Solingen: Mann soll seine Nichte missbraucht haben

Prozess: Mann soll seine Nichte über Jahre missbraucht haben

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs hat sich ein 52-jähriger Solinger derzeit vor dem Wuppertaler Landgericht zu verantworten. Der Mann soll sich von 1998 bis 2002 mindestens 30-mal an der mittlerweile 29-jährigen Tochter seiner Schwester sexuell vergangen haben.

Jahrelang hatte sie geschwiegen. Und dann, vor zwei Jahren, ging das plötzlich nicht mehr. Ihre beiden Geschwister waren die ersten, denen sich die mittlerweile 29-jährige Frau anvertraut hat. Gesprochen hatte man eigentlich über einen früheren Bekannten der Familie, der sich vor beinahe zwei Jahrzehnten nackt vor die beiden Schwestern und den Bruder gestellt haben soll. Das scheint der Moment gewesen zu sein, den die Mutter des Opfers meinte, als sie sagte: „Da kam bei meiner Tochter alles wieder hoch“.

Was genau damals hochgekommen sei, will sie bis heute nicht genau wissen. Es reichte schon, dass die Tochter erst den Geschwistern und dann auch ihr selbst davon erzählt hatte, vom Onkel sexuell missbraucht worden zu sein. Über Jahre hinweg sei die Tochter so Opfer von Übergriffen geworden. Anfangs noch im Etagenbett, in dem auch deren Schwester schlief. Als die Familie umzog und die drei Geschwister eigene Kinderzimmer hatten, habe ihr Bruder meist im Zimmer seiner „Lieblingsnichte“ übernachtet.

„Darauf wäre ich im Traum nicht gekommen“, erzählte die Mutter des Opfers von dem Augenblick vor zwei Jahren, als ihre Tochter ihr von der Sache erzählt habe. Ihr Bruder habe bei einer sofort anberaumten Aussprache „wie ein Häufchen Elend“ vor ihr gesessen. Vom schlechten Gewissen geplagt sei er froh gewesen, dass „es nun endlich raus“ sei.

  • Rees : Reeser soll Kind sexuell missbraucht haben

Wie es überhaupt zu einer solchen Nähe des Bruders zu ihrer Tochter habe kommen können, erklärte die Zeugin so: „Er war ein Eigenbrötler ohne Freunde. Wir hatten einfach Mitleid.“ Ihr Bruder sei nach der Arbeit oft in die Wohnung ihrer Familie gekommen und weil es spät wurde und man schon etwas getrunken hatte, sei er als Übernachtungsgast dageblieben. Die Kinder seien da meist schon in der oberen Etage im Bett gewesen. Wo genau ihr Bruder geschlafen habe, wollte der Vorsitzende Richter von der Zeugin wissen. „Auf dem Fußboden, auf einer Decke“, ließ sie das Gericht wissen.

Mit ihrem Mann habe es damals viel Streit gegeben, sie selbst habe allein für den Familienunterhalt sorgen müssen. „Solche Sachen sind einfach untergegangen“, räumt die Mutter des Opfers ein. Auch ihre Tochter habe ihr später gesagt, dass das der Grund dafür gewesen sei, den Eltern nichts von den sexuellen Übergriffen ihres Onkels erzählt zu haben.

Der Prozess wird fortgesetzt, mit einem Urteil wird im September gerechnet.