Solingen: Personalentwicklungsplanung für Verwaltung

Stadtverwaltung: Solingen prüft alle Verwaltungsstandorte

Die Sanierung des Verwaltungsgebäudes an der Bonner Straße für mehr als 20 Millionen Euro ist umstritten. Zunächst sollen nur notwendige Instandhaltungsarbeiten erledigt und flexible Raumkonzepte erarbeitet werden.

Die noch vor Wochen geplante Zwei-Standort-Strategie mit dem Rathaus in der Stadtmitte und dem Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße in Ohligs ist offiziell zwar noch nicht vom Tisch. In der Politik ist sie aber höchst umstritten. Nach einem Workshop, bei dem in der vergangenen Woche unter anderem Mitglieder der Parteien und Mitarbeiter der Verwaltung an einem Tisch saßen, hieß es, die Zwei-Standort-Strategie sei „nicht zielführend“. Auch wurde kritisiert, dass man Gefahr laufe, sich bei den Investitionsvorhaben zu übernehmen.

Denn ungeachtet der noch nicht finanzierten Sanierung beziehungsweise Neubauten für die Feuerwehr (geschätzt etwa 70 Millionen Euro) ist am Schulzentrum Vogelsang (Gymnasium und Realschule) ein enormer Sanierungsaufwand festgestellt worden. Von 40 bis 50 Millionen Euro wird hier offen gesprochen, manche Kostenschätzungen gehen sogar von einem noch höheren Betrag aus. Stadtkämmerer Ralf Weeke will diese Summe nicht dementieren, aber auch nicht bestätigen Die Grünen hatten sich bereits nach ihrer Haushaltsklausur für eine Sanierung des Schulzentrums ausgesprochen.

Angesichts sich abzeichnender hoher Investitionen in ein Schulgebäude passt es nicht gut, wenn man das Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße für mehr als 20 Millionen Euro sanieren will. Noch im September hatte sich dafür die Verwaltung im Rahmen der Zwei-Standort-Strategie ausgesprochen. Der zunächst favorisierte Anbau am Rathaus in der Stadtmitte war da vorerst vom Tisch. Der hätte nach heutigen Kostenschätzungen rund 40 Millionen Euro gekostet. „Wir müssen uns zunächst auf die Bonner Straße konzentrieren“, erklärte im September Stadtkämmerer Ralf Weeke im Finanzausschuss. Dies sei dringlich, es bestehe am und im Gebäude Handlungsbedarf.

Dieser Paradigmenwechsel kam bei der Politik indes nicht gut an. Angesichts des weiteren Beratungsbedarfes und vieler ungeklärter Fragen zog die Verwaltung allerdings daraufhin den Plan zunächst zurück. Jetzt scheint sich eine neuerliche Kehrtwende anzudeuten.

  • Sanierung des Verwaltungsgebäudes Bonner Straße : Verwaltung auf zwei Standorte beschränken

Nach Informationen unserer Redaktion soll vielmehr an einem „dezentralen Geflecht“ an Verwaltungsstandorten festgehalten werden. Zunächst jedenfalls. Dazu gehören die Gebäude an der Gasstraße in Höhscheid mit dem Stadtarchiv, das alte Finanzamtsgebäude an der Goerdelerstraße/Dorper Straße (mietfrei/Haus der Jugend), das frühere und angemietete DGB-Gebäude an der Kölner Straße (diesen Standort will die Verwaltung im Herbst 2020 aufgeben) sowie das Arbeitamtsgebäude an der Kamper Straße. Hier ist das kommunale Jobcenter Mieter, nach bisherigen Vorstellungen soll dieses Gebäude 2023 aufgegeben werden. „Es ist besser, flexibel all diese Räume noch zu behalten und zu nutzen“, heißt es aus der Workshop-Runde, „bevor man viel Geld in das Gebäude Bonner Straße steckt“.

Vor allem auch deswegen, weil derzeit nicht abschätzbar ist, wie sich die Zahl der städtischen Mitarbeiter in den nächsten Jahren konkret entwickelt. Allein wegen der Digitalisierung sollen in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr etwa 100 Arbeitsplätze wegfallen. Ruhestand und andere Abgänge erhöhen diese Zahl. Von daher ist es an der Zeit, eine Personalentwicklungsplanung für die nächsten zehn Jahre auf den Weg zu bringen. Auch darüber wurde im Workshop hinter verschlossenen Türen geredet.

Noch wird das Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße gebraucht. Wie lange, wird sich zeigen. Das Gebäude sei aber für Ohligs im Gegensatz zum Rathausstandort in Mitte „nicht belebend“, weil es abseits liegt. „Die Sanierung sollte nicht mit der Brechstange umgesetzt werden“, heißt es aus der Politik. Offenbar ist man sich einig darin, in den kommenden zwei, drei Jahren nur notwendige Instandhaltungsarbeiten „unter einer Million Euro“ umzusetzen, bis alle anderen unterschiedlichen Alternativen zum Raumkonzept begutachtet worden sind. Der Anbau am Rathaus in Mitte bleibt von daher weiter eine Option, wenn er finanziell darstellbar ist. Das Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße könnte auf Sicht aber verkauft oder vermietet werden: Ohligs, so ein Workshop-Teilnehmer, habe das Potenzial für Büroarbeitsplätze.

Stadtkämmerer Ralf Weeke erläuterte auf Anfrage, dass Investitionen in Schul- und Verwaltungsgebäude nicht miteinander in Konkurrenz stehen. „Wir prüfen ergebnisoffen“, versicherte er. Am Ende des Prozesses, der voraussichtlich einige Monate in Anspruch nehmen wird, könnten ein, zwei oder aber mehrere Verwaltungsstandorte stehen. „Es gibt keine Denkverbote, am Ende muss der Weg aber ein wirtschaftlicher sein“, betonte Weeke.

Mehr von RP ONLINE