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Solingen: Mehr als sechs Jahre Haft für Familienvater im Missbrauchsprozess

Urteil am Landgericht Wuppertal : Mehr als sechs Jahre Haft für Familienvater im Missbrauchsprozess

Ein 39-jähriger Solinger ist wegen des Missbrauchs seiner eigenen Kinder verurteilt worden. Der Angeklagte hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt und dabei einen weiteren Verdächtigen belastet.

Wegen des schweren sexuellen Missbrauchs seiner Kinder und des Besitzes von kinderpornografischen Materials verhängte das Landgericht gegen einen 39-jährigen Familienvater sechs Jahre und drei Monate Haft. Der Angeklagte hatte die ihm vorgeworfenen Taten gestanden und den Opfern damit eine Vernehmung erspart. Auch das hatte dazu beigetragen, dass sich das Gericht den von der Anklage geforderten neun Jahren Freiheitsstrafe nicht angeschlossen hatte.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer vom „Tatort Kinderzimmer“ gesprochen, der Solinger habe seiner Tochter (13) und seinem Sohn (10) den Schutzraum genommen und die Familie zerstört. Das sah auch der Vorsitzende Richter so – er gehe jedoch davon aus, dass der Angeklagte dazu beigetragen habe, dass man mehr als nur die „Spitze des Eisberges“ habe aufdecken können.

36 Taten des teils schweren Missbrauchs habe man aufklären können, ohne dass man die Kinder einer retraumatisierenden Befragung hätte umsetzen müssen. Zudem habe nach der Aussage des 39-Jährige gegen einen ebenfalls pädophilen Chatpartner ermittelt werden können. Strafverschärfend sei hingegen gewesen, dass es nach der ersten Hausdurchsuchung „so richtig losgegangen“ sei und der Angeklagte erstmals auch seinen Sohn in den sexuellen Missbrauch einbezogen habe.

Amerikanische Ermittler hatten ein Foto im Internet entdeckt, dass mit den GPS-Daten der Wohnung der Familie in Solingen versehen gewesen sein soll. Auf dem Bild sei der Genitalbereich eines Mädchens abgebildet gewesen – erst später sei festgestellt worden, dass es sich um die Tochter des Mannes gehandelt habe. Das Foto habe er in einer geschlossenen Chat-Gruppe geteilt, um dort aufgenommen zu werden. Später seien pornografische Aufnahmen hinzugekommen, weil die Mitglieder beklagt hätten, dass er „nichts Richtiges“ mit seinen Kindern mache. Der Angeklagte soll dort im weiteren Verlauf auch Tipps gegeben haben, wie andere ihre Kinder missbrauchen könnten.

Trotz erfolgter Hausdurchsuchung und nach Sicherstellung mehrerer Terabyte an Datenmaterial hatte er den Missbrauch seiner Kinder fortgesetzt. 300.000 Videos und Fotos waren in monatelanger Recherche durch Ermittler gesichtet worden, im Juni 2020 erfolgte die Festnahme auf einem Campingplatz in Rösrath.

Strafverschärfend war aus Sicht der Kammer auch hinzugekommen, dass der Angeklagte ein gemeinsam mit dem Jugendamt festgelegtes Schutzkonzept ignoriert habe. Darin sei geregelt gewesen, dass er sich den Kindern nicht mehr allein habe nähern dürfen. „Ihre Kinder mussten vor dem Zubettgehen fürchten, dass gleich ihr Vater kommt, um sie zu missbrauchen“, wandte sich der Vorsitzende Richter mit deutlichen Worten an den Angeklagten.