Solingen: Putz an Dorper Kirche löst sich

Gebäude in Solingen : Putz an Dorper Kirche löst sich

Die Sanierung des Turms der Dorper Kirche verzögert sich bis April 2020. Die Gemeinde veranstaltet im Januar einen Benefizabend mit dem Solinger Philosophen Richard David Precht.

Das hatte sich Pfarrer Joachim Römelt von der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp in der Adventszeit anders vorgestellt. Anstatt auf den frisch sanierten Turm zu blicken, muss er damit leben, dass das Gerüst bis mindestens April 2020 stehen bleibt.

Der Grund liegt im neuen, in vier Schichten aufgetragenen Putz auf der Turmfassade. Der hat sich an der Westseite gelöst und Hohlräume gebildet. In diesen Tagen werde er dort entfernt, berichtete Joachim Römelt, der auch Vorsitzender des Presbyteriums ist. Warum sich der Putz gelöst habe, sei völlig unklar und Gegenstand einer Laboruntersuchung. Der Neuauftrag erfolge erst im April. „Dazu braucht man mindestens zehn Grad Außentemperatur,“ sagte der Pfarrer. Unklar ist, wie hoch der Schaden ist und wer ihn bezahlt.

Zugleich verkündete Römelt zusammen mit René Splitthoff, der für die Gemeinde das Spendensammeln betreut, aber auch, dass endlich ein Termin für eine Benefizveranstaltung zugunsten der Turmsanierung mit dem Solinger Philosophen Richard David Precht gefunden sei. Precht kommt am Donnerstag, 23. Januar, in die Kirche und wird im Gespräch sein Buch „Sei du selbst“ vorstellen. In zwei Runden von 45 Minuten Länge wolle er mit Precht über die Philosophie des 19. Jahrhunderts bis heute sprechen, dabei den Bogen zu aktuellen Themen wie dem Klimaschutz spannen, sagte Römelt.

Auch das wird noch stattfinden, wenn der Turm weiter eingerüstet ist. Etwa ein Achtel der Fläche sei betroffen, erklärte der Pfarrer. Bei einer Prüfung im November, die eigentlich als Endabnahme gedacht gewesen sei, habe man festgestellt, dass sich ein Hohlraum zwischen Putz und Turmgemäuer gebildet habe. Warum sich der von der Fachfirma Nüthen aufgetragene und dem Experten Rochus Michnia entwickelte Putz jetzt nicht komplett mit dem Mauerwerk und den anderen Putzschichten verbunden hat, das wisse man noch nicht. Daher will er auch niemandem die Schuld zuweisen. Tatsächlich seien Proben entnommen worden, um diese jetzt in einem Labor zu untersuchen.

Der Putz selbst sei bereits an der Kirche getestet und für tauglich befunden worden. Wie hoch der Schaden ist, kann Römelt nicht beziffern. Er geht jedoch davon aus, dass die Gemeinde nicht auf den Kosten sitzenbleiben wird. Auf jeden Fall gibt es Mehrkosten für das Gerüst über die ursprünglich geplanten Kosten von 713.000 Euro hinaus. Es wird geprüft, ob das Gerüst hälftig abgebaut werden kann, da der obere Teil des Turms fertig saniert ist.

Man wolle jetzt keinen Schnellschuss bei der Sanierung. Eine Durchführung im Winter mache wenig Sinn. Daher habe man sich wegen der benötigten Grundtemperatur von mindestens zehn Grad zur Verschiebung der Arbeiten entschlossen. Denn, so begründet es Römelt: „Der Einsatz von Heizstrahlern im Winter wäre ökologischer Wahnsinn.“

Für die Vorbereitung der Benefizveranstaltung mit Richard David Precht hat sich Römelt bereits vorab mit dem Philosophen getroffen und das Format des offenen Gesprächs entwickelt. Precht habe statt eines Grußworts zum Auftakt der Spendensammlung für die Turmsanierung den Abend vor Ort angeboten. „Dafür sind wir ihm sehr dankbar“, betont Römelt.

René Splitthoff wird das Gespräch für die Gemeinde mitorganisieren und hofft auf ein volles Haus: „Die Gemeinde hält sehr stark zusammen und funktioniert wie eine große Familie“, sagt er. Von der geplanten Spendensumme von 100.000 Euro sind bereits 75.000 Euro erreicht worden.