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Solingen: Stilles Gedenken für die getöteten Kinder

Nach Familientragödie in Solingen : Stilles Gedenken für die toten Kinder

Mit einer Trauerfeier haben hunderte Menschen am Samstag in der Hasseldelle ihrem Entsetzen über die Tat Ausdruck verliehen. Die Stadt will ein Spendenkonto für die Familie der fünf getöteten Geschwister einrichten.

Wenige Tage, nachdem in einer Wohnung an der Hasselstraße fünf tote Kinder gefunden worden sind, ist die Anteilnahme in der Stadt, aber auch darüber hinaus weiter riesig. So haben am Samstagabend mehrere hundert Menschen in der Hasseldelle an einer stillen Trauerfeier teilgenommen, zu der der Verein „Wir in der Hasseldelle“ eingeladen hatte. Und auch auf dem Neumarkt in der Stadtmitte legten noch sichtlich unter Schock stehende Bürger das gesamte Wochenende über Blumen nieder und entzündeten Kerzen.

Die Stadt Solingen kündigte derweil am Sonntag an, ein Spendenkonto für die betroffene Familie einzurichten. „Die Anregung dazu kam von vielen Bürgerinnen und Bürgern, die sich in den sozialen Medien zu Wort gemeldet haben“, sagte ein Sprecher der Stadt Solingen am Sonntagmittag auf Nachfrage unserer Redaktion. Dabei gehe es nicht allein darum, für die Beerdigung der fünf mutmaßlich von der eigenen Mutter getöteten Mädchen und Jungen im Alter von einem bis acht Jahren zu sorgen, sondern der Familie darüber hinaus auch weitergehend Unterstützung zukommen zu lassen.

Parallel stellte die Verwaltung klar, sie werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Familie der Kinder, aber auch das weitere Umfeld vor Nachstellungen zu sichern. „Wir werden die Schulen, auf die ein Teil der getöteten Kinder gegangen ist, schützen“, sagte der Rathaus-Sprecher, nachdem es am Wochenende zu etlichen Beschwerden über aufdringliche Vertreter überregionaler Medien gekommen war. So schließt die Stadt eine Beschwerde beim Presserat ausdrücklich nicht aus. „Das wäre zu überlegen“, hieß es am Sonntag auf Anfrage aus dem Rathaus.

Derweil unterstrichen viele Politiker noch einmal die Bedeutung der direkt nach Bekanntwerden der Taten getroffenen Entscheidung, den Kommunalwahlkampf für einige Tage ruhen zu lassen. „Das war absolut richtig. In Momenten wie diesen muss alles andere hinten anstehen und die Menschen brauchen die Möglichkeit, ihrer Trauer und ihrem Entsetzen in Ruhe sowie würdevoll Ausdruck zu verleihen“, sagte beispielsweise der Oberbürgermeister-Kandidat der CDU, Carsten Becker.

Inwieweit und gegebenenfalls wann etwa die für vergangenen Donnerstag vorgesehene Podiumsdiskussion der Industrie- Handelskammer mit Ob-Kandidaten nachgeholt werden kann, steht noch nicht fest. Eine Entscheidung darüber dürfte zu Beginn der neuen Woche getroffen werden.

Zeitgleich arbeitet die nach Entdeckung der Morde eingerichtete Mordkommission „Hassel“ der Polizei unter Hochdruck weiter. So gilt es nun zunächst, einige Untersuchungen, zum Beispiel ein toxikologisches Gutachten, abzuwarten. Dieses soll Auskunft darüber geben, wie genau die fünf Kinder zu Tode gekommen sind. Mit einem Ergebnis ist allerdings nicht so schnell zu rechnen. Darauf hatte der verantwortliche Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt bereits am Freitag hingewiesen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schweigeminute für die fünf toten Kinder von Solingen-Hasseldelle