Solingen: Solingen ohne SALZ

Solingen : Solingen ohne SALZ

Seit 1986 betreibt die Jugendberufshilfe beziehungsweise die Gabe gGmbH ein Arbeitslosenzentrum. Wegen fehlender Finanzmittel wurden die unabhängige Beratungsstelle und der Treffpunkt geschlossen.

Die Tür zum Solinger Arbeitslosenzentrum (SALZ) in der Karstadt-Passage ist seit Beginn dieser Woche geschlossen. "Die Landesförderung läuft aus, und die restlichen Mittel können wir selbst nicht aufbringen", sagt Wolfgang Plähn. Er ist Geschäftsführer der Gabe gGmbH, die das SALZ seit 1995 in der City betrieben hat. Schon seit 1986 hat man Betroffenen eine Anlaufstelle angeboten — damals als Treffpunkt für Arbeitlose unter der Regie der Jugendberufshilfe an der Forststraße in Ohligs, aus der die Gabe gGmbH 2003 hervorging. "Es war immer eine Restfinanzierung zu stemmen, die wir seit 1986 selbst getragen haben", erzählt Plähn, "das können wir aber nicht mehr leisten", begründet der Geschäftsführer die Schließung des Arbeitslosenzentrums.

Preisverfall

Steigende Kosten und auch den "Preisverfall" bei den von der Gabe durchgeführten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen haben den Träger jetzt zu dem Schritt veranlasst: "Wir haben keine Eigenmittel mehr", sagt Plähn.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Land NRW erklärt, sich von der Finanzierung der Arbeitslosenzentren zu verabschieden. Bis zum 30. September dieses Jahres wurde eine Übergangsfrist eingeräumt. Träger wie die Gabe hatten seitdem Zeit, sich um alternative Finanzierungen zu kümmern. "Ich habe bei der Stadt und auch dem Zentrum für Eingliederung in Arbeit, der Arge, nachgefragt. Beide winkten indes ab", erklärt Wolfgang Plähn. 80 Prozent der Kosten für Beratung gab es vom Land, 50 Prozent wurden für den Treffpunkt gefördert. "Bis Ende September hätte das SALZ 76 220 Euro gekostet, wir hätten eine Restfinanzierung von 28 152 Euro stemmen müssen", rechnet der Gabe-Geschäftsführer vor. Er bedauert: "Es scheint offenbar kein Interesse in der Stadt vorhanden zu sein, diese unabhängige Beratung aufrecht zu halten."

Das wird von der Ratsfraktion der Grünen kritisiert. "Die vorzeitige Schließung des SALZ wird dramatische Folgen für die Betroffenen haben", meint Martina Zsack-Möllmann. Allein 2007 seien im Arbeitslosenzentrum weit über 1000 persönliche Beratungen durchgeführt worden, ergänzt die Sprecherin der Ratsfraktion der Grünen. Gegen Entscheidungen der Arge wurden 1887 Widersprüche eingelegt; 649 davon wurden stattgegeben. "Der Hinweis, die Betroffenen können sich ja an die Berater der Arge wenden, heißt, den Bock zum Gärtner machen", findet Zsack-Möllmann. Für sie ist es unabdingbar, ein unabhängiges Beratungsangebot vorzuhalten.

Auch Gabe-Geschäftsführer Wolfgang Plähn weiß, dass alleine durch die Gespräche im SALZ Betroffenen geholfen wurde und oft kein Klageweg beschritten werden musste. Migranten wurde zudem beim Ausfüllen von Anträgen geholfen. "Wer hilft denen jetzt?", fragt Plähn. Einzig positiv ist für den Gabe-Geschäftsführer: "Die beiden Mitarbeiter im SALZ konnten wir intern woanders unterbringen. Wir mussten niemandem kündigen."

(RP)
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