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Solingen: Prozess gegen eine Pflegemutter "mit zwei Gesichtern"

Zeugen sagen am Landgericht Wuppertal aus : Prozess gegen Pflegemutter „mit zwei Gesichtern“

Der Prozess gegen eine 51-jährige Pflegemutter aus Solingen vor dem Landgericht Wuppertal wird am 19. November fortgesetzt. Ein Zeuge spricht von der Angeklagten von einer „Frau mit zwei Gesichtern“.

Die Zeugin blättert sich durch die Fotos in ihrem Handy, zurück bis in den Herbst 2016. Da war das Mädchen gerade aus Leverkusen zu seiner Pflegemutter nach Solingen gekommen: Die Kleine lacht, mit einer weißen Schleife im Haar. Später dann ein gemeinsames Selfie: Mit einem traurigen Kind im Arm, das Gesicht voller Narben. Zwischen beiden Bildern liegen Monate, die für das Kind voller Leid gewesen sein müssen.

Die Zeugin war damals 17 Jahre alt und beinahe jeden Tag bei der Angeklagten, weil sie mit ihrer Familie in der Nachbarschaft wohnte und die 51-Jährige für sich selbst als „Ziehmutter“ wahrgenommen hatte. Sie schildert herzzerreißende Details, die sich im Haus der Pflegemutter zugetragen haben sollen.

Die soll den Teppich zusammengerollt und das Kinderbett in den Heizungskeller geschoben haben, als die Pflegetochter - statt wie befohlen auf dem Boden zu sitzen - lieber ins Bett habe krabbeln wollen. Das Kind habe sich extrem verändert, während es in der Obhut der 51-Jährigen gewesen sei. Sie habe immer Erklärungen gehabt für die Verletzungen ihrer Pflegetochter, die auch der Zeugin aufgefallen waren. Am Ende habe das kleine Mädchen nur noch auf dem Spielteppich gesessen, in die Ecke gestarrt und auch das Essen verweigert.

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Bei einem anderen Pflegekind, das zuvor im Haushalt der Solingerin gelebt hatte, soll es eine ähnliche Situation gegeben haben. Weil der Junge nicht habe essen wollen, soll die Angeklagte ihm den Brei über den Kopf geschüttet haben. Auch bei diesem Kind soll es offene Stellen im Gesicht gegeben haben, von denen die 51-Jährige behauptet haben soll, dass der Junge sich die Verletzungen selbst zugefügt habe. Das Pflegeverhältnis soll damals wegen Überforderung der Pflegemutter beendet worden sein.

Nicht nur die mittlerweile 20-Jährige Zeugin, sondern auch deren damals noch in der Nachbarschaft wohnender Vater sprach über die Angeklagte als eine „Frau mit zwei Gesichtern.“ Beide haben die Solingerin in Alltagsbegegnungen als „normal“ wahrgenommen. Hin und wieder habe es aber emotionale Ausbrüche gegeben – gegenüber der Pflegetochter oder auch mit den Nachbarn. Der Prozess wird am 19. November fortgesetzt.