Solingen: Quälende Erinnerungen an Raubüberfall

Prozess in Wuppertal : Quälende Erinnerungen an Raubüberfall

Drei Angeklagte müssen sich derzeit wegen des Raubüberfalls im Keller einer Sparkassenfiliale am Fronhof verantworten.

Es war ein kurzer Verhandlungstag für die drei Angeklagten, die sich derzeit vor dem Wuppertaler Landgericht wegen des Raubüberfalls im Keller einer Sparkassenfiliale am Fronhof zu verantworten haben. Zwei der drei Verteidiger waren kurzfristig in anderer Sache zum Oberlandesgericht nach Düsseldorf abberufen worden, so dass sich die Kammer diesmal nur auf die Abfrage der Lebensläufe beschränkte und ankündigte, erst am nächsten Verhandlungstag im Januar die Plädoyers hören und das Urteil verkünden zu wollen.

Auch diesmal als Nebenklägerin mit im Gerichtssaal: Die Mitarbeiterin der Sicherheitsfirma, die an diesem Tag auf dem Beifahrersitz des Werttransporters gesessen und später mit in den Keller der Bank gegangen war, um dort 526.000 Euro zu deponieren. Einer ihrer beiden Kollegen, die an diesem Tag mit ihr nach Solingen unterwegs waren, gilt als Drahtzieher des Überfalls. Um seine Beteiligung zu vertuschen, ließ er sich gemeinsam mit der 52-Jährigen von den beiden Mitangeklagten fesseln und knebeln. Dabei soll er gejammert und gestöhnt haben, um den Verdacht von sich abzulenken. „Wir haben die Täter ziemlich schnell im Umfeld der Werttransporterfahrer vermutet“, hatte ein Ermittlungsbeamter im Zeugenstand gesagt.

Für die Mitarbeiterin der Sicherheitsfirma war das alles ein Schock. Drei Jahre habe sie mit dem Kollegen zusammengearbeitet, der von sich selbst sagt: „Ich war abhängig von meiner Arbeit.“ Für die 52-Jährige ist nichts mehr so, wie es war. Schon beim Betreten des Gerichtssaals werde sie von quälenden Erinnerungen heimgesucht, wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung sei sie in psychologischer Behandlung. Sie könne nicht mehr allein sein – um ihren Job nicht zu verlieren, habe sie sich von ihrer Firma auf eine andere Stelle versetzen lassen.

Ihr nun angeklagter Kollege habe ihr damals beim Betreten der Bank noch gesagt, dass das Licht im Hausflur nicht funktioniere – kurz darauf sei sie von einem der beiden Mitangeklagten mit dem Gesicht mehrmals gegen die Wand geknallt worden. Dann wurde sie an den Haaren durch den Keller der Sparkasse gezerrt und zu Boden gedrückt. Die Täter hätten das Geld in Tüten verstaut, um eilig vom Tatort zu verschwinden. Sie selbst habe sich von den Fesseln befreien können und auch dem Kollegen aus seiner „misslichen Lage“ geholfen. Dass der Kollege zuvor dafür gesorgt hatte, dass sie an diesem Tag nicht den Geldtransporter gefahren habe, sondern ihn habe in den Keller begleiten müssen: Das sei ihr erst nach der Tat bewusst geworden. Während der Fahrer und ihr nun angeklagter Kollege bewaffnet gewesen seien, trage sie selbst bis heute keine Waffe – obwohl man die als Angestellter eines Wach- und Schließdienstes nach sechs Monaten bekomme. An diesem Tag jedenfalls sei es das Kalkül ihres Kollegen gewesen, dass der bewaffnete Fahrer im Auto habe warten müssen und sie zur Geldabgabe mit in den Keller gegangen sei.