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Solingen / Remscheid / Wuppertal: Bergische IHK rechnet mit mehr Insolvenzen

IHK-Konjunkturumfrage im Bergischen Land : „Die Stimmung im Gastgewerbe ist katastrophal“

Die Bergische Industrie- und Handelskammer sieht in den Branchen Gewinner und Verlierer. Gerechnet wird in den kommenden Monaten mit mehr Insolvenzen. An der Frühjahrsumfrage der IHK beteiligten sich 541 Unternehmen.

Die konjunkturelle Lage der Wirtschaft in Solingen, Remscheid und Wuppertal hat sich im Vergleich zum Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr gebessert. Das erklärte der Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Thomas Meyer, am Freitag bei der Vorlage der Ergebnisse der Frühjahrsumfrage. Daran hatten sich 541 Unternehmen mit 25.200 Beschäftigten beteiligt – darunter 159 Firmen aus Solingen mit 5400 Beschäftigten und 112 Betrieben aus Remscheid mit 7800 Mitarbeitern. Thomas Meyer: „Jedem dritten Unternehmen geht es derzeit gut, allerdings auch jedem vierten schlecht.“

Danach blicken momentan 34 Prozent der befragten Unternehmen auf eine gute Geschäftslage, und 26 Prozent gaben an, eine schlechte Geschäftslage zu haben. 40 Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation.

Innerhalb der einzelnen Branchen und insgesamt beim Branchenvergleich sind aber zum Teil erhebliche Unterschiede auszumachen. „Das driftet zum Teil völlig auseinander, da gibt es innerhalb der Branchen Gewinner und Verlierer“, sagt der IHK-Präsident. Während die Industrie derzeit ihre Lage deutlich positiver beurteilt als noch zu Jahresbeginn, geht die Schere im Einzelhandel auseinander: Der stationäre Handel muss kämpfen, um über die Runden zu kommen, dem Online-Handel geht es auf der anderen Seite gut. „Die Lage hat sich insgesamt verbessert, aber wir sind noch nicht durch“, sagt Thomas Meyer mit Blick auf die anhaltende Corona-Pandemie.

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Immerhin liegt der Geschäftslage-Index wieder im positiven Bereich. Nach dem Absturz um mehr als 50 Punkte auf minus 35 im zweiten Quartal vergangenen Jahres erholte sich der Geschäftslage-Index jetzt wieder auf plus acht für den Kammerbezirk. Solingen und Remscheid kommen auf einen Wert von plus sieben, Wuppertal auf plus neun. Meyer: „Die bergische Wirtschaft ist vorsichtig optimistisch.“

Unsicherheit darüber, wie die Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten verlaufen wird, ist aber vorhanden. Es ist nicht abzusehen, wie lange der Lockdown noch andauern wird. „Dies ist vor allem für jene Unternehmen in der Gastronomie, im stationären Einzelhandel und zahlreichen weiteren Branchen eine große Belastung“, sagt Thomas Meyer, der sich beispielsweise nicht nur für das Gastgewerbe Öffnungsperspektiven wünschen würde. „Daran fehlt es zurzeit völlig“, kritisiert der IHK-Präsident, „die Stimmung im Gastgewerbe ist katastrophal“.

Von daher geht er davon aus, dass in naher Zukunft mit mehr Insolvenzen zu rechnen ist. Vor allem auch deshalb, weil die ausgesetzte Insolvenzantragsfrist am Ende des vergangenen Monats gefallen ist. Insbesondere in den Bereichen Hotels, Gastronomie, Einzelhandel oder Messebau werden „es einige nicht schaffen“.

In der Kreditwirtschaft herrscht dagegen Zuversicht – wie eigentlich immer in den vergangenen Jahren. Ein Drittel der Befragten spricht von einer guten Geschäftslage, zwei Drittel sind zufrieden. Sorge bereitet der IHK allerdings die kritische Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Manche Lehrstellen bleiben mangels Bewerbern unbesetzt. Das führe über kurz oder lang zum Fachkräftemangel.