Solingen: Polizei warb für risikoarmes Motorradfahren

Motorradsaison in Solingen : Wer am Limit fährt, riskiert sein Leben

Beim Aktionstag „Am Limit lenkt der Zufall“ informierte die Polizei am Sonntag Motorradfahrer in Müngsten. Sie warb für besonnenes und risikoarmes Motorradfahren.

Ein toter, zehn schwer und 13 leicht verletzte Motorradfahrer: So sah die Bilanz von 24 Verkehrsunfällen in den ersten drei Monaten dieses Jahres in Wuppertal, Solingen und Remscheid aus. Im ersten Quartal 2018 gab es dagegen im Städtedreieck „nur“ 15 Verkehrsunfälle mit Motorradfahrern, bei denen zwei schwer und neun leicht verletzt wurden. „Das beschäftigt uns“, sagt Michael Bartsch, Leiter der Verkehrsunfallprävention bei der Polizeidirektion Wuppertal. Denn im April verloren auch noch ein Solinger und ein Wuppertaler Motorradfahrer bei Unfällen in Wipperfürth ihr Leben.

Deshalb veranstalteten die Verkehrssicherheitsberater der Polizei am Sonntag wieder eine Aktion, bei der sie für besonnenes und risikoarmes Fahren warben. Als Mahnung hingen am Rand des Parkplatzes in Müngsten 74 Warnwesten – je eine für einen im Vorjahr in NRW getöteten Motorradfahrer. „Wir wollen es nicht dem Zufall überlassen, ob wir abends heil nach Hause kommen“, erläuterte Polizeihauptkommissar Dieter Moors.

Auf dem Parkplatz am Ende der L74 zeigte er mit Kollegen unter anderem, wie sich der Bremsweg verlängert, wenn 70 statt 50 Stundenkilometern gefahren werden. Wobei Thorsten Lamb bei seinem Dienst in der Motorradstaffel ganz andere Geschwindigkeiten erlebt. Mit der „Provida“-Maschine mit Videoaufzeichnung stellte der 53-Jährige beispielsweise einen etwa gleichalten Kradfahrer, der im Tunnel Burgholz fast 120 statt der erlaubten 60 km/h fuhr. Auf der L74 stoppte er einen jungen Mann, der rund 70 km/h zu schnell war.

Wobei die Verfolgung mit der über 200 km/h schnellen Provida-BMW weniger an die Nerven geht als der Besuch bei der Familie von Unfallopfern. Lamb: „Ich musste Angehörigen schon dreimal sagen, dass ihr Familienmitglied nicht wiederkommt.“

Punkte in Flensburg und mehrmonatige Fahrverbote für diejenigen, die sich „erheblich danebenbenehmen“, so Lamb, sollen abschrecken. Mindestens so wichtig ist aber die Aufklärung. Bei der Polizei freut man sich über „ein tolles Netzwerk mit Unterstützern der Verkehrssicherheit“. Dazu zählen nicht nur die Johanniter Unfallhilfe, die Verkehrswacht Wuppertal sowie ein Fahr- und Sicherheitstrainer, sondern auch eine rund 30-köpfige Gruppe privater Motorradfahrer. Bartsch: „Sie führen Gespräche auf Augenhöhe von Biker zu Biker.“

Beim Start in die Motorradsaison informierte die Polizei Motorradfahrer. Foto: Meuter, Peter (pm)

Claudia Heinemann und Knut Heckelsbruch gehören zu diesen sogenannten Limitern. Die 54-Jährige Bochumerin und der 56-jährige Wuppertaler wurden durch Flyer und persönliche Kontakte auf den seit 2008 existierenden Unterstützerkreis aufmerksam. „Die Aktion finde ich echt toll“, sagt Claudia Heinemann, die schon andere Bochumer auf die „Limiter“ aufmerksam gemacht hat. Knut Heckelsbruch hat durch seine Teilnahme auch selbst profitiert: „Ich bin für die Sicherheit sensibilisiert worden“, betont er.

Hat er andere Motorradfahrer schon überzeugen können, mehr auf die Sicherheit zu achten? „Es gibt solche, die zuhören“, antwortet der 56-Jährige. „Andere sind unbelehrbar.“ Wobei es unfair wäre, nur rasende Motorradfahrer zu vermuten. 2018 war laut Polizeistatistik in fast zwei Dritteln der Fälle der andere Verkehrsteilnehmer der Hauptverursacher. Meistens wurden die Motorradfahrer beim Abbiegen und Wenden übersehen, wurde ihnen sonst die Vorfahrt genommen oder wurden sie beim Fahrstreifenwechsel nicht beachtet.

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