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Solingen: Vom Hobbyfilmer zum Top-Produzenten.

Werbefilmpreis für Solinger : Vom Hobbyfilmer zum Top-Produzenten

Der gebürtige Solinger Philipp Ramhofer hat mehr als einen Koffer in Berlin: Für das Unternehmen Rimowa produzierte er einen mit dem Deutschen Werbefilmpreis geadelten gut zweiminütigen Streifen.

Der Rollkoffer von Rimowa kommt auch kurz ins Bild – etwa fünfmal in dem knapp zweiminütigen Spot. Star des Films aber ist der amerikanische Basketball-Profi LeBron James, der so schön zum Claim des Kofferherstellers passt: „No one builds a legacy by standing still.“ Frei übersetzt: Wer stillsteht, der hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck.

Der Film „Never still“ wurde Ende März in der Kategorie „Beste Kamera“ mit dem Deutschen Werbefilmpreis ausgezeichnet. Es war der bisher größte kreative Erfolg eines Unternehmens, das laut Selbstdarstellung in einem Kinderzimmer in der Mitte Deutschlands entstanden ist. Gemeint ist Solingen, und das Kind steckte immerhin schon im Studium – und wurde anfangs noch in Naturalien bezahlt: Einer der ersten Filme von Philipp Ramhofer machte Werbung für das Restaurant Di Vino neben den Christiansvillen.

„Philipp hat ein Gefühl für Charaktere. Über Menschen porträtiert er das Produkt“, sagt sein Vater Michael Ramhofer, der ehemalige Geschäftsführer von Präsenta. Er ist der kaufmännische Berater von „BWGTBLD“, der Firma, die sein Sohn 2012 ganz ohne Vokale, dafür aber mit viel Verve gründete. Und die auch am heutigen Standort Berlin noch Start-up-Qualitäten beweist. „Wir sind einfach hungrig“, unterstreicht Philipp Ramhofer. „Wir haben den Anspruch, die Besten zu sein.“

„2016 sind wir als junge Wilde nach Berlin gekommen“, berichtet der 30-Jährige. „2019 haben dann die letzten Mitbewerber aufgehört, uns zu belächeln.“ 2019 steigerte BWGTBLD den Umsatz von 3,4 auf 11,5 Millionen Euro. Damit kam das Unternehmen beim Ranking der größten Werbefilm-Produzenten unter die ersten Zwölf. Ramhofer: „Unser Ziel ist ganz klar, mit guter kreativer Werbung die Nummer eins zu werden.“

Die Liste der Auftraggeber zeigt, in welcher Liga das Unternehmen spielt: Sie reicht von Adidas und Allianz über Converse und Nike bis zu BMW, Mercedes, Porsche und Skoda – um nur einige zu nennen. Um die Aufträge, die von Agenturen vergeben werden, „pitchen“ immer mehrere Produktionsfirmen. „Die Konkurrenz ist sehr hart“, sagt der gebürtige Solinger, der mit seiner Firma gut durch die Corona-Krise kommt. Es gibt das finanzielle Polster aus dem letzten Jahr und genug bereits gedrehtes Material, das noch bearbeitet werden muss.

Gerade werden Aufträge für Facebook (Whatsapp) und das Hotel-Vergleichsportal trivago fertiggestellt. Gefilmt wird auch wieder: „Man hat auf einmal einen Gesundheitsbeauftragten am Set“, erzählt Philipp Ramhofer. Beim ersten Dreh für trivago seien immerhin 50 Frauen und Männer dabei gewesen.

Monate vorher wurden Streifen produziert, die dann doch der Corona-Krise zum Opfer fielen: Weil die Fußball-Europameisterschaft verlegt wurde, hat noch kein Fan die Filme gesehen, die mit der deutschen Nationalmannschaft für VW entstanden. „Da habe ich zum ersten Mal bei einem Dreh mitgemacht“, berichtet Vater Michael Ramhofer. „Im September 2019 waren in der Dortmunder Westfalenhalle 200 Leute am Set. Das war bis dahin der größte einzelne Auftrag für die Produktionsfirma.“

Trotz der Corona-Pandemie, sagt der kaufmännische Berater, ist BWGTBLD bereits bis Ende September dieses Jahres ausgelastet. Gedreht wird beispielsweise auch für Nivea und Zalando. Nur nicht mehr von Philipp Ramhofer selbst. Bereut der 30-Jährige, der mit Filmen über das Snowboardfahren und über Hochzeiten begann und später Regie führte, seine heutige Managertätigkeit am Schreibtisch? „Eigentlich habe ich ja eine kreative Ader“, sagt der Managing Partner der Produktionsfirma. „Ich habe als Geschäftsführer und Executive Producer auch weiter einen großen Einfluss auf den Film. Ich habe gelernt zu führen und habe die Macht, Sachen zu verändern.“

Die nächste Veränderung kommt noch in diesem Jahr: BWGTBLD will in Berlin zusätzliche Räume mieten. „Jetzt ist es seine Berufung, die Firma erfolgreich und groß zu machen“, kommentiert Michael Ramhofer. „Philipp ist jetzt Unternehmer geworden.“ Es gibt Branchen, wo das möglicherweise weniger Vergnügen macht. „Der Erfolg hängt extrem mit dem Team zusammen“, betont Philipp Ramhofer. „Unter den Mitarbeitern sind auch meine engsten Freunde.“

Für den Spaß an der Arbeit ist es auch nicht abträglich, mit Sportlern wie Dennis Schröder und Roger Federer sowie Künstlern wie Yvonne Catterfeld zusammenzukommen oder in Städten wie Los Angeles und London zu drehen. „Die Werbung ist die Cashcow, aber wir machen ja auch Musikvideos und haben eine Marke aufgebaut“, erläutert Philipp Ramhofer.

Wie schnell der Umsatz neue Höhen erreicht, muss sich zeigen. Mit Roger Federer stieg er immerhin schon in den Himmel über Zürich auf: Der weltbekannte Tennisspieler hatte zu einer Runde in seiner Privatmaschine eingeladen.