Großeinsatz in Solingen „Ich habe gesehen, wie ein Mann lichterloh brannte“

Update | Solingen · Eine Explosion hat am Dienstag die Konrad-Adenauer-Straße in Solingen erschüttert. Laut ersten Erkenntnissen könnte es sich um einen Anschlag handeln. Ein Mann ist dabei gestorben — was bislang bekannt ist.

Brandsatz in Solingen: Das ist bis jetzt bekannt​
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Brandsatz in Solingen – das ist bis jetzt bekannt

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Foto: Gianni Gattus

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich unmittelbar nach der Explosion abgespielt haben. Bei einem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein direkt an der Konrad-Adenauer-Straße gelegenes Wettbüro mitten in der belebten Solinger Nordstadt sind am Dienstagnachmittag ein junger Mann getötet und vier weitere Personen, darunter ein Kind, leicht verletzt worden – wobei der Getötete nach Angaben aus Ermittlerkreisen möglicherweise selbst für die Explosion verantwortlich gewesen sein könnte.

Die Ermittlungen zu den Hintergründen einer Explosion in Solingen mit einem Toten und vier Verletzten gehen am Mittwoch weiter. „Warum? Weshalb? Das sind die Fragen, die in einem solchen Fall nun gestellt werden“, sagte ein Sprecher der Polizei Wuppertal. „Es werden sämtliche Hinweise ausgewertet.“ Die Kriminalpolizei werde bei ihren Ermittlungen von Spezialisten des Landeskriminalamts unterstützt. Am Abend eröffnete die Polizei ein Online-Portal für Zeugenhinweise. Zum Zeugen-Portal gelangen Sie über diesen Link.

So hatte sich der Mann nach Informationen aus Sicherheitskreisen, die unserer Redaktion vorliegen, am Dienstagnachmittag gegen kurz nach 14 Uhr mit einer Art Brandsatz in der Hand dem besagten Wettbüro genähert – als er von dem Betreiber des Lokals offenbar als früher schon einmal durch Sachbeschädigungen aufgefallener Randalierer erkannt wurde. Derart konfrontiert soll der mögliche Täter dann den Brandsatz aus seiner Hand fallengelassen haben, wobei es zu einer Verpuffung kam. Dabei wurde der Täter selbst schwerst verletzt, derweil Umstehende leichte Verletzungen erlitten. Bei dem Brandsatz soll es sich um eine Flasche mit einer brennbaren Flüssigkeit gehandelt haben, hieß es weiter.

Tatsächlich brach unmittelbar nach der Explosion zunächst einmal das pure Chaos aus. „Es war schrecklich. Ich kam gerade vom Friseur und habe von der anderen Straßenseite gesehen, wie ein Mann lichterloh brannte“, schilderte ein unter Schock stehender Zeuge kurz nach der Detonation seine Eindrücke, während eine andere Passantin von ersten Rettungsversuchen berichtete. „Der brennende Mann lag am Boden, während Leute versucht haben, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen“, sagte die Frau.

Ein Unterfangen, das am Ende gelang – wobei sich die Verletzungen, die der Mann durch das Feuer davontrug, anschließend als schwerst erwiesen. So trug der mutmaßliche Täter Verbrennungen am gesamten Körper davon und wurde – nach einer medizinischen Erstversorgung noch an Ort und Stelle – später mit einem Rettungshubschrauber zur weiteren Behandlung in eine Spezialklinik geflogen, wo er am Dienstagabend verstarb.

Derweil begann die Polizei, nachdem die Feuerwehr alles abgesichert hatte und der Einsatzort weiträumig abgesperrt worden war, mit den ersten Untersuchungen zum möglichen Tatgeschehen. So hatte eine enorme Druckwelle nicht nur in dem Wettbüro, sondern auch in den angrenzenden Ladenlokalen schwere Schäden angerichtet. Da die Geschäfte im hinteren Bereich des mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshauses offenbar durch einen Gang miteinander verbunden sind, schoss die Druckwelle regelrecht durch die Ladenlokale, sodass in dem letzten Geschäft die Fensterscheiben barsten – was wiederum zu Schäden an den davor abgestellten Autos führte.

Die Polizei bildete im weiteren Verlauf des Tages eine Besondere Aufbau-Organisation, wie sie bei größeren Lagen üblich ist. Zudem kreiste am Nachmittag über der Nordstadt ein Polizeihubschrauber, um Luftaufnahmen zu machen, während Experten der Kripo und des LKA in den zerstörten Geschäften die Ermittlungen begannen. Gerüchten zufolge soll das betroffene Gebäude einer Clan-Familie gehören. Vor einiger Zeit war der Wohnbereich des Hauses schon einmal Schauplatz einer polizeilichen Razzia gewesen. Nach Informationen aus Polizeikreisen soll der Anschlag von Dienstag aber keinen Clan-Hintergrund haben.