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Solingen: Vogelpark und Fauna kämpfen mit Corona-Folgen

Solinger Tierparks auf Spenden angewiesen : Schwere Zeiten für Vogelpark und Fauna

Der derzeitige Stillstand trifft die Anlagen in Ohligs und Gräfrath hart. Schließlich gilt es, laufende Kosten und alltägliche Arbeiten zu stemmen.

Wenn Janett Heinrich in diesen Tagen ihre Runde im Solinger Vogel- und Tierpark dreht, beschleicht sie ein bitteres Gefühl: „Es tut weh, wenn man sich überlegt, wie voll es sonst wäre“, sagt die leitende Tierpflegerin und stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Denn statt regem Besuch von Gästen, die mit ihren Kindern und Enkeln entspannt über die Anlage schlendern, an den Volieren und Gehegen Halt machen oder sich bei einem Imbiss entspannen, während der Nachwuchs auf dem Klettergerüst herumtollt, herrscht gespenstische Einsamkeit im Park am Rande der Ohligser Heide.

Und daran haben offensichtlich auch die Bewohner zu knabbern: Schafen und Ziegen, sonst umlagert von streichelnden und fütternden Besuchern, sei einfach langweilig, erklärt Heinrich. So müssten die Pfleger neben ihren ganz alltäglichen Arbeiten zusätzlich auch noch für Ersatzbeschäftigungen der Tiere sorgen: So bastele man zum Beispiel Spielzeuge aus Pappkartons und liefere Anreize, das eigene Futter zu suchen. Der Thüringer Waldziegenbock Kevin wiederum kann an einem Gymnastikball überschüssige Energie loswerden. Auch die Papageien, die von jung und alt sonst so oft zum Sprechen animiert werden, seien offensichtlich nicht glücklich über die Situation.

„Und es kann ja auch niemand sagen, wie es weitergeht“, bringt Heinrich die gegenwärtige Ohnmacht zum Ausdruck. Denn eines ist schließlich klar: Die siebenköpfige Belegschaft hat eine Menge zu tun, und den Kosten für den laufenden Betrieb – von Strom, Gas und Wasser über die Aufwendungen für das Personal bis hin zum Tierfutter – stehen eben aktuell keinerlei Besuchereinnahmen gegenüber. Wie es um mögliche Hilfen der öffentlichen Hand steht, wissen die Betreiber noch nicht. Und das, was man für den nächsten Winter sparen oder in mögliche Bauprojekte investieren müsse, würde davon wohl ohnehin nicht gedeckt werden. Deshalb bittet der Park um Spenden. Die können Unterstützer entweder auf ein Konto überweisen oder – in Form von Kleingeld – auch vor Ort „rollen“ lassen: Denn eine Metallschiene führt vom Zaun aus in eine Spendenschüssel, die eine „Pixibuch“-Figur trägt – und die abends geleert wird.

Die neugeborene Ziege erkundet das Gehege. Ihre Mitbewohner vermissen im Tier- und Vogelpark die Besucher und werden von den Pflegern beschäftigt. Foto: Peter Meuter

Am Zaun spenden können auch Spaziergänger, die am Tierpark Fauna in Gräfrath vorbeikommen: „Wir haben eine Spendenbox am Eingang und eine Futtermittel-Tonne aufgestellt“, berichtet etwa Tierpflegerin Josefine Busekroos. Ihr Arbeitsplan ist auf den Ernstfall ausgerichtet, wie Tierpark-Chefin Linda Bunzenthal erklärt: „Die Pfleger sind in zwei Teams eingeteilt, die jeweils eine Woche arbeiten und sich nicht begegnen.“ Damit will man dem Horror-Szenario vorbeugen, dass die ganze Belegschaft wegen eines Corona-Infektionsfalls in Quarantäne muss.

Auch die Gräfrather Fauna ist angesichts fehlender Eintrittsgelder auf Unterstützung angewiesen. Futter- und Spendensammelstellen sind eingerichtet. Foto: Peter Meuter

Beide Tierparks freuen sich über eine große Hilfsbereitschaft der Solinger Bevölkerung – und stehen auch miteinander im Kontakt: „Wir tauschen uns aus und sind ein wenig zusammengerückt“, sagt Janett Heinrich.