Solingen: Schnelle Hilfe bei Schlaganfällen

Gesundheit in Solingen : Schnelle Hilfe bei Schlaganfällen

In Ohligs gibt es jetzt ein überregionales Schlaganfallzentrum. Rund 1,5 Millionen Euro wurden investiert.

Es sei „ein echter Meilenstein“ für die St. Lukas Klinik als Ganzes und für die Neurologie im Speziellen, meint Krankenhaus-Direktor Johannes Wecker: Die Ohligser Klinik ist jetzt zertifiziertes überregionales Schlaganfallzentrum. Geplant hat Prof. Dr. Marcel Dihné, der Chefarzt der Neurologie, das schon bei seinem Antritt im Juni 2013. „Der Bezirk hier war im Prinzip leer“, erläuterte der Chefarzt gestern: Patienten, die nach einem Schlaganfall mehr als eine intravenöse Therapie brauchten (durch sie werden in rund einem Fünftel der Fälle Blutgerinsel erfolgreich aufgelöst), mussten beispielsweise nach Wuppertal, Düsseldorf oder Essen gebracht werden.

In einem überregionalen Schlaganfallzentrum („Stroke Unit“) stehen zusätzlich neuroradiologische Behandlungsmethoden zur Verfügung; das Blutgerinsel kann auch mit Hilfe eines Katheters entfernt werden. „Wir sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team“, kommentiert Dr. Andree Boldt, radprax-Regionalleiter für Solingen und Hilden. Wenn eine Gehirnblutung, die in zehn bis 20 Prozent der Fälle auftritt, zu groß ist, kooperiert die St. Lukas Klinik auch mit dem Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie am Städtischen Klinikum, Dr. Ralf Buhl.

„Wir können ein breites Spektrum anbieten“, erklärt Prof. Dihné. Für die Patienten sei es jetzt am sichersten, wenn die Rettungsdienste sie in die St. Lukas Klinik brächten – sowohl wegen der möglichen Behandlungen, als auch wegen der Schnelligkeit. „Sie können nicht überall die Expertise vorhalten“, betont der Chefarzt der Neurologie. „Es ist schlecht vorhersagbar, welche Akuttherapie die beste ist.“ Wenn der Patient in ein weiter entferntes Krankenhaus verlagert werden müsse, verliere man zwei- bis zweieinhalb Stunden. „In der Zeit sterben immer mehr Nervenzellen ab.“

Für die St. Lukas Klinik bedeutet die Zertifizierung als überregionales Schlaganfallzentrum, dass mehr Personal gebraucht wird. Dihné: „Zum Beispiel müssen ständig Narkoseärzte in Bereitschaft sein.“ Nach der Operation oder Behandlung müssen die Patienten außerdem ständig beobachtet werden. „Darauf liegt das Hauptaugenmerk“, sagt David Schott, der Pflegeleiter der Intensivstation und der Stroke Unit. „Wir suchen händeringend weitere Pflegekräfte“, ergänzt Krankenhaus-Direktor Johannes Wecker. „In den letzten drei Monaten konnten wir acht neue Kräfte gewinnen.“ Hilfe kommt aber auch durch spezielle Monitore an den Krankenbetten: Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz werden die EKG-Daten aufgezeichnet und aufbereitet.

Die Erweiterung der Stroke Unit bringt an der Schwanenstraße Umbauarbeiten mit sich. Die Zahl der Betten steigt von zwölf auf 14, die der sogenannten Intermediate Care Betten um drei auf vier (Intensivüberwachungsbetten zwischen Intensivmedizin und Normalstation). Bis Ende des Jahres sollen die Intensivstation mit zehn Betten sowie die Stroke Unit mit Intermediate Care als strukturell, baulich und personell eigenständige Bereiche geführt werden.

Rund eine halbe Million Euro wird die Umgestaltung vermutlich kosten. Die radprax-Gruppe investiert eine weitere Million. Krankenhaus-Direktor Wecker würde gerne noch mehr Geld in die Hand nehmen. „Die Investitionslücke wird aber eher größer als kleiner“, kommentiert er. „Die Finanzierung durch das Land reicht nicht aus. Es ist nur Geld da, wenn wir es durch unsere Erlöse erarbeiten.“ Während zu wenig Geld vom Land kommt, steigt die Zahl der Kranken. 2014 zählte die St. Lukas Klinik noch
1100 Patienten mit einem akuten Schlaganfall oder dessen Vorstufen. 2018 waren es erstmals mehr als 1500 Fälle. Rechnet man diejenigen Patienten hinzu, die Symptome eines Schlaganfalls zeigen, aber an einer anderen Krankheit leiden, waren es sogar 1745 Fälle.

„Die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, wird mit dem Alter größer“, berichtet Chefarzt Dihné. Es treffe aber auch Jüngere, bei denen der Schlaganfall beispielsweise durch einen Herzfehler oder eine Gefäßentzündung verursacht werde.

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