Landgericht Solinger kauften Falschgeld im Darknet

SOLINGEN / WUPPERTAL · 20-jähriger Solinger hatte Rauschgift konsumiert. Jetzt sitzt auf der Anklagebank.

(mis) Eine neue Scheinwerferbirne hätte 6,50 Euro gekostet. So aber wurde die Polizei im Mai 2018 erst auf das mangelhaft beleuchtete Auto und dann auf den Marihuana-Geruch aufmerksam. Eine schnelle Blutprobe zeigte: Der Fahrer, ein 20-jähriger Solinger, hatte heftig vom Rauschgift konsumiert. Laut eigener Aussage war er mit seinem führerscheinlosen Kumpel zur Freundin unterwegs. Und dieser habe sich aus Dankbarkeit fürs Herumfahren damit erkenntlich gezeigt, dass er ihm einen Joint spendiert habe.

Dumm nur, dass die genaue Durchschau des Autos unter dem Beifahrersitz jede Menge sauber portionierter Alutütchen mit getrocknetem Marihuana hervor brachte. Das sei Eigentum seines ehemaligen Solinger Schulkumpels (21), der damals mit im Auto saß und jetzt mit ihm zusammen auf der Anklagebank sitzt. Auch zum Falschgeld, das auf der Mittelkonsole lag, hätte der Angeklagte am liebsten nichts gesagt. Dann musste er doch zugeben, dass er es im Darknet bei einem Österreicher namens Hofer bestellt habe. Mal fünf 20-Euro-Scheine, mal sieben 50-Euro-Scheine – alles für seinen Kumpel und alles für gerade mal ein Viertel des Nennwertes. Und das Messer in der Fahrertür? Das – so der Vater des 20-Jährigen im Zeugenstand – sei dort noch als Souvenir vom Türkei-Urlaub dort vergessen worden.

Seinem Sohn hatte er zuvor nicht die besten Referenzen ausgestellt: Der habe damals seinen Job verloren, fast nur geschlafen und nur auf sein Drängen hin geduscht. Später sei er in die Psychiatrie eingeliefert worden. Noch heute hänge er herum und müsse geweckt werden, um pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Auch der mitangeklagte Kumpel zeigte sich wenig redselig. Es seien alles nur dumme Zufälle gewesen. Das Gericht hingegen wollte Genaueres wissen über die Rolle einer Feinwaage zur Rauschgiftportionierung, einen waffenscheinpflichtigen Elektro-Teaser in Taschenlampen-Format und weiteres Falschgeld, das man bei der Wohnungsdurchsuchung seines Kompagnons sichergestellt hatte. Dass die „Blüten“ nie in den Verkehr gebracht werden sollten, wollte der Richter nicht glauben.

Der Prozess wird fortgesetzt, weitere Zeugen sollen vernommen werden.

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