Solingen: Neubauprojekt sorgt nicht nur für Zuspruch

Rund 300 neue Wohnungen geplant: Anwohner fürchten den Baulärm

Die Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Textilfabrik Olbo in Ohligs sollen bis Ende September/Anfang Oktober abgeschlossen sein. Auch das Bebauungsplanverfahren für das Wohnungsbauprojekt läuft auf Hochtouren.

Die Anwohnerin der Aachener Straße in Ohligs ist besorgt. Mit Blick auf das Wohnungebauprojekt von Kondor Wessels, das auf dem ehemaligen Gelände des Textilunternehmens Olbo am Marktplatz entstehen soll, befürchtet die Morgenpost-Leserin über Jahre hinweg Baulärm. „Dass es Baulärm geben würde, war sicher jedem klar. Aber dass dieser Lärm täglich 13 Stunden in der Zeit von 7 bis 20 Uhr stattfinden würde, halte ich für eine Zumutung“, schreibt Helga Dors-Berger dem Stadtdienst Planun, Mobilität und Denkmalpflege im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung.

Anfang Juli hatte sie an der Bürgerbeteiligung in der Ohligser Festhalle teilgenommen. Hier hatten Bürger insbesondere das unzureichende Parkplatzangebot kritisiert. Dors-Berger lenkt hingegen auch den Blick auf den zu erwartenden Baulärm: „Man stelle sich vor, dass vier Sommer die anliegenden Bewohner erst nach 20 Uhr Balkon- und Terrassentüren öffnen können, um frische Luft genießen zu können. Unerträglich“, sagt sie und regt an: Bautätigkeit bis 17 Uhr.

Derlei Anregungen und Bedenken werden im Rahmen des Bebauungplanverfahrens O 652 mit in die Planungen aufgenommen und bewertet. „Bis zum 3. August hatten Bürger im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung die Möglichkeit, Anregungen zum Bauprojekt zu geben“, sagt Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Eine Ausschlussfrist gibt es allerdings nicht, nur sollten weitere Bedenken oder Anregungen in den nächsten zwei bis drei Wochen beim zuständigen Stadtdienst abgegeben werden. „Überdies besteht im Rahmen des Verfahrens noch eine weitere Möglichkeit, Bedenken anzumelden“, sagt Hoferichter mit Blick auf die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes Ende dieses Jahres oder aber gleich zu Beginn des Jahres 2019. Einen Monat haben Bedenkenträger dann Zeit, sich zum Bebauungsplan zu äußern.

  • Solingen : Wohnungen statt Einzelhandel in Ohligs

Seit der Bekanntgabe des niederländischen Unternehmens Kondor Wessels im Dezember vergangenen Jahres, auf dem ehemaligen,  rund 1,6 Hektar großen Olbo-Gelände einige kleinere Flächen für den Einzelhandel umzusetzen, aber vor allem etwa 300 Wohneinheiten in vier- bis fünfgeschossigen Häusern – die Wohnungen haben eine durchschnittliche Größe von 75 Quadratmetern – zu bauen, sind im Gebiet Aachener Straße/Heiligenstock/Düsseldorfer Straße sichtlich Bewegungen und Veränderungen eingetreten. Dazu gehört auch der Abriss der früheren Gebäude der Textilfabrik Olbo. Die Bagger sind seit der Abrissparty Anfang Juni unermüdlich im Einsatz. „Die Abrissarbeiten sind bis Ende September/Anfang Oktober geplant. Wir liegen im Zeitplan“, sagt Christine Schacht, Pressesprecherin von Kondor Wessels. Vergessen ist damit auch der einstige Schandfleck im Herzen von Ohligs. Das lange Warten auf die Umsetzung des geplanten O-Quartiers mit Einzelhandelsflächen bis zu 9000 Quadratmetern ist nicht nur vom Tisch, sondern schon fast vergessen.

Dennoch: Bei aller Freude übers Neubauprojekt regt sich auch Unmut bei den Bürgern. Der richtet sich insbesondere an den bisher vorgesehen Parkflächen für das große Wohnungsbsauprojekt, für das rund 70 Millionen Euro investiert werden. Immerhin sollen in einer Tiefgarage 210 Stellplätze angelegt werden. Mit Außenflächen käme man nach derzeitigen Planungsstand auf insgesamt 240 bis 245 Parkplätze. Aber auch hier sind die Planer noch dabei, weitere Möglichkeiten nach den Anregungen der Bürger zu berücksichtigen.

Die Umsetzung des Zeitplans ist gleichwohl sportlich. Nach der öffentlicher Auslegung der Pläne geht Stadtdirektor Hartmut Hoferichter davon aus, dass die Politik im März/April 2019 den Bebauungsplan O 652 beschließt. Das würde Kondor Wessels gut passen: Der Start des Neubauprojektes ist für Mai 2019 vorgesehen. Läuft alles rund, könnten die neuen Wohnungen 2021 bezogen werden.