Solingen: Mehr Gewerbebetriebe, weniger Insolvenzen

Bilanz der Solinger Creditreform : Mehr Gewerbebetriebe, weniger Insolvenzen

„Durchaus positiv“ sieht Ole Kirschner, Komplementär von Creditreform Solingen, die Ergebnisse der jüngsten Analyse seines Auskunfts- und Inkassounternehmens.

Regelmäßig untersucht Creditreform, wie viele Firmen neu gegründet oder abgemeldet wurden und wie viele Unternehmen in Insolvenzverfahren steckten. Während die Zahl der Selbstständigen im Gebiet um Solingen, Remscheid und Leverkusen 2019 um knapp 900 wuchs, ging die Zahl der Insolvenzverfahren von 283 auf 242 zurück.

„Bei den Insolvenzen sollte allerdings beachtet werden, dass sich einige Unternehmen nur aufgrund der weiterhin günstigen Zinsen und Finanzierungsmöglichkeiten über Wasser halten“, kommentiert Kirschner. Oder, wie Kurt Ludwigs (Öffentlichkeitsarbeit) es ausdrückt: „Es sind einige Firmen-Zombies am Markt, die gar nicht mehr da sein dürften.“ Kirschner: „Es wird sehr spannend sein, wie sich die Automobilzulieferer in den nächsten Monaten entwickeln werden.“

Auch für Gründer ist ein eigener Industriebetrieb nicht mehr das verlockendste Ziel. Von den 6550 Neuanmeldungen im rheinisch-bergischen Wirtschaftsraum entfielen nur vier Prozent auf den Bereich Industrie. 2018 waren es noch sieben Prozent. Rückgänge gab es auch beim Bau (von 9 auf 8 Prozent) und beim Handel (von 19 auf 17). Anders bei den Dienstleistern (von 66 auf 71). Kirschner: „Nachdem der bundesweite Trend zur Dienstleistung in der Vergangenheit meist einen Bogen um die Region gemacht hat, ist seit einigen Jahren zu erkennen, dass sich hier etwas bewegt.“

Die Bewegung stellt sich je nach Kommune aber sehr unterschiedlich dar. Für Solingen rechnet Creditreform im fünften Jahre in Folge mit mehr Gewerbe-Abmeldungen als Anmeldungen. Eine Hochrechnung auf Basis der ersten elf Monate ergibt 1310 Neugründungen und 1340 Abmeldungen. In Remscheid stieg dagegen die Zahl der Selbstständigen (810 An-, 770 Abmeldungen). Auch Wermelskirchen (+240, -191) und Radevormwald (+147, -135) haben positive Salden. In Hückeswagen ist das Ergebnis fast ausgeglichen (+93, -95). „Maßgeblicher Treiber bleibt die Stadt Leverkusen“, nennt Ole Kirschner den Spitzenreiter mit 2.000 An- und 1.550 Abmeldungen. Auf den Podestplätzen folgen Monheim (+610, -420) und Langenfeld (+658, -539).

Wie viele Arbeitsplätze die neuen Firmen schaffen, sagt Creditreform nicht voraus – auch wegen der Schwierigkeit, überhaupt Fachkräfte zu finden. Die Zahl der Stellen, die durch die 242 Insolvenzen bedroht sind, wird dagegen mit 1800 beziffert, die der entstandenen Schäden mit knapp 180 Millionen Euro (ohne „nicht-öffentliche Pleiten“). Die Gläubiger erhalten meistens nur zwei bis drei Prozent der ausstehenden Summen.

Trotzdem liege die Region, was die Schadenssumme für private Insolvenzgläubiger angeht, mit 740.000 Euro je Fall unter dem Bundesdurchschnitt (856.000 Euro). Und während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland fast gleich blieb, sank sie in der Region um 14,5 Prozent.

Nach Branchen aufgeschlüsselt, waren Industriebetriebe und das Baugewerbe besonders anfällig (Index 1,42). 35-mal waren Firmen aus dem Bausektor betroffen, 31-mal Industrieunternehmen. Dienstleister zeigten die größte Stabilität (0,86). Nach der Rechtsform traf es die Unternehmergesellschaft (UG) am häufigsten: 27 von 951 Firmen (Index 2,95). Besonders stabil waren GbR, OHG und KG (Index 0,15) sowie die Freiberufler (0,17). Besonders anfällig waren drei bis vier Jahre alte Unternehmen (3,10).  Ludwigs: „Wir stellen seit Jahren fest, dass ein Unternehmen erst nach zehn Jahren auf der sicheren Seite ist.“

Nach Städten geordnet, gab es in Haan (Index 1,61) und Wermelskirchen (1,59) überdurchschnittlich viele Pleiten, in Burscheid (0,35), Monheim (0,48), Leichlingen (0,59) und Radevormwald (0,65) die wenigsten. Solingen (0,98) und Remscheid (0,97) lagen leicht unter dem Durchschnitt. Zu den größeren Firmen, die 2019 ein Insolvenzverfahren beantragten, gehören neben zwei Langenfelder Personaldienstleistern auch die Solinger Gießerei Piad mit 78 Mitarbeitern (siehe Artikel auf Seite C 1) und die jetzt in Haan ansässige Druckerei Frank Fischer mit rund 60 Beschäftigten.