Solingen: Schüler und Studenten wollen besseren Klimaschutz

„Fridays for Future“-Protest in Solingen: Schüler demonstrieren für mehr Klimaschutz

In Solingen hat der erste „Fridays for Future“-Protest stattgefunden. Rund 750 Teilnehmer zogen mit Plakaten durch die Innenstadt.

Seit Wochen gehen Schüler auf die Straße, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Auch in Solingen hat am Freitag die erste Demonstration im Rahmen der „Fridays for Future“-Proteste stattgefunden. Der Jugendstadtrat, die Bezirksschülervertretung sowiedie Linksjugend, die Grüne Jugend und die Jungsozialisten hatten zu der Kundgebung auf dem Parkplatz des Turnerbundes an der Zietenstraße aufgerufen.

Die Organisatoren erwarteten etwa 200 bis 300 Teilnehmer. Im Vorfeld hatte es Kritik an der Terminierung der Demonstration während der Schulzeit gegeben. Schuldezernentin Dagmar Becker fand in Zusammenarbeit mit dem Sprecherrat der Schulleitungen die Lösung, dass Schüler, die eine Entschuldigung vorlegen, vom Unterricht befreit werden. Von dieser Einigung erfuhren jedoch nicht alle Schulleiter gleichermaßen, so dass Ulrich Nachtkamp, Schulleiter des Gymnasiums Schwertstraße, Konsequenzen für Schüler ankündigte, die an der „Fridays for Future-Demonstration teilnehmen und dem Unterricht fernbleiben würden.

Während sich die Junge Union gegen eine Teilnahme während der Unterrichtszeit aussprach, stellten die Solinger Grüne und Linke die Absicht des Klimaschutzes in den Vordergrund und befürworteten die Teilnahme – auch während der Schulzeit. Pauline Junk, Mitglied des Jugendstadtrates, plädierte dafür, die Aufmerksamkeit auf den Inhalt der Demo zu richten. Nachhaltigkeit und Umweltschutz hätten eine größere Bedeutung als Fehlstunden.

Adrian Scheffels von der Linksjugend kritisiert die Diskussion um die Schulbefreiung. Das Ankündigen von Konsequenzen in Form unentschuldigter Fehlstunden habe einige Schüler verunsichert. Andererseits hätten die Diskussionen im Vorfeld aber viel Aufmerksamkeit für die geplante Kundgebung generiert. Die Organisation der „Fridays for Future“-Versammlung sei mit großem Aufwand verbunden gewesen, so Scheffels. Drei Treffen waren in den vorigen Wochen notwendig, um die Demonstration vorzubereiten. Der 25-jährige Student zeigte sich mit der Resonanz zufrieden. Er hoffe aber, dass die Bewegung in Zukunft keine reine Schülerinitiative sei und sich mehr Studenten engagieren würden.

Die erwartete Teilnehmerzahl wurde nach Angaben der Polizei deutlich übertroffen. Rund 750 Teilnehmer seien ab 10.30 Uhr von der Zietenstraße bis zum Rathaus gezogen. Die Demonstration führte an der August-Dicke-Schule und dem Gymnasium Schwertstraße vorbei über die Goerdeler Straße bis zum Rathaus.

Neben zahlreichen Schülern schlossen sich auch Erwachsene und Familien an. Viele Plakate mit verschiedenen Aufschriften, etwa „There is no planet B“ oder „Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit“ machten die Absichten der Teilnehmer deutlich. Unterstrichen wurden die Forderungen nach stärkerem Klimaschutz durch Parolen der Teilnehmer. Der Sprecher der Grünen in Solingen, Thilo Schnor, zeigte sich vom Engagement der jungen Generation beeindruckt. Aufgabe der Politik sei es nun, diesen Elan nicht verpuffen zu lassen, sondern konkrete Maßnahmen festzulegen.

Gegen 12 Uhr erreichte der Protestmarsch das Rathaus. Der Jugenstadtrat und die Bezirksschülervertretung bedankten sich in ihren Reden bei den zahlreichen Teilnehmern. „Der Klimawandel ist real und er ist menschengemacht“, mahnte die Bezirksschülervertretung. Der Kritik an der Ansetzung während der Schulzeit brachte sie entgegen, dass die große Aufmerksamkeit für den Protest nur durch das Schwänzen der Schule erreicht werden konnte.

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