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Solingen und Hilden: Kplus-Gruppe schließt St. Lukas-Klinik in Ohligs

St. Josef-Klinik in Hilden wird ausgebaut : Kplus-Gruppe gibt Krankenhaus-Standort in Solingen auf

In einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz informiert die Geschäftsführung der Kplus Gruppe darüber, den Krankenhaus-Standort in Solingen in den kommenden vier Jahren aufzugeben. In dieser Zeit soll die St. Josef-Klinik in Hilden ausgebaut werden.

Bei vielen alteingesessenen Ohligsern dürfte diese Nachricht Bestürzung auslösen: Die St. Lukas Klinik, das traditionsreiche Krankenhaus, in dem – bis zur Schließung seiner Geburtenabteilung – viele Bürger des Stadtteils zur Welt kamen, wird in der Klingenstadt in rund vier Jahren Geschichte sein: 2026 will die katholische Kplus Gruppe die Leistungen der Klinik ins St. Josefs Krankenhaus in Hilden verlagern.

Die dramatische Lesart versucht Andreas Degelmann, Sprecher der Geschäftsführung des Trägers, zu entschärften: „Wir schließen zwar ein Gebäude, aber dieselben Ärzte und Pflegekräfte werden dieselben Behandlungen ein paar Kilometer weiter dann in Hilden einbringen.“ Der Ohligser Bevölkerung verspricht er: „Es wird keine Verschlechterung der Versorgung geben.“ Alle Teams aus dem Ohligser Krankenhaus würden am neuen Standort in bewährter Besetzung weiterarbeiten. Mit den Mitarbeitern habe man intensive Gespräche geführt – und viel Verständnis für die Entscheidung erfahren, betont Degelmann.

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Was aber sind die Gründe für den Umzug ? Da ist zunächst einmal das Gebäude an der Schwanenstraße: 1961 erbaut, ist es nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das zeigt sich schon allein in den Bädertüren und Zimmern, die nicht mehr zur zunehmenden Größe der Patientenbetten passen, von altersbedingten Verschleißerscheinungen im Haus ganz zu schweigen. Eine Sanierung des Bestands sei wirtschaftlich nicht darstellbar, sagt Degelmann. Und ein Neubau am Rande des Naturschutzgebiets komme nicht in Betracht. So habe man die Verlagerung des Standorts beschlossen – und darüber mit Land, Bezirksregierung und anderen Trägern der Umgebung gesprochen. Zuletzt befasste sich auch die Solinger Kommunalpolitik im Sozialausschuss mit dem Thema.

 Kplus-Geschäftsführer Andreas Degelmann hatte Ärzte und Mitarbeiter am Vormittag  informiert.
Kplus-Geschäftsführer Andreas Degelmann hatte Ärzte und Mitarbeiter am Vormittag informiert. Foto: Peter Meuter

Nachdenkliche Worte kommen indes aus dem Rathaus: „Wir bedauern sehr, diesen Krankenhaus-Standort in Solingen zu verlieren. Ich hätte mir eine andere Entscheidung des Trägers gewünscht“, kommentierte Oberbürgermeister Tim Kurzbach den Umzug, schob aber hinterher: „Nun werden wir alles daran setzen, dass diese Umstrukturierung nicht zu einer Schwächung der Gesundheitsversorgung der Solinger Bürger führt und die hohen Standards erhalten bleiben.“

Während eben auch die überregionale „Stroke Unit“ Schlaganfallpatienten künftig im Hildener Krankenhaus versorgen wird, will die Kplus-Gruppe zum Beispiel eine Nebenbetriebsstätte zur neurologischen Akutbehandlung am Städtischen Klinikum eröffnen. Studien zur Krankenhausdichte und die Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen hätten die Entwicklung hin zu den Umzugsplänen beschleunigt, sagt Degelmann. Und letztlich, auch das macht er deutlich, erhofft sich die Kplus Gruppe Synergie-Effekte durch die Bündelung von St. Lukas und St. Josefs Krankenhaus.

An letzterem wird folglich in den nächsten Jahren – wohl aber angesichts der umfangreichen Planungen noch nicht 2022 – viel gebaut: Einen zweigeschossigen Gebäudetrakt will der Träger aufstocken und erweitern. Aktuell leerstehende Räume sollen ebenfalls genutzt werden. Schließlich wolle man die volle Leistung beider Häuser erbringen, sagt Degelmann. Auch ein Parkhaus für die deutlich größere Zahl von Patenten und Mitarbeitern soll auf dem Gelände entstehen.

Für die Maßnahme hat die Kplus Gruppe einen Strukturfond-Antrag in Höhe von 50 Millionen Euro beim Land gestellt. So wächst das St. Josefs Krankenhaus zu einem der größten der Region heran. „Die Gesundheitsversorgung endet nicht an Stadtgrenzen“, betont Degelmann. So behandle die St. Lukas Klinik als Spezialversorger ohnehin Patienten aus der gesamten Region. Zwei Drittel der neurologischen Patienten kämen etwa aus dem Kreis Mettmann.

Was wird aus den Gebäuden am bisherigen Standort an der Schwanenstraße ? Die Verwaltung der Kplus Gruppe soll in den Räumen gegenüber der Klinik bestehen bleiben. Das Krankenhaus-Gebäude selbst wird abgerissen. Ob sich wenigstens der Name des Hauses am neuen Standort wiederfindet, ist offen, wie Degelmann sagt: „Das besprechen wir mit den Mitarbeitern.“ Doch noch steht der Umzug nicht direkt bevor – und bis dahin, stellt Degelmann klar, bleibe alles beim Alten.