Solingen: Verpackungsspezialist Brangs + Heinrich bildet fleißig aus

Ausbildung : Jeder Fünfte ist ein Auszubildender

Brangs + Heinrich bildet viele seiner Mitarbeiter selbst aus. Zurzeit lernen 22 junge Menschen vier Berufe. 2020 kommen die Kaufleute für Groß- und Außenhandelsmanagement hinzu.

Was bringen die Generationen Y und Z mit – also die Jahrgänge etwa ab 1980 – und was erwarten sie, wenn sie ins Berufsleben eintreten? „Das Ausbildungsniveau fängt gefühlt etwas tiefer an als früher. Wir müssen mehr Grundlagen vermitteln“, sagt Jan Coblenz, geschäftsführender Gesellschafter von Brangs + Heinrich. „Es betrifft nicht nur die reinen schulischen Leistungen. Auch das Wertegefüge ist anders.“ Darauf müsse sich das Management einstellen: „Wir können das ja nicht wegdiskutieren.“

Gleichzeitig seien aber die Ansprüche der Auszubildenden an ihre Arbeitgeber gestiegen. „Man muss sie mehr einbeziehen, mehr Verantwortung übertragen“, nennt Jan Coblenz ein Rezept, das bei dem Verpackungsspezialisten von der Felder Straße wirkt. Auf die 2019 ausgeschriebenen sieben Stellen bewarben sich 255 junge Männer und Frauen. In anderen Jahren, in denen auch angehende Fachlageristen gesucht werden, sind es noch mehr.

Die meisten Bewerber sehen sich vorher im Internet an, welche Ausbildungsplätze frei sind und was Brangs + Heinrich zu bieten hat (http://azubi.brangs-heinrich.de). Ihre Webseite verwalten unsere Azubis alleine“, erläutert Ausbildungsleiter Peter Knöppke.

Der Assistent der Geschäftsleitung und Handelsfachwirt hat selbst bei dem 1875 gegründeten Traditionsunternehmen gelernt. Der Groß- und Außenhandelskaufmann arbeitet seit 36 Jahren für die GmbH – kein Einzelfall. „Drei Viertel unserer Beschäftigten im Angestelltenverhältnis sind hier ausgebildet worden“, kommentiert Jan Coblenz.

Der Anteil der Frauen im Unternehmen liegt bei rund 40 Prozent. „Auf einen hohen Anteil haben wir schon immer Wert gelegt“, betont der Geschäftsführer. „Auch darauf, dass Frauen dasselbe Tarifgehalt bekommen und gleiche Karrierechancen haben.“ Etwa ein halbes Dutzend der weiblichen Angestellten arbeitet in Teilzeit. „Familie und Beruf lassen sich anders nicht darstellen.“

Die ersten Lehrstellen für 2020 hat Brangs + Heinrich bereits ausgeschrieben. Coblenz: „Es läuft jetzt an. Da viele Schüler aber auf das Januar-Zeugnis und die Abiturienten auf die Klausuren warten, kommen die Bewerbungen immer später. Früher hatten wir im Januar die ersten Verträge unterschrieben. Jetzt kann es sein, dass wir bis in den Mai oder Juni gehen.“

Lange vorher wurden aber erste Kontakte geknüpft. „Uns hilft, dass wir gut mit den Berufsschulen vernetzt sind“, beschreibt der geschäftsführende Gesellschafter einen von mehreren Wegen zu den möglichen Bewerbern. An der Alexander-Coppel-Schule sponsert Brangs + Heinrich die Informationsplattform Talentschmiede. Dazu kommen Besuche in anderen weiterführenden Schulen wie dem Gymnasium Schwertstraße und die Unterstützung für das Bewerbertraining der Wirtschaftsjunioren sowie Betriebsbesichtigungen und Praktika. „Ausgeschrieben“ werden die Stellen dann auch bei der Internetbörse Azubiyo und der Agentur für Arbeit sowie der IHK.

Ausbildungsleiter Peter Knöppke weiß, dass viele Bewerbungen auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda zustande kommen. Und dass mancher Interessent vorher etwas anderes ausprobiert hat – an Fachhochschulen oder Universitäten. „Wir befinden uns mit der Ausbildung in Konkurrenz zum Bachelor“, unterstreicht Jan Coblenz. Manche Studenten stellen dann aber fest: „Die Theorie ist es allemal nicht.“

So erging es beispielsweise Jana Grün. „Volkswirtschaft hat mir allerdings Spaß gemacht. Ich habe nach entsprechenden Berufen gegoogelt“ erzählt die 22-jährige Solingerin, die bei Brangs + Heinrich seit diesem Jahr zur Groß- und Außenhandelskauffrau ausgebildet wird. „Es macht wirklich Spaß. Man wird gut eingebunden.“

Das sieht auch Eileen Schmidt so. Die 19-jährige Solingerin wurde auf der Wirtschaftsschule auf den neuen Beruf der Kauffrau im E-Commerce aufmerksam und hat jetzt unter anderem mit dem Onlineshop und der Werbung zu tun. Blerina Avdullahi und Florian Stange sind bereits im zweiten „Lehrjahr“. „Ich wollte nach dem Abitur etwas Praktisches machen“, berichtet Avdullahi. Die 21-jährige Solingerin wird ebenfalls Groß- und Außenhandelskauffrau – „etwas Sicheres“. „Hier stehen einem die Türen offen“, lobt sie ihre Ausbilder. Stange studierte Mathematik und Chemie, sah sich dann aber nach einem Vorschlag seines Vaters bei Brangs + Heinrich um und lernte Fachinformatiker (Anwendungstechnik). „Ich habe schon als 16-Jähriger PCs zusammengebaut“, sagt der 23-jährige Solinger. „Das Angebot erschien mir sehr attraktiv.

„Wir werden sehr unterstützt – von der Einstiegsschulung über Azubi-Ausflüge bis zu den normalen Schulungen“, fasst Jana Grün zusammen. Die Auszubildenden gehen auch schon einmal gemeinsam zum Bowlen. Und wenn sie eine noch ruhigere Kugel schieben wollen, steht auch ihnen die neue Lounge offen.