Solingen: Unrat in Itter- und Krausener Bach

Starkregenfälle im Mai sorgen für Beckenüberläufe: Viel Unrat in Itter- und Krausener Bach

Wenn Heike Rovera und Peter Kirberg am Krausener- und Itterbach spazieren gehen, leinen sie ihre Hündin grundsätzlich an.

Nicht nur, weil sie dabei Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiete durchqueren. Sondern auch aus Sorge um die Gesundheit ihrer Hündin. Ohne Leine würde die noch junge Vierbeinerin nämlich übermütig in die Bachläufe springen und mit seltsamen Lumpen im Maul zurückkommen. „Von einigen Dingen wissen wir nicht genau, was sie sind“, sagt Heike Rovera. „Aber unsere Hündin hat eindeutig schon Tampons und Slipeinlagen gefunden“.

Ein Spaziergang vorige Woche bestätigte, was Rovera beschrieben hatte: Lappen, Lumpen, Papierfetzen – wie labbriges Lametta hatten sich die Stücke in den Baumwurzeln entlang der Bäche verfangen. Dass die Bachläufe verdreckt seien und zuweilen stinken würden, habe sie schon vor zweieinhalb Jahren bemerkt, sagte Rovera.

Damals hätten sie sich gerade ihre Hündin angeschafft und seitdem Gassigänge im Krausener- und Ittertal unternommen. Beschwert hatten sie sich jedoch bislang nicht. Erst als die Situation jetzt schlimmer geworden sei.

Nach einer Anfrage haben die Technischen Betriebe die Verschmutzungen nach einer Überprüfung bestätigt. Der Krausener Bachlauf und auch das Itterbachstück vom Ittertalbad Richtung Heidberger Mühle an der Grenze zu Haan sollen jetzt gereinigt worden sein. Der restliche Teil der Itter soll laut Andreas Schmitz noch folgen.

Schmitz ist bei den TBS Abteilungsleiter der Tiefbauunterhaltung. Er kümmert sich unter anderem um das Abwasserkanalnetz der Stadt, und er weiß mittlerweile, warum die Bäche Toilettenpapierfetzen und Slipeinlagen geführt haben.

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„Dazu muss man zuerst wissen, dass es in Solingen ein Mischwasserkanalnetz gibt“, erklärt Schmitz. Mischwasserkanäle sammeln Haushalts- und Regenwasser zusammen und leiten es der Kläranlage zu. Da zuweilen eine sehr große Mischwassermenge anfällt und die Kanäle überlasten würde, werden Entlastungsanlagen in das System eingebaut.

Eine dieser Anlagen steht direkt am oberen Eingang zum Krausener Bachtal. „Das ist ein sogenanntes Regenüberlaufbauwerk und die einfachste Form des Regenwasserabschlags“, sagt Andreas Schmitz. Regenwasser, wohlgemerkt. Denn kommt das Mischwasser im Entlastungsbauwerk an, setzen sich schwere Schmutzstoffe unten im Becken ab und werden der Kläranlage zugeführt. „Der obere Teil ist dann im Prinzip nur Regenwasser“, sagt Schmitz. Dieses sei so stark verdünnt und nicht mehr „klärpflichtig“, so dass es auch ökologisch unbedenklich in den Bach fließen dürfe.

Bei massiven Regenfällen, wie zuletzt Ende Mai dieses Jahres, kommen irgendwann aber auch die Entlastungsbauwerke an ihre Grenzen. „Dabei ist das Regenüberlaufbauwerk in Krausen übergelaufen“, erklärt Schmitz. Außerdem hätten die hohen Fließgeschwindigkeiten für starke Verwirbelungen von Schmutz- und Regenwasser im Becken gesorgt. Die unschönen Folgen hatten Heike Rovera und Peter Kirberg dann mit ihrer Hündin entdeckt.

Laut Schmitz seien diese Ereignisse aber selten. Ebenso selten wie der Fund, den sie bei einer Kontrolle des Regenauslassbauwerks „Sonnenschein“ im Itterbach gemacht hätten. Mehrere PVC-Rohrstücke hätten eine Leitung zum Klärwerk verstopft. Mit der Folge, dass eine Überlaufschwelle im Bauwerk ausgelöst und das überlaufende Schmutzwasser in die Itter geleitet wurde. „Die PVC-Rohre stammen vielleicht von irgendeiner Baumaßnahme in der Gegend“, vermutet Schmitz. Eventuell sei irgendwo eine Bauwassergrube mit den PVC-Stücken ausgepumpt worden. Wie die Bäche werden deswegen jetzt auch die Rohre im System gereinigt.

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