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Solingen: Six-Bridges-Rally - Welterbe-Werbtour für Müngstener Brücke

Six Bridges Rally : Auf den Spuren von MacGyver

Die Welterbe-Werbetour für die Müngstener Brücke durch Europa erweist sich weiterhin als großes Abenteuer – in dem sich die Teilnehmer manchmal auch auf unkonventionelle Weise zu helfen wissen.

Nach der Überquerung der Pyrenäen schickte das Roadbook die Rallye-Fahrer erst einmal in die Wüste – korrekt gesagt, die Halb-Wüste: Die „Bardenas Reales“ in der nordspanischen Provinz Navarra faszinierte die Beobachter mit ihren Ockertönen und ihren pyramidenartigen, eigenwillig zerfurchten Lehm- und Sandsteinformationen unter stahlblauem Himmel. „Diese Rallye ist ein unglaubliches Abenteuer, mit Eindrücken, die sich noch gar nicht verarbeiten lassen“, gerät der Solinger Andreas Herlinghaus vom „Team 112“ einmal mehr ins Schwärmen.

Gut eine Woche ist vergangen, seit die „Six Bridges Rally“ im Schatten der Müngstener Brücke startete. Sie liefert ihren Teilnehmern ein wahres Füllhorn an Erlebnissen – und verlangt ihnen und ihren nicht mehr ganz jungen Fahrzeugen einiges ab: Mitten im Herzen Spaniens brach beim Fiat Spider des „Team Friedensdorf“ mit Uli Preuss und Jürgen Beu der Auspuff. Was also tun ?

Gut, wenn Mechaniker mit pragmatischen Methoden mit von der Partie sind. Ein bisschen im Stile von MacGyver, jenem improvisationsfreudigen 80er-Jahre-Actionhelden, reparierten Herlinghaus und der Wermelskirchener Frank Schmidt den Auspuff mit Hilfe von Getränkedosen. Von denen entfernten die ehemaligen Feuerwehrleute  Deckel und Boden und schnitten sie zudem längs auf. Eine Dose schoben sie eng aufgerollt in das gebrochene Rohr, die andere diente als Ummantelung. „Der Auspuff ist wieder fest und leise“, kommentiert Herlinghaus die Arbeit. So ging die Tour auch für die Friedensdorf-Kollegen weiter. Lohn der Mühen war ein Streifzug durch die ehemalige europäische Kulturhauptstadt Salamanca mit ihren leuchtenden Sandsteinfassaden, ihrer Kathedrale und dem prächtigen Plaza Mayor.

 Nach erfolgreicher Reparatur fährt der Fiat Spider des „Teams Friedensdorf“ mit einem Getränkedosen-Auspuff.
Nach erfolgreicher Reparatur fährt der Fiat Spider des „Teams Friedensdorf“ mit einem Getränkedosen-Auspuff. Foto: Andreas Herlinghaus
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Ihren Tribut zollte die spannende Reise auch an anderer Stelle: Eines der Teams musste sein Auto nach einer Panne sogar einstweilen in eine Werkstatt abschleppen lassen. Die Rallye setzen die Fahrer in der Zwischenzeit in einem Leihwagen fort, bis sie ihr Fahrzeug auf dem Rückweg wieder abholen können.

Weniger Glück im Unglück hatte offenbar ein Motorradfahrer aus dem Teilnehmerfeld. Er trug von einem Sturz wohl eine Bänderdehnung davon und musste die Rallye abbrechen.

 Wenn in Spanien Schafe den Weg kreuzen, kann es bis zur Weiterfahrt auch schon mal etwas länger dauern.
Wenn in Spanien Schafe den Weg kreuzen, kann es bis zur Weiterfahrt auch schon mal etwas länger dauern. Foto: Andreas Herlinghaus

Über einen bislang reibungslosen Verlauf der 6000 Kilometer umfassenden Ausfahrt freuten sich dagegen am Samstagabend die Eheleute Grah: „Das Auto hält, und das Fahren strengt mich nicht an“, sagte der 87-Jährige Klaus Grah nach der Ankunft am Etappenziel kurz vor der portugiesischen Grenze – und schwärmte von der Route: „Sie ist wirklich landschaftlich sehr attraktiv.“ Und auch die Unterkünfte können sich anscheinend sehen lassen: So habe das Ehepaar in einer Herberge übernachtet, deren Besitzer sie prompt durch seine Kunstsammlung mit Gemälden und Ikonen führte.

Den Veranstaltern Timm Kronenberg und Marc Baehr zollt Grah, der einst selbst Ausfahrten auf die Beine stellte, ein großes Kompliment: „Sie haben das hervorragend organisiert.“ Dem Lob schließen sich auch Andreas Herlinghaus und Frank Schmidt vom Team 112 an: „Hochachtung für diese tolle Rallye mit über 20 Weltkulturerbe-Stätten am Wegesrand.“

Am Sonntag erreichten die Teams Porto – die Metropole, die mit ihrer am Hang gelegenen historischen Altstadt nicht nur über ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe verfügt, sondern gleich zwei Brücken mit ins Rennen um den künftigen Welterbestatus schickt: die Ponte Dom Luis I. und die Ponte Marie Pia. Eine Woche liegt noch vor den Teilnehmern. Und nach der Reparaturaktion der Feuerwehrleute am Wagen ihrer Mitstreiter Uli Preuss und Jürgen Beu – beide Teams sammeln Spenden für das Oberhausener Friedensdorf – fiel die einvernehmliche Entscheidung: „Ab jetzt fahren wir den Rest der Strecke zusammen.“