inkrafttreten des novellierten Landesjagdgesetzes 2015 unterliegen Waschbären dem Jagdrecht. Vom 1. September bis zum 28. Februar dürfen sie bejagt werden, allerdings nicht in privaten Gärten oder generell nicht in bewohnten Gebieten. Und Fallen zu stellen ist verboten. Das fällt unter das Wilderer-Gesetz.

Ernst Dieter Brunne von der Hasselstraße wird also, wie auch Solinger in anderen Stadtteilen, mit den pelzigen Neu-Nachbarn auskommen müssen und lernen, sich zu arrangieren. Auch Wildschweine oder Marder sorgen gelegentlich für Unmut, wenn sie Rasenflächen umwühlen oder Autokabel anknabbern. Selbst Rehe machen sich unbeliebt, wenn sie im Frühling den Gartenbesitzern frische Triebe abfressen.

Einen hundertprozentig wirksamen Tipp, wie man Waschbären vertreibt hat, Thomas Lambracht nicht. Aber man könne „mit Schmackes“ eine Dose mit Schrauben oder sonstigem Metallkram auf den Boden scheppern lassen – „also auf Erschrecken setzen.“

Waschbären anzugehen dagegen sei nicht ohne. „Die können ordentlich kratzen und beißen, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Ansonsten rät er dringend, Haustiere nicht draußen zu füttern und keine Reste stehen zu lassen: „Das lockt die pfiffigen Tiere an.“ Im Gegensatz zu Füchsen öffneten Waschbären übrigens auch Mülltonnen, der Deckel sei kein Hindernis.

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