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Solingen/Remscheid: Der Ausbildungsmarkt 2021 schwächelt

Solingen/Remscheid in der Pandemie : Der Ausbildungsmarkt schwächelt

Der Ausbildungsstellenmarkt leidet unter der Corona-Pandemie. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, die Zahl der Bewerber ist gesunken.

Die Berufsorientierung an den Schulen durch die Berufsberater der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal hat im Zuge der Corona-Pandemie gelitten. Präsenzveranstaltungen mussten reduziert werden. Zwar habe man versucht, mit digitalen Formaten gegenzusteuern. Doch damit habe man nicht viel Erfolg bei den Schülern gehabt, räumt Martin Klebe ein. Vielmehr habe man „vermehrt Lethargie“ und Desinteresse am Berufswahlprozess bei den Jugendlichen beobachtet.

Der Chef der Agentur für Arbeit hat am Mittwoch zusammen mit den Kreishandwerkerschaften Solingen-Wuppertal sowie Remscheid und der Industrie- und Handelskammer (IHK) die Jahresbilanz für den Bergischen Ausbildungsmarkt vorgestellt. Die fällt nicht unbedingt positiv aus, obwohl unter dem Strich mehr Ausbildungsverträge als 2020 abgeschlossen worden sind. „Wir mussten 2021 erneut einen Bewerberrückgang feststellen“, sagt Klebe und kündigt an, die „persönliche Ansprache zu verstärken“ – soweit das im Rahmen der Pandemie an den Schulen möglich ist.

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In Remscheid gibt es bereits einen Stellenüberhang, und auch Solingen sei auf dem Weg dorthin. „In Solingen hat sich die Bewerberzahl kontinuierlich verringert. Hier kommen bereits jetzt zehn Bewerber auf neun Stellen“, so Klebe. Gleichwohl finden nicht alle Bewerber einen Ausbildungsplatz – in der Nachbarstadt Remscheid schon gar nicht. Fred Schulz von der dortigen Kreishandwerkerschaft berichtet von lediglich 154 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Remscheider Handwerk im vergangenen Jahr – zehn Prozent weniger als 2020. „Wir brauchen aber jedes Jahr 200 bis 210 neue Auszubildende“, erklärt Schulz und stellt fest: „Die Zahlen sind nicht zufriedenstellend.“

Für das Handwerk in Solingen und Wuppertal konstatiert Sascha Bomann „ein schwieriges Jahr 2021“, es sei aber besser verlaufen als das Jahr 2020. Immerhin konnten 589 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Zuwächse erlebten unter anderem die Berufe Anlagentechniker und der Kfz-Bereich, auf der anderen Seite verzeichneten das Lebensmittelhandwerk (Bäcker, Fachverkäufer) sowie das Elektrohandwerk Verluste bei den Ausbildungsverträgen.

Die Leiterin des Bereiches Aus- und Weiterbildung der Bergischen IHK, Carmen Bartl-Zorn, hat zwar bis zum Jahresende 2021 mit 2058 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Pandemie-Jahr 2020 verzeichnet, doch damit wurde das Vorkrisenniveau 2019 längst noch nicht erreicht. „Bei diesem Vergleich haben wir immer noch 250 Ausbildungsverträge weniger. Stark gelitten hat vor allem der Hotel- und Gaststättenbereich, dagegen konnten der Einzel-, Groß- und Online-Handel zulegen“, sagt Bartl-Zorn. Die starken Einbrüche bei gewerblich-technischen Berufen konnten vergangenes Jahr immerhin gestoppt werden.

Zum Abschluss des Ausbildungsjahres 2020/2021 am 30. September vergangenen Jahres wurden in Solingen noch 342 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber gezählt. Bis zum Jahresende schmolz diese Zahl auf 135 ab. Fast identisch war die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. „Wir stellen fest, dass die Ausbildungsplatzbewerber älter werden und der Anteil der Abiturienten steigt“, sagt Martin Klebe.

Er erwartet weiter sinkende Schülerzahlen. Gleichwohl sollen die Aktivitäten der Konsenspartner in Sachen Ausbildung verstärkt werden: „Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wir mit Schulen, Eltern und Schülern eng zusammenarbeiten.“ Die gute Zusammenarbeit aller Partner am Ausbildungsmarkt lobt auch Carmen Bartl-Zorn. Erfolgreiche Formate wie „Abflug in Ausbildung“ oder „Berufsberatung auf dem Schulhof“ sollen in diesem Jahr erneut angeboten werden. „Gerade die Berufsberatung auf dem Schulhof wurde sehr gut angenommen“, sagt die IHK-Geschäftsführerin.

Gleichzeitig müssen aber auch die Unternehmen angesprochen werden, damit sie an ihrem Ausbildungsengagement festhalten. Carmen Bartl-Zorn weiß: „Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen.“