Solingen: Mieter sparen Stromkosten mit BHKW

Mieter sparen Kosten in Solingen : Strom aus dem Blockheizkraftwerk

107 Mieter an der Wiedenhofer Straße beziehen ihre Energie aus dem eigenen Keller und zahlen keine Netzentgelte.

Zwei Argumente haben Reiner Sohlbach überzeugt, das Angebot seines Vermieters, der Solingen Wald GbR, anzunehmen: "Es ist gut für die Umwelt und ich spare Geld." Sohlbach wohnt seit vier Jahren im Quartier Wiedenhofer Straße 10-22. Dort haben die Stadtwerke Solingen erstmals in einem Bestandsbau ein eigenständiges Kundenstromnetz errichtet, das die 109 Wohnungen mit Strom aus einem neu installierten Blockheizkraftwerk versorgt.

Sohlbach ist einer der 107 Mieter im Wohnkomplex, die sich auf das Angebot eingelassen haben. Da der Strom im Haus produziert wird, müssen sie kein Netzentgelt zahlen, das bei einer externen Versorgung fällig wird. Bei jeder verbrauchten Kilowattstunde sparen sie somit zwei Cent. Eine weitere Ersparnis ergibt sich bei der neuen Anlage durch den geringeren Verbrauch bei den Kosten für Heizung und Warmwasser. Das sind bis zu zehn Prozent weniger als bei der etwa 20 Jahre alten Anlage, die von den Stadtwerken ersetzt wurde.

"Die alte Anlage hätte nach der Energiesparverordnung zwar noch zehn Jahre laufen können, sie war aber nicht mehr energieeffizient und entsprachen nicht mehr dem ökologischen und wirtschaftlichen Standard", sagt Alexander Hensiek für den Eigentümer. Der hat sich deshalb dazu entschlossen, eine komplette Revitalisierung der Heizungsanlage vorzunehmen.

Die neu installierte Energieerzeugungsanlage besteht aus zwei Gas-Brennwertkesseln mit einer Leistung von zusammen 600 Kilowatt sowie zwei Blockheizkraftwerken mit einer elektrischen Leistung von jeweils 25 Kilowatt. "Die Brennwertkessel dienen als Reserve in Spitzenzeiten, wenn an kalten Wintertagen mehr Heizenergie gebraucht wird", erklärt Hensiek.

Im normalen Betrieb reicht die Leistung der beiden Blockheizkraftwerke aus. Sie produzieren den in der Wohnanlage benötigten Strom. Die dabei anfallende Abwärme kann für die Warmwasserbereitung genutzt werden - der Fachmann spricht dabei von Kraft-Wärme-Kopplung. Zudem verbrennt der eingesetzte Brennstoff deutlich effizienter als in herkömmlichen Anlagen zur Wärmeerzeugung. Dadurch fällt weniger klimaschädliches Kohlendioxid an. "Im Jahr sind das mehr als 70 Tonnen", sagt Hensiek. Gegenüber einer vergleichbaren Wärmeerzeugungsanlage mit einem Gas-Brennwertkessel uns solarer Unterstützung entspreche dies einer Einsparung von mehr als 20 Prozent.

Damit passt die Kooperation zwischen den Stadtwerken und der Solingen Wald GbR auch zu den energiepolitischen Zielen der Bundesregierung. Demnach sollen bis 2020 25 Prozent der Stromerzeugung aus energieeffizienter Kraft-Wärme-Kopplung generiert werden. Das Ziel deckt sich mit der Ausbaustrategie des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Solingen, die den Zubau von Anlagen im privaten Haus- und Wohnungsbau fördern soll.

In diesem Sinne treiben die Stadtwerke den weiteren Ausbau der dezentralen Energieversorgung voran. Weitere Projekte sind nicht nur im Wohnungsbau, sondern auch im produzierenden Gewerbe in Planung oder schon in der Umsetzung. "Dabei beschränken wir uns nicht nur auf Solingen, sondern beliefern ganz NRW", sagt Ulrich Pagenstert, Verkaufsmanager der Stadtwerke. So wurden auch schon Anlagen in Duisburg und Hilden geplant und umgesetzt worden.

Bisher wurde das Konzept ausschließlich in Neubauten, etwa im Heine-Garten und im Olbo-Park, umgesetzt. An der Wiedenhofer Straße wurde es erstmals in einer bestehenden Wohnanlage realisiert. Allerdings sind nach Angaben des zuständigen Stadtwerke-Bereichsleiters Stefan Ziebs weitere Projekte im Aufbau.

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