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Solingen: Polizei lobt Ohligser für couragierten Einsatz

Retter aus Solingen : Polizei lobt Ohligser für couragierten Einsatz

Der Ohligser Gerrit Höckmann ist aus dem Fenster gesprungen, um eine Frau vor einem Angreifer zu retten.

Es ist der 6. Februar, kurz vor 20 Uhr. Physiotherapeut Gerrit Höckmann bereitet sich in der Praxis im Süden von Essen auf seine nächste Patientin vor. Plötzlich hört der 27-Jährige einen Schrei. Zunächst geht der gebürtige Ohligser davon aus, dass es sich um ein paar Jugendliche handeln müsse. Dann vernimmt er einen zweiten Schrei. „Ich dachte nur noch, da braucht jemand dringend Hilfe“, erinnert er sich. Er lehnt sich aus dem Fenster und sieht eine Frau. Sie liegt auf dem Boden, hält ihre Hände schützend vor das Gesicht, während ein 40-jähriger Mann mit einer Flasche auf ihren Kopf einschlägt.

Gerrit Höckmanns erste Reaktion ist, laut zu brüllen. Doch der Angreifer lässt nicht los. Als Nächstes versucht der Physiotherapeut sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Ein Mann steht in der Nähe und telefoniert. Im Nachhinein wird klar, dass er gerade die Polizei ruft. Der Täter schlägt weiter mit der Flasche auf den Kopf seines Opfers ein und hört nicht auf, als die Frau ihre Hände nicht mehr hochhalten kann. Höckmann wird bewusst: Er muss schnell eingreifen. Beherzt springt er aus dem Fenster im Hochparterre und wirft sich noch im Fallen auf den Angreifer. Höckmann entwaffnet ihn und zieht ihn weg von der Frau.

Zeugen, Patienten, Freunde, Kollegen und die Polizei loben Gerrit Höckmann für seinen Einsatz. Er würde von vielen als Held bezeichnet und fühlt sich geehrt. Doch der Titel ist dem Physiotherapeuten unangenehm. Höckmann: „Es gibt genug andere Alltagshelden, die keine Anerkennung für ihre Taten kriegen wie Pfleger oder Erzieher.“

Der 27-Jährige ist in seinem Umfeld für seine positive Ausstrahlung und Hilfsbereitschaft bekannt. Auch wenn er immer gesagt hat, dass er im Extremfall eingreifen werde. Dass es tatsächlich dazu kommt, hätte er nicht gedacht und der Sprung aus dem Fenster habe ihn auch eine Sekunde Überwindung gekostet. Und wäre der Täter auch ihm gegenüber gewalttätig geworden, weiß er nicht, wie er reagiert hätte. Der Donnerstagabend habe Gerrit Höckmann allerdings in seiner freundlichen und hilfsbewussten Art bestärkt. Auch das nächste Mal würde er wieder eingreifen.

Trotzdem ist er überrascht, dass nur ein weiterer Passant der Frau in der Gefahrensituation geholfen habe. „Man muss sich nicht beim Helfen selber in Gefahr bringen“, betont Höckmann. Er hofft auf eine Gesellschaft, die füreinander da sei. Höckmann: „Man kann auch die Polizei rufen oder andere Menschen dazu bringen, eine Gruppe zu bilden und so den Angreifer gemeinsam aufzuhalten.“ Der 27-Jährige ist davon überzeugt: Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und zusammenhält, haben Angst und Gewalt keine Chance.