Solingen: Naturfreundehaus im Holzerbachtal bietet Erholung, Einblicke in Fauna und Flora

Naturfreundehaus im Holzerbachtal : „Berg frei“ am Rande von Gräfrath

Das Naturfreundehaus im Holzerbachtal bietet Erholung, Einblicke in Fauna und Flora – und dient als Ausgangspunkt für Wanderungen.

Mitten auf dem idyllischen Grundstück, zwischen Wiese, bunter Kletterburg und rustikalen Holzbänken, weisen Schilder Wanderern den Weg: „Gräfrath – 3,2 Kilometer“ ist dort zu lesen, oder auch „Gruiten – 5,4 Kilometer“: Das Naturfreundehaus im Holzerbachtal ist das ideale Basis- und Übernachtungslager für Wanderer auf ihren Erkundungszügen durch das hügelige Umland.

„Besonders viele Gäste haben wir von April bis September“, erzählt Hélène Kettenbach-Frioux. Die gebürtige Französin ist Vorstandsmitglied bei den Walder Naturfreunden. Ihre Affinität zur internationalen Bewegung hatten ihr bereits die Eltern in die Wiege gelegt. Und eine ihrer Reisen mit den Naturfreunden führte sie im Jahr 1965 erstmals nach Solingen. „Die Naturfreunde haben Europa praktisch mit aufgebaut“, findet Kettenbach-Frioux, die in Deutschland ihren Ehemann – ebenfalls Mitglied im Verein – kennenlernte.

Der „Touristenverein der Naturfreunde“, 1895 in Wien gegründet, hatte zunächst das Ziel, Arbeitern der engen, lauten und stickigen Großstädte zur Freizeitgestaltung in Wäldern und Bergen zu verhelfen – in Zeiten, in denen derartige Gebiete noch oft im Privatbesitz Adliger oder reicher Bürger waren. „Berg frei“ heißt noch heute der Gruß der Naturfreunde. Sie bildeten ab 1900 in ganz Europa und schließlich sogar in Übersee Ableger.

1912 entstanden die Gruppen „Solingen“, heute als „Naturfreundehaus Theegarten“ aktiv, und „Wald“ – und mit ihnen wenig später auch die eigenen Häuser. Sie wurden unter den Nationalsozialisten beschlagnahmt, zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg in Eigenarbeit wieder aufgebaut. Die Nähe zur Natur und somit auch der Einsatz für deren Schutz gehören zu den Leitgedanken der Bewegung. „Aber es geht uns auch um Frieden und Gerechtigkeit“, betont Kettenbach-Frioux. So beteiligten sich die Naturfreunde unter anderem auch an Ostermärschen. Sie werden bei der Kundgebung „Solingen steht für sichere Häfen“ am 31. August ebenso dabei sein wie beim Fest Leben braucht Vielfalt am 7. September.

Verschiedene Veranstaltungen finden aber auch im eigenen Haus an der Eipaßstraße an. Und auch dort gibt es auf dem Außengelände eine Menge zu entdecken: Zum Beispiel das Insektenhotel abseits des kleinen Bolzplatzes. Oder die Infotafeln über die Bäume der Umgebung, von der Esche bis zur Rotbuche. Und auch ein Denkmal wider die Umweltverschmutzung mit Wohlstandsmüll kann man bewundern: Die „Walddetektive“ haben dort mit einem alten Spiegel, einem Autoreifen, einer Schöpfkelle und anderen am Wegesrand gefundenen Abfällen im Schatten der Bäume eine Skulptur errichtet.

Im Jugendlager auf dem ausgebauten Dachboden finden 13 Jugendliche einen Schlafplatz.  . Foto: Meuter, Peter (pm)

Regelmäßig quartieren sich Schülergruppen im Naturfreundehaus ein: Wer einen Blick ins „Jugendlager“ auf dem Dachboden wirft, erinnert sich schnell an die Späße aus eigenen Schultagen. Neben klassischen Jugendherbergsbetten zwischen holzverkleideten Wänden gibt es im zuletzt 2015 renovierten Gebäude aber auch ein modern eingerichtetes Zimmer für Kleingruppen – alles mit Blick ins Grüne, entweder in den Wald hinein oder über die Felder der Umgebung.

„Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Landwirten der Umgebung“, betont Kettenbach-Frioux. Schließlich landen deren Erzeugnisse auch auf dem Frühstückstisch – zum Beispiel zur Stärkung für allerlei Ausflüge. Wer etwa auf der Eipaßstraße weiter bergauf geht, gelangt nach rund 700 Metern in ein kleines Wohngebiet. Hier liegt das Kinderfamilienhaus Eipaß, das Kindern in Not ein Zuhause bietet. Rechts entdeckt der Gast die alte Hofschaft Eipaß: Zwischen neueren Gebäuden stößt der Spaziergänger auf verschiefertes Fachwerk.

Héléne Kettenbach-Frioux engagiert sich im Vorstand der Naturfreunde Wald/Ohligs. Foto: Meuter, Peter (pm)

Auf der linken Seite wiederum, führt eine Seitenstraße hinein in die Hofschaft Fürkeltrath, deren Geschichte wie die von Eipaß bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. An diesem Ort überragt der Schornstein einer alten Brennerei ein Ensemble historischer Häuser. Unweit dieses Platzes endet die Korkenziehertrasse, die Jogger, Radfahrer und Spaziergänger durch rund 15 Kilometer Solinger Stadtgebiet führt. Für manch einen Gast im Naturfreundehaus – das zeigen auch die Wegweiser auf dem Gelände – geht die eigentliche Wanderung durch das Bergische Land hier aber erst richtig los.

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