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Solingen: Vogel-Bauer feiert das 75-jährige Bestehen

Firma Vogel-Bauer aus Solingen-Wald : „Edelstahl bleibt ein Gewinner“

Das Familienunternehmen Vogel-Bauer von der Focher Straße in Wald blickt auf sein 75-jähriges Bestehen zurück – und hätte ohne Corona-Krise ein überdurchschnittlich gutes Jahr feiern können.

„Edelstahl mit Service“: Der Slogan ist kurz, die Leistung umfassend. Sie lässt sich wie die Firmengeschichte nicht in drei Sätzen beschreiben, denn die Gründung liegt bereits 75 Jahre zurück. Am 1. Juli 1945 machte sich Walter Vogel, einer von drei Prokuristen der Federn- und Kettenfabrik Hugo Bauer, als Stahlhändler selbstständig. In den 1960ern formte sein Sohn Paul-Wilhelm das Unternehmen zum ersten Edelstahl-Service-Center in Deutschland.

Das startete sehr gut ins Jubiläumsjahr – um dann Mitte Mai in die Corona-Krise zu geraten. Seit 1. Juni arbeiten 55 der 75 Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber die Geschäftsführer Lutz und Gerald Vogel sind vorsichtig optimistisch: Der Umsatzrückgang, der anfangs 40 Prozent betrug, liegt momentan nur noch bei 25 Prozent. „Wir haben halt mehrere Standbeine“, erläutert Gerald Vogel (54), der technische Geschäftsführer. „Das zahlt sich in Krisenzeiten wie diesen aus.“

Zum „breitgefächerten Kundenstamm“, so der kaufmännische Geschäftsführer Lutz Vogel (59), gehört zwar auch die notleidende Automotive-Branche. Sie macht jedoch lediglich ein Viertel des Umsatzes aus und lässt bei Vogel-Bauer beispielsweise geschliffene Platinen für Laderaum-Abdeckkanten fertigen. Die Flacherzeugnisse aus Wald sind aber auch im Bauwesen, in der Medizintechnik, in der Hausgeräte- und Lebensmittelindustrie sowie anderen Branchen gefragt. Gerald Vogel: „Wir sehen auch Potenzial in der Möbeltechnik. Und für Gebäudefassaden werden gerade selbstklebende Edelstahlplatinen entwickelt.“

Auch der Edelstahl, der in Katalysatoren und Geschirrspülmaschinen Verwendung findet, kommt aus Wald – wo er vorher „angearbeitet“ wurde. In den sieben verbundenen Hallen an der Focher Straße stehen 14 Produktionsanlagen, auf denen aus den Edelstahl-Coils Halbprodukte in Form von Spaltband und Zuschnitten für spätere Profile, Rohre sowie Stanz- und Ziehteile adjustiert werden. „Zu einem nicht unerheblichen Teil liefern wir bereits mehrstufig angearbeitete Halberzeugnisse aus, bei denen die Kunden dann nur noch wenige Schritte bis zur Fertigware ausführen müssen“, sagt Gerald Vogel. „Wir punkten bei unseren Kunden bereits in der kreativen Phase, in der ein Produkt entwickelt wird. Dadurch unterscheiden wir uns von unseren Mitbewerbern.“

Das Vormaterial wird seit der Jahrtausendwende von allen europäischen Edelstahlproduzenten bezogen. Vorher war Vogel-Bauer als hiesige Vertretung an Krupp Thyssen Nirosta und die Stahlwerke Ergste Westig gebunden. Der in Solingen angearbeitete Edelstahl geht vorrangig in den deutschsprachigen Raum, gelangt über Tochterfirmen der Kunden aber auch nach Osteuropa. In Solingen werden Unternehmen wie Breuer & Schmitz (Beschläge), Dr. Franke (Umformtechnik), Emde (Stanztechnik), J. C. König (Präzisions-Tiefziehteile) und Kortenbach (Stanz- und Umformtechnik) beliefert.

Wie geht es in den nächsten 25 Jahren weiter? Die Inhaber zitieren in ihrer Firmenchronik den Solinger Unternehmer Wolfgang Rixen (item): „Zufriedenheit mit dem Erreichten ist das Ende eines Unternehmens.“ Natürlich denken die Geschäftsführer über Innovationen und Erweiterungen nach. Das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück an der Focher Straße ist aber bereits ziemlich ausgereizt. Und mit einem Edelstahl-Service-Center zieht man nicht einfach um. Bis zu zwölf Meter tief sind die „Schlingengruben“, in denen Längendifferenzen des Bandstahls ausgeglichen werden. Gerald Vogel: „Damit sind wir hier in Wald tief im Boden verankert. Durch den Altbetrieb an der Ecke von Focher und Demmeltrather Straße haben wir aber noch eine räumliche Reserve.“

Zufrieden kann die Familie allerdings mit der Kontinuität sein. Vogel-Bauer ist ein Familienunternehmen reinsten Wassers: Seit 2007 arbeitet auch die Schwester der Geschäftsführer im Unternehmen. Regine Mathiasen (58) engagiert sich als Assistentin der Geschäftsführung unter anderem in den Bereichen Marketing und Facility Management.

Ihr Sohn Mats Mathiasen (29) trat 2017 in die Firma ein; er leitet das Rechnungswesen und ist für die Finanzbuchhaltung sowie das Controlling zuständig. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Ohne die Corona-Krise wäre es ein überdurchschnittliches Jahr gewesen.“

„Edelstahl wird ein Gewinner bleiben“, ist sich Gerald Vogel sicher. Und auch das Jubiläum soll – nach einer spontanen Feier im kleinen Kreis in der vergangenen Woche – noch begangen werden. „Geplant ist, die Mitarbeiter und Rentner samt ihren Partnern in den Wartesaal des alten Hauptbahnhofs einzuladen“, erläutert Regine Mathiasen. Sicher wird dabei auch die eine oder andere Anekdote ausgetauscht. Mathiasen: „Das Problem bei unserer Firmenchronik war nicht fehlendes Material, sondern aus der Fülle zu selektieren.“