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Solingen: So arbeitet das IT-Unternehmen Instana in Corona-Zeiten

Mirko Novakovic (Instana) : „Ich freue mich sehr auf eine Normalität“

Der Chef von Instana spricht über den Einfluss von Corona auf das Solinger IT-Unternehmen und das Privatleben sowie Projekte in der Klingenstadt.

Instana hatte ein starkes letztes Geschäftsjahr. Wie ging es 2020 weiter? Leiden auch IT-Firmen unter Corona?

Novakovic Das Jahr 2019 war ein gutes für Instana, und wir konnten unser Geschäft fast verdoppeln. 2020 wollten wir ein ähnliches Wachstum erzielen – bis COVID die Welt zum Stillstand gebracht hat. Natürlich haben auch wir reagiert und die Wachstumspläne reduziert – wir planen jetzt, den Umsatz um knapp 50 Prozent zu erhöhen. Für uns ist nicht nur der Kunden-Markt betroffen, sondern auch der Kapitalmarkt, auf dem wir als Start-up Geld beschaffen müssen.

Wie sieht die aktuelle Situation aus?

Novakovic Nach jetzt vier Monaten im weltweiten Lockdown können wir sagen, dass zumindest der Kundenmarkt in vielen Segmenten weiter aktiv ist und sogar digitale Initiativen beschleunigt werden, was positiv für uns ist. Der Kapitalmarkt ist auch offen. Wir planen, unsere „Series D“ in diesem Jahr aufzulegen. Kunden, die insbesondere stationäres Geschäft verlieren, bauen verstärkt auf digitale Produkte. Und diese können wir überwachen und helfen dabei, dass diese Produkte gut funktionieren.

Instana hat seinen Hauptsitz in Chicago sowie weitere Niederlassungen in den USA, in Asien und in Europa. Wie geht es in Solingen weiter ?

Novakovic Wir haben zu Beginn von Corona einen Einstellungsstopp verhängt. Den werden wir gegebenenfalls jetzt in der zweiten Jahreshälfte schrittweise aufheben, was auch Einstellungen am Standort Solingen bedeuten kann. Ich bin hier mit Prognosen aber vorsichtig, weil die Pandemie ja erst am Anfang steht und die Auswirkungen mittelfristig und langfristig schwer zu bewerten sind.

Wie hat Corona sich auf die Arbeitsweise ausgewirkt?

Novakovic Wir haben weltweit alle Mitarbeiter aus den Büros, die wir hatten, abgezogen und machen Home Office. Das war für uns kein Problem, da wir sowieso verteilt gearbeitet haben und alle Werkzeuge und Abläufe sowieso digital sind. Das „Ebbtron“ an der Dunkelnberger Straße in Ohligs haben wir aber weiter angemietet, und der Standort Solingen ist auch weiter ein wichtiger Entwicklungsstandort. Reisen gibt es momentan praktisch nicht, und alle Kundentermine finden über Videokonferenz statt. Ich bin das letzte Mal im März geschäftlich gereist und war nur zweimal im Ebbtron, um mit ein paar Kollegen zum Mittagessen zu gehen. Ich sehe in diesem Jahr auch keine Rückkehr ins Büro, weil es für uns unnötig ist und das Risiko dafür zu hoch.

Wie wirkt sich die Pandemie auf Ihre eigene Psyche aus?

Novakovic Persönlich trifft mich das natürlich auch stark. Die letzten Jahre war ich viel bei Kunden unterwegs und habe immer den persönlichen Austausch mit Mitarbeitern an allen Standorten gesucht. Videokonferenzen können das nicht ersetzen, und es fehlt mir stark. Gerade auch schwierige Gespräche, wie etwa bei Kündigungen, über Videotelefonie durchzuführen ist schwer – aber eben auch neue Mitarbeiter einzustellen und Interviews zu führen. Man verliert etwas das Gefühl für das Unternehmen, und die Kultur ändert sich auch. Ich freue mich schon sehr auf eine „Normalität“ – und das als Unternehmen, das schon vor Corona remote gearbeitet hat und überall auf der Welt verteilt ist.

Sie sind vor einem Jahr mit ihrer Ehefrau und den drei Kindern in die USA gezogen, halten sich jetzt aber wieder in Solingen auf.

Novakovic Mit meiner Familie bin ich im April nach Solingen gekommen. Der Grund war, dass der Lockdown in San Francisco viel härter war als in Deutschland und wir mit den Kindern fast vier Wochen in der Wohnung verbracht haben. Jetzt können wir auf Grund der Einreisebestimmungen der USA nicht mehr zurück, ­ wahrscheinlich bis Ende des Jahres nicht.

Können Sie sich deshalb mehr um Ihr Projekt an der Prinzenstraße 2 kümmern, wo Sie das Gebäude der früheren Konsumgenossenschaft Solidarität umbauen lassen – und eigentlich schon in diesem Jahr einziehen wollten?

Novakovic Die Arbeiten an der Prinzenstraße gehen wie geplant weiter. Ich denke, wir werden nächstes Jahr im Sommer eröffnen können. Neben Instana und New Forge, ­ ein von mir mitgegründeter Early Stage Investment-Fonds, ­ wird es auch einen Co-Working Space geben und ein großes Restaurant mit Außenterrasse sowie Möglichkeiten, Veranstaltungen durchzuführen. Dazu Mittagessen für Mitarbeiter und externe Firmen, sowie ein Café.

Gibt es schon einen Betreiber?

Novakovic Patu Habacht wird als Koch und Gastronom die Gestaltung dafür übernehmen und das Geschäft dort führen. Zudem ist geplant, ein kleines Fitness-Studio zu integrieren, damit Mitarbeiter und externe Gäste etwas für ihre Gesundheit tun können. Insgesamt soll das Thema Work-Life-Balance im Vordergrund stehen. Eine gute Arbeitsumgebung, gesundes Essen und Bewegung an einem Ort, wo auch die Familie gerne zu Besuch kommt und willkommen is(s)t. Wir werden auch Mieter aufnehmen, die in dieses Konzept passen und Teil dieses Modells sein wollen.