Solingen: Promis werben als Botschafter für ihre Stadt

Jonas Reckermann, Leon Windscheid, Stephan Staats & Co : Bescheidenheit als Botschaft der Stadt

Seit einigen Jahren werben Promis als Solingen-Botschafter für die Heimat. Und haben der Welt durchaus was zu sagen zur Stadt.

Die nackten Fakten klingen ziemlich profan. Mit der Müngstener Brücke und Schloss Burg gibt es nur einige wenige Wahrzeichen, dafür immer noch viel Industrie sowie rund 160.000 Einwohner, die sich auf einer Fläche von knapp 90 Quadratkilometern verteilen – keine Frage, auf den ersten Blick wirkt Solingen überdurchschnittlich durchschnittlich. Und auch beim zweiten Hinsehen erschließen sich die Liebenswürdigkeiten der Klingenstadt nicht sofort. Zumindest nicht all jenen, die sich tagtäglich in der Stadt bewegen.

Dabei sind die Solinger einfach zu bescheiden. Denn die Stadt hat durchaus etwas zu bieten. Doch das wird anscheinend vor allem dann sichtbar, wenn man weit weg ist. Wie zum Beispiel Stephan Staats, der vor vielen Jahren seine Heimatstadt verlassen hat, um danach draußen in der Welt Karriere zu machen als international anerkannter Star-Koch, der auch Buchautor ist. Seit über 25 Jahren steht er nun schon in den Küchen und Kombüsen der Welt, hat den Globus als Koch viermal umsegelt und lebt mittlerweile in Neuseeland.

Also wirklich weit weg. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass er Solingen vergessen hat. Nein, in diesem Jahr ist Stephan Staats einer von drei Solingen-Botschaftern, die den Ruf der Klingenstadt in der Welt verbessern sollen. Wobei dies, das ist zumindest die Erfahrung von Stephan Staats, gar nicht so schwer ist.

„Ich bin schon überall auf Solingen angesprochen worden“, erzählt der Mann, der einst an der Cronenberger Straße aufwuchs. Egal, ob in Neuseeland oder aber in Namibia – die Klingenstadt ist ein Begriff. Was in erster Linie natürlich an der Schneidwarenindustrie liegt. „Die kennen die Menschen auf der ganzen Welt“, sagt Staats, der nicht lange überlegen musste, als er 2017 gefragt wurde, ob er Solingen-Botschafter werden wolle.

Gleichwohl hatte auch der heutige Star-Koch früher ein etwas gespaltenes Verhältnis zur Heimat. „Mich hat mit Solingen eine Art Hassliebe verbunden“, erinnert sich Staats an die Zeit vor einem Vierteljahrhundert. Doch das ist lange her. Wann immer es geht, schaut Stephan Staats im Bergischen vorbei, wo er noch viele Freunde hat.

Tatsächlich hat sich sein Blick auf Solingen mit dem zeitlichen wie räumlichen Abstand verändert. „Erst wenn man weit entfernt lebt, wird einem bewusst, dass Solingen beispielsweise eine wunderschöne Natur hat“, schwärmt der Wahl-Neuseeländer, für den dies so etwas wie die Frohe Botschaft über Solingen darstellt.

Ein Satz, den auch Jonas Reckermann unterschreiben würde. Der heute 39-Jährige, der 2012 zusammen mit Partner Julius Brink in London Beachvolleyball-Olympiasieger wurde und auch sonst mit vier Europameister- sowie einem Weltmeistertitel zu den erfolgreichsten Vertretern seines Sports gehört, lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie in Aufderhöhe. Reckermann ist ebenfalls diesjähriger Solingen-Botschafter. Und wie Stephan Staats hat es ihm die „grüne Seele der Stadt“ angetan.

„Wanderer, Mountainbiker, Spaziergänger und E-Bike-Fahrer finden jede Menge Natur“, sagt der Olympiasieger, den vor allem die bergische Vielfältigkeit fasziniert. „Mit oder ohne Wasser, flach oder hügelig“ – in den Augen von Jonas Reckermann, der als Lehrer in Opladen arbeitet, hat Solingen mehr zu bieten, als es die ewigen Stereotype von der eher langweiligen grauen Industriestadt Glauben machen wollen.

Grau? Vonwegen grau, das glatte Gegenteil ist der Fall. Für Reckermann bewirkt gerade im Bergischen Land der „Wechsel der Jahreszeiten abwechslungsreiche Farbenspiele“. Weswegen seine Frohe Solinger Botschaft lautet: „Raus in die Natur – das regeneriert Körper und Geist gleichermaßen.“

Ein „alter Hase“ als Solingen-Botschafter ist wiederum Leon Windscheid. Der studierte Psychologe und promovierte Wirtschaftswissenschaftler wurde im Jahr 2015 einem großen Publikum bekannt, als er als Teilnehmer der Quiz-Show „Wer wird Millionär?“ den Hauptgewinn abräumte.

Zwei Jahre danach gehörte Leon Windscheid, der in der Klingenstadt aufwuchs und 2008 am Gymnasium Vogelsang in Gräfrath sein Abitur machte, zu der ersten Generation der Solingen-Botschafter. Ein „Nebenjob“, hinter dem er bis zum heutigen Tag steht. „An Solingen mag ich besonders die Vielfalt der Menschen, die hier leben“, bekennt der 30-Jährige.

Zwar sei dies nicht immer einfach, meint Windscheid. Gleichzeitig jedoch habe er seine Heimatstadt stets als einen „wirklich bunten Ort erlebt, in dem Verschiedenheit selbstverständlich zum Alltag gehört“. Windscheid: „Klar, Vielfalt ist auch eine Herausforderung. Aber eben eine noch größere Chance. In Solingen sehen und leben das die meisten so.“

Womit sich irgendwie der Kreis wieder schließt. Die Solinger, so die Solingen-Botschafter, sind ihrer Stadt schon irgendwie recht ähnlich: Sie packen Sachen an, ohne große Worte zu verlieren. Eben einfach bescheiden, eben einfach typisch Solingen.

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