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Solingen: Museumsbahnen mussten auf Fahrtag an Pfingsten verzichten.

Interview : „Ausfall des Festes ist ein herber Verlust“

Der Sprecher des Vereins Bergischen Museumsbahnen, Michael Malicke, über die ausgefallenen Fahrtage an Pfingsten und die weiteren Aussichten der Straßenbahner in der Kohlfurth an der Wupper.

Wegen der Corona-Krise musste der Verein sein beliebtes Straßenbahnfest absagen. Wie viele Besucher hatten Sie sonst zu Pfingsten? Und hat es jemals ähnliche Einschränkungen des Fahrbetriebs gegeben?

Malicke Bei gutem Wetter konnten wir an beiden Tagen zusammen sicher weit über 10.000 Gäste bei uns auf dem Betriebshof begrüßen. Das Straßenbahnfest war oft ein Anlass, einmal im Jahr Freunde und Bekannte zu treffen und gemeinsam über frühere Zeiten zu plauschen. In der Vereinsgeschichte gab es einen derartigen Ausfall vorher nie.

Was bedeutet die Absage für den Vereinsetat? Und welche Einnahmen haben Sie sonst neben den Mitgliedsbeiträgen?

Malicke Der Ausfall des Fests ist natürlich ein herber Verlust. Eine wichtige Einnahmequelle ist sonst unsere Bücherstraßenbahn mit Angeboten aus der Verkehrs- und Heimatgeschichte sowie Souvenirs, die wegen Corona aber auch geschlossen ist. Wir können nur hoffen, dass unsere Mitglieder und andere Förderer mit Spenden an uns denken.

Müssen Sie wegen des Einbruchs bei den Einnahmen Projekte auf Eis legen?

Malicke Das lässt sich noch nicht genau sagen. Das gegenwärtige Hauptprojekt, die fahrfähige Wiederherstellung des Vierachsers 342 der Vestischen Straßenbahnen (Baujahr 1952) durch einen Fachbetrieb in Süddeutschland hat bereits im letzten Jahr begonnen. Zu den öffentlichen Fördermitteln kommt aber immer ein Eigenanteil. Dies fällt uns in diesem Jahr schwer. Weitere angedachte Vorhaben ruhen vorübergehend.

Der Verein lebt ja nicht nur von externer Expertise, sondern vor allem vom Anpacken seiner Mitglieder. Wie haben Sie das in Corona-Zeiten organisiert?

Malicke Der „normale“ Vereinsbetrieb ist derzeit untersagt. Deshalb müssen die meisten unserer aktiven Mitglieder zu Hause bleiben. Im Rahmen der Sicherheitsmaßnahmen, die uns die Berufsgenossenschaft vorgibt, sind technische Arbeiten jedoch weiterhin in sehr begrenztem Umfang möglich. Diese Spielräume nutzen wir.

„Bis auf Weiteres geschlossen“ heißt es auf der BMB-Homepage über das Museum und den Bücherwagen. Wann dürfen wieder Besucher kommen?

Malicke Sobald ein sinnvoller Fahrbetrieb wieder möglich ist, werden wir wieder nach Fahrplan fahren und auch Sonderfahrten wie zum Beispiel für Hochzeitspaare oder die beliebten Nikolaustouren durchführen. Der erste Fahrtag wird dann auf unserer Website „bmb-wuppertal.de“ angekündigt. Im Moment prüfen wir, welche Schutzmaßnahmen möglich sind, ohne unseren wertvollen historischen Fahrzeugen zu schaden. So kann man zum Beispiel die alten Hölzer im Innern der Wagen nicht einfach mit Desinfektionsmitteln abwischen, ohne den Lack zu beschädigen. Die Gesundheit unserer Gäste und natürlich auch der Aktiven hat oberste Priorität.

Die Strecke führt von Kohlfurth nach Wuppertal-Cronenberg. Momentan endet sie an der Haltestelle Greuel. Wird es eine Verlängerung geben – eventuell auch auf Solinger Seite?

Malicke Eine erneute Ausweitung des Fahrbetriebs bis zum Möschenborn steht in der derzeitigen Situation verständlicherweise nicht an der Spitze unserer Prioritäten-Liste. Die Entwicklung auf dem Rasspe-Gelände auf der Solinger Seite beobachten wir aufmerksam. Allerdings stellt die erhöht rekonstruierte Wupperbrücke in der Kohlfurth ein schwer überwindbares Hindernis dar.

Sie sind Oldtimer-Fan. War das auch ein Grund, dass Sie vor 50 Jahren Mitglied des Vereins geworden sind?

Malicke Als Schüler fand ich die Idee, aktiv alte Bahnen der Nachwelt zu erhalten, eine wunderbare Betätigung in der Freizeit. Das gilt auch heute noch!