1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen-Ohligs soll zu einer „Marke“ werden

Interview mit Gloria Göllmann : Ohligs soll zu einer „Marke“ werden

Auch das Corona-Virus kann die Entwicklung im Stadtteil nicht aufhalten: Zwar fiel der zweite Teil einer Workshop-Reihe zur Werbung für den Stadtteil aus. Dennoch blickt die Chefin der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) vielen Projekten entgegen.

Um die ISG überhaupt in Gang zu bringen, brauchte es Überzeugungsarbeit und eine Verkleinerung der Fläche. Wie sind heute die Rückmeldungen der – zahlenden - Eigentümer auf die Pläne für den Stadtteil?

Göllmann Die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind fast ausnahmslos positiv. Natürlich gibt es immer Menschen, die Veränderungen skeptisch gegenüber stehen, aber wenn man erklärt, dass eine gute Nutzung einer Fläche auch ein gutes Umfeld schafft, von dem die Anwohner profitieren, erntet man auch Verständnis.

Gezielt an die Bürger richtet sich die Workshop-Reihe der ISG mit dem Titel „Gemeinschaftsmarke Ohligs“. Worum geht es darin konkret?

Göllmann Gemeinsam mit dem Zukunfts-Campus wollen wir herausarbeiten, wie wir uns als Stadtteil künftig präsentieren. Dazu haben wir im ersten der drei Module gefragt, was Ohligs ausmacht, wer die Player sind, was wir haben und was uns fehlt. Eine erste interessante Feststellung war, dass zum Beispiel die Kommunikation darüber, was es im Stadtteil alles gibt und was in Planung ist, verbesserungswürdig ist. Aus den Beiträgen der Teilnehmer, zu denen interessierte Bürger, Händler und Gastronomen gehörten, haben wir dann 30 Thesen formuliert. Die haben wir über den Newsletter und Social Media verbreitet, um noch mehr Meinungen zu bekommen, um ihn zum zweiten Teil wieder aufzugreifen.

  • Foto: Peter Meuter / Solingen ,
    Stadtteilentwickung in Solingen : Millionenspritze für die Baustelle Ohligs
  • Foto: Peter Meuter / Solingen, Schnitterter
    Technische Betriebe Solingen : Stadt will Unfallgefahr bei Müllabfuhr senken
  • Eine Statue der Justitia in einem
    Solinger verurteilt : Gericht verhängt Bewährungsstrafe wegen Kinderpornografie

Mit welchem Ziel?

Göllmann Wir wollen eine Leitbotschaft formulieren und überlegen, wie wir für den Stadtteil werben können. Dazu gehört auch, herauszufinden, wo es die exklusiven Produkte, die Experten, die Treffpunkte gibt, kurz: „Was ist mein O für Ohligs?“ Markenberater Marc Brands begleitet die Reihe.

Und deren Ergebnisse werden dann in eine Werbekampagne für den Stadtteil einfließen?

Göllmann Ja. Wir werden auf Grundlage der Ergebnisse des Workshops ein Briefing ausarbeiten und zeitnah die Ausschreibung für die Kreativ-Teams vornehmen. Dann wird es auch darum gehen, wie man die Werbung auf sämtlichen Kanälen gestalten kann.

Nun haben Sie den zweiten Teil der Reihe, der am vergangenen Wochenende hätte stattfinden sollen, aber abgesagt. Wie geht es jetzt weiter?

Göllmann Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir arbeiten an einer digitalen Lösung. Vielleicht wird es ja als „Webinar“ weitergehen. Über die Entwicklungen halten wir alle Interessenten auf dem Laufenden.

Der letzte Workshop heißt „Me(e)hr“. Was hat es damit auf sich?

Göllmann Darin wollen wir Mehrwert-Ansätze erarbeiten. Die können zum Beispiel in Abos bestehen oder auch in Synergien, etwa wenn Händler gemeinsame Angebote schaffen, wie Wein und Schmuck oder Auto und Musik.

Wie sieht der Zeitplan für die nächsten Maßnahmen in Ohligs aus?

Göllmann Wir wollen in den nächsten Monaten ein Besucherleitsystem schaffen, das es Gästen in Ohligs ermöglicht, sich mit ihrem Smartphone durch den Stadtteil führen zu lassen. Unterstützend wird die Stadt dazu bis Mitte des Jahres eine Outdoor-Stele installieren, über die man sehen kann, was sie wo in Ohligs finden. Hinzu kommen noch die analogen Beschriftungen, über die wir im Herbst mit den Architekten sprechen werden. Die Baustellen in Ohligs wollen wir mit Bannern und Baustellen-Treffs begleiten.

Wie ist der Stand der Dinge bei der Grünfläche an der Kirchgasse?

Göllmann Dort planen wir einen konsumfreien Raum zur allgemeinen Nutzung. Weil es aber eine eingezäunte Privatfläche ist, sind insgesamt zwölf Schlüssel bei Anwohnern, Einzelhändlern und anderen Anliegern hinterlegt, die sie anderen Nutzern zur Verfügung stellen können. Der Straßenmeister, den wir eingestellt haben, kann eine Schlüsselvergabe und Ausleihe der Möblierung und Geräte vornehmen und bei Veranstaltungen vor Ort sein. Über den Verfügungsfond haben wir einen Bauwagen finanziert bekommen, der dort als Treffpunkt, aber auch als Lager etwa für Bierbänke oder Gartengeräte dienen kann. In Richtung April planen wir von dort aus die erste Aktion – den Kippensammelsamstag, kurz „Kiss“. Künftig werden dort Sommertrödel-Tauschbörse, Workshops zu Fotografie und Möbelbauen stattfinden. Im Mai oder Juni soll dort ein Hochbeet entstehen.

Zurück zu den Workshops: Wie hat sich die Beteiligung entwickelt? Sind eher die alteingesessenen Ohligser oder die jungen Bürger mit dabei?

Göllmann Beim ersten Modul hatten wir rund 30 Teilnehmer. Jüngere Einzelhändler, die wir via App und Podcast erreicht haben, zeigen Interesse an unserem Projekt.