Solingen: Walder Rathaus für 1,75 Millionen Euro verkauft

Wald : Rathaus für 1,75 Millionen Euro verkauft

Zwangsversteigerung der Immobilie in Wald zog viele Bieter und Interessenten ins Amtsgericht.

Um 9.13 Uhr eröffnete gestern eine Rechtspflegerin des Amtsgerichts Solingen die Zwangsversteigerung des ehemaligen Walder Rathauses. Um 9.53 Uhr hatte es mit dem Immobilienverwalter und -investor SAM Invest 2 einen neuen Eigentümer. Geschäftsführer Withold Daniel Zarebinski erhielt den Zuschlag nicht nur in der Versteigerung, auch der Vertreter des Internationalen Bankhaus Bodensee hatte keine Einwände. Ihm schuldete der vorherige Eigentümer, die Smart-Up Digital Innovation Center Solingen GmbH & Co. KG, rund eine Millionen Euro, bediente die Schulden nicht mehr. Seit Dezember 2017 trieb daher das Bankhaus die Zwangsversteigerung an.

Gleich sieben Bieter waren im Saal 105 des Amtsgerichts erschienen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, ist in 50 Büro- und Geschäftsräume eingeteilt, die vom Start-up-Unternehmen bis zur Physio-Praxis angemietet und genutzt werden. 11.300 Euro Miete bringe das im Monat, erklärte der Vertreter der Center-GmbH.

Ein gerichtlich bestelltes Gutachten errechnete einen Verkehrswert von 1,4 Millionen Euro für das Objekt an der Friedrich-Ebert-Straße 75-77. Die Rechtspflegerin hatte zum Start der Versteigerung erklärt, dass mindestens 50 Prozent dieser Summe geboten werden müssten. Außerdem stehe die Übernahme von 13.475 Euro an bisher aufgelaufenen Gerichtskosten im Raum. Zudem müsse der Erwerber den Nachweis erbringen, keine Steuerschulden zu haben und die fällige Grunderwerbssteuer zu zahlen. Erst danach erfolge die Eintragung ins Grundbuch. Auf Verlangen des Bankhauses vom Bodensee könne eine Anzahlung von 140.000 Euro verlangt werden.

Als erster ging dann um 9.19 Uhr ein Vertreter der Immopartner GmbH an den Richtertisch des Saals, legte seinen Ausweis vor, zeigte Urkunden, die seine Bonität für die Anzahlung belegten. Dann bot er 100.000 Euro. Keine drei Minuten später legte die B & L Wohnen und Leben nach, 800.000 Euro warf sie als Anfangsgebot in den Raum. Schließlich waren es sieben Bieter, darunter zwei Privatpersonen, die bis 9.34 Uhr die Gebote auf 1,5 Millionen Euro hochtrieben. Dann passierte minutenlang nichts. Die Rechtspflegerin hatte zwar zu Beginn erklärt, man müsse nicht wie bei eBay auf die letzten zehn Sekunden warten, aber Spannung gehört wohl zum Ritual. Denn kaum eine Minute vor Abschluss der Bieterzeit begann ein wahres Rennen.

Blicke in die Akten, auch aufs Smartphone fielen – wie hoch soll man noch gehen? Ein Privatanleger bot um 9.51 Uhr 1,75 Millionen Euro. Die Gerichtsmitarbeiterin schaute in die Runde, sagte: „Die Bieterzeit ist rum.“ Da legte Withold Daniel Zarebinski nochmals 5000 Euro oben drauf. Der Zuschlag erfolgte mit Zustimmung des Bankhauses vom Bodensee.

Der neue Eigentümer wollte nicht viel verraten. Zarebinski erklärte, dass er zu einem guten Marktwert erworben habe. „Wir schauen uns das jetzt in Ruhe an und entscheiden dann, was wir mit dem Rathaus machen wollen.“

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