Solinger Innenstadt Ein Haus mit einer bewegten Geschichte

Solingen · Nach der Veröffentlichung unseres Beitrages „Quabeck-Haus wird durch Neubau ersetzt“ entwickelte sich auf der Facebook-Seite der Solinger Morgenpost ein reger Meinungsaustausch – eine kleine Auswahl der rund 130 Kommentare.

Das leerstehende Quabeck-Gebäude in der Solinger Innenstadt direkt neben dem Tückmantelhaus fristet ein trostloses Dasein. Sollte der Bauantrag genehmigt werden, wird es bis 2024 durch einen Neubau ersetzt.

Das leerstehende Quabeck-Gebäude in der Solinger Innenstadt direkt neben dem Tückmantelhaus fristet ein trostloses Dasein. Sollte der Bauantrag genehmigt werden, wird es bis 2024 durch einen Neubau ersetzt.

Foto: Guido Radtke

Am damaligen Dreieck entstand im Mai 1905 ein Einzelhandelsgeschäft, an das heute nur noch der Schriftzug auf der Fassade erinnert. Ernst Quabeck eröffnete im Haus Kölner Straße 71 eine Drogerie. Nur ein Jahr später folgte die Erweiterung um eine Foto-Abteilung mit Dunkelkammer. Es war das erste Kapitel einer langen, bewegten Geschichte eines Gebäudes, in dem sich alles drehte um die Fotografie, obwohl das Drogeriegeschäft erst 1981 eingestellt wurde.

Die Geschäfte des Familienbetriebs liefen fast immer gut – trotz zweier Weltkriege. Das hatte vor allem damit zu tun, dass man im Haus Quabeck immer neue Ideen umsetzte. Heinz Quabeck, 1927 als Lehrling in den väterlichen Betrieb eingestiegen, organisierte Kamera-Wanderungen und Fotokursen, was damals viele Stammkunden brachte. Stark beschädigt im Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft am 1. Dezember 1945 provisorisch wiedereröffnet, bis es 1962 erstmals erneuert wurde. Eine weitere Modernisierung wurde 19 Jahre später vollzogen, als die Inhaber sich ganz auf das Fotogeschäft spezialisierten und auch einen Fotokopier- und Passbild-Service anboten.

Von den Fachgeschäften, die einst das Bild der Solinger Innenstadt prägten und Kunden lockten, sind rund um den Neumarkt nur noch Haushaltswaren Heyderhoff, das Schuhhaus Hugenbruch und die Schwanen-Apotheke übrig geblieben. Das verlassene Quabeck-Gebäude in direkter Nachbarschaft zum vor zwölf Jahren aufwendig sanierten Tückmantelhaus selbst fristet ein trostloses Dasein. – um auf den geplanten Abriss und Neubau zu warten.

 Nur ein Jahr nach der Eröffnung 1905 wurde die Drogerie Quabeck um eine Foto-Abteilung erweitert.

Nur ein Jahr nach der Eröffnung 1905 wurde die Drogerie Quabeck um eine Foto-Abteilung erweitert.

Foto: Stadtarchiv Solingen

Die Pläne von Investor Siegfried Lapawa werden derzeit in den Sozialen Medien rege und vor allem kontrovers diskutiert. Debattiert wird nicht nur das über das Quabeck-Gebäude selbst, sondern vor allem über die Situation am Neumarkt und Graf-Wilhelm-Platz sowie die Solinger Innenstadt als solche. Folgende Kommentare von der Facebook-Seite der Solinger Morgenpost geben das Stimmungsbild gut wider.

Stephan Schäfer-Mehdi „Die Pläne des Neubaus sind langweilig. ,Natursteinfassade’ hört sich zwar wertig an, aber sagt nichts über Stilistik und Ästhetik. Lediglich das Dach wird an das Tückmantelhaus ­angepasst – wahrscheinlich wegen Denkmalschutzes. Wieder eine ­verpasste Chance.“

Patrizia Bolz „Ich finde den Anbau, wie er jetzt ist, nicht sonderlich schön. Und das, was dort hinkommen soll, sieht nicht schlecht aus. Wenn die Fassadenfarbe noch angepasst wird, passt es ganz gut.“

Nicole Molinari „Wer mich kennt, der weiß, wie sehr mein Herz für alte Gebäude schlägt und wie sehr ich mich beruflich für ihren Erhalt einsetze. Aber bei dem Quabeck-Gebäude habe ich nicht das Gefühl, dass erhaltenswerte Bausubstanz verloren geht. Mich bedrückt dafür weit mehr, dass die neue Architektur wie bei Finanzamt, Polizei, Hofgarten, Sparkasse oder vielen der Eigentumswohnungsbauten so seelenlos, so gleich, so lieblos und monoton wirken. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Private Eigentümer oder Investoren können Anträge stellen, die Bauaufsicht entscheidet. Solange zu solchen Baukörpern aber der Verwaltung keine Vorgaben gemacht werden, müssen solche Gebäude genehmigt werden. Es gibt dagegen auch Denkmalschutzbereiche oder auch Gestaltungsbereiche, die durch Initiativen oder durch die Politik Rahmenbedingungen schaffen. Wo diese nicht bestehen, werden Objekte niedergelegt und neue gebaut – ob uns das gefällt oder nicht.“

Andreas Schäfer „Bedauerlich. Die Neubaupläne sehen nicht besonders fantasievoll aus. Die neue Frankfurter Altstadt zeigt doch, dass es in den Innenstädten auch anders geht.“

Kathrin Muskulus „Immer muss alles kritisiert werden. Wenn nichts gemacht wird, wird gemeckert. Wenn etwas geplant wird, wird ebenfalls gemeckert. Freut euch doch, dass die Ecke da modernisiert und umgebaut wird. Was ist daran schlimm? Der ganze Komplex, der da steht, sieht einfach hässlich und heruntergekommen aus. Ich bin jedenfalls froh über die Umgestaltung und Erneuerung.“

Malte Hahn „Ich bin stark der Meinung, dass Solingen sich negativ entwickelt. Aber nicht nur Solingen. Die Kaufkraft fehlt. Daran sind wir alle schuld. Dass Bauprojekte wie der Graf-Wilhelm-Platz oder Hofgarten (keine guten Geschäfte mehr) beziehungsweise Clemens-Galerien absoluter Mist waren, steht wohl außer Frage. Solingen ist schon eine Rarität – mittlerweile leider mehr aus negativer Sicht. Ohligs schließe ich damit aus. Leider ist das Stadtbild geprägt von Döner-Läden und Frisörsalons. Das sollte langsam mal etwas reduziert werden.“

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