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Solingen: Orgel im Konzertsaal wird überholt

Orgel im Konzertsaal wird überholt : Mehr Schub für 4008 Pfeifen

Die Klais-Orgel im Konzertsaal wird überholt. Die Sanierung kostet einen fünfstelligen Betrag. Spezialisten sind über Wochen damit beschäftigt.

Wenn Ludger Wiemers mit der Generalüberholung der Klais-Orgel im Konzertsaal fertig ist, dann wird sie „mehr schieben“. Sie bekomme einen satteren Bass und unangenehme Spitzen in den Höhen werde sie nicht mehr haben, sagt er. Seit mehr als einer Woche ist der Orgelbauer zusammen mit seinen Söhnen Till und Jan in Solingen. Ende August werden die 4008 Pfeifen neu erklingen. Das auch, weil Sebastian Riedel dann den Spieltisch mit neuer Elektrik und Erweiterungen für die Register ausgestattet haben wird. Nach Angaben von Hans Knopper, dem Leiter des Kulturmanagements der Stadt Solingen, wird alles einen großen fünfstelligen Betrag kosten. Die Orgel wurde zuletzt vor rund 25 Jahren überholt.

Die Investitionen in das Instrument würden sich lohnen, erklärt Knopper. Es habe einen siebenstelligen Wert. 1965 konnte die Orgel für den Neubau des Theaters und Konzerthauses nur Dank eines bürgerschaftlichen Engagements angeschafft werden. Der verstorbene Hans-Werner Gabriel, CDU-Kulturpolitiker, Inhaber einer Firma und Kultur-Sponsor, habe das damals organisiert. Mit so einer aus der Bürgerschaft gestifteten Orgel stehe man übrigens auf einer Stufe mit der Hamburger Elbphilharmonie, wo die Orgel aus der Mitte der hanseatischen Gesellschaft finanziert wurde. Die Reinigung und Überholung lohne auch, „weil das Instrument in sehr gutem Zustand ist“, wie Wiemers erklärt. „Da habe ich schon viel Schlimmeres gesehen.“ Er, seine Söhne und Elektro-Spezialist Riedel arbeiten für die weltbekannte Bonner Firma Klais. Sie hatte die Orgel einst gebaut.

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Es gehe jetzt vor allem darum, den technischen Zustand des Instruments zu verbessern. Daher werde Riedel den Spieltisch mit einer 24-Volt-Spannung versehen. Die liege jetzt teilweise viel höher. Außerdem wird die Orgel mit Tastern für zusätzliche Register ausgerüstet. Damit kann der Organist klangliche Voreinstellungen programmieren. Aber Digitaltechnik verwendet man nicht, die Orgel soll auf dem Niveau von 1965 bleiben.

Die Arbeit dauert so lange, weil jede Orgelpfeife ausgebaut wird. Dazu ziehen Wiemers und seine Söhne weiße Stoffhandschuhe an, um die empfindlichen Oberflächen nicht zu beschädigen und weiter zu verschmutzen. Drei Typen an Pfeifen gelte es zu reinigen. Die klassische Orgelpfeife aus Metall werde durchgeblasen, mit einer Bürste gereinigt und feucht abgewischt. Dann gibt es Pfeifen, die mit einer Metallzunge ähnlich wie eine Klarinette schnarrend durch Luft zum Klingen gebracht werden. Diese müsse man komplett zerlegen.

Schließlich müssen noch Holzpfeifen gereinigt werden. Diese reagierten besonders empfindlich auf Luftfeuchtigkeit. Überhaupt klinge eine Orgel nicht immer gleich, macht Ludger Wiemers deutlich. Neben der Luftfeuchtigkeit spiele auch die Temperatur eine Rolle. Die Frequenz werde höher, je wärmer es werde. Bei 18 Grad liegt dann die Referenztemperatur, bei der die Pfeifen neu gestimmt werden, nachdem sie gereinigt wurden. Es gelte die Töne präsenter und etwas sanfter zu machen.

Dass die Orgel in diesem Sommer überhaupt gereinigt wird, war lange nicht sicher. Im Jahr 2005 stellte das Kulturamt seine Orgelreihe mangels Besuchern ein. In den Hauptkonzerten der Symphoniker wurde sie nicht eingesetzt. Doch mit Roland Winkler habe man einen engagierten Organisten gefunden, der mit dem „Orgelpunkt“ eine erfolgreiche Reihe veranstalte, berichtet Knopper. Rund 200 Besucher ziehe das jedes Mal an. Auch Generalmusikdirektor Peter Kuhn wird die Orgel einsetzen. Bei der Aufführung der Glagolitischen Messe von Leo Janácek durch die Bergischen Symphoniker wird sie im Juni erklingen. Das wird eine Aufführung werden, bei der auch der Chor der Symphoniker auftritt.