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Solingen: Mängel der Sanierung des Kirchturms landen vor Gericht

Evangelische Kirchengemeinde Solingen-Dorp : „Der Tag wird kommen, an dem wir feiern“

Die Mängel bei der Sanierung des Dorper Kirchturms werden vor Gericht verhandelt. Der Gemeindepfarrer berichtet, wie es nun weitergeht.

Wenn Sie das Jahr 2020 Revue passieren lassen – sind Sie froh, dass die Querelen um die Turmsanierung in eine Zeit fallen, in der das Gemeindeleben ohnehin eingeschränkt ist, oder sind all diese Ereignisse doppelt frustrierend?

Römelt Dieser Gedanke spielt für mich keine große Rolle. Es ist natürlich bedauerlich, dass wir die Sanierungsarbeiten nicht wie geplant mit der Abnahmebegehung am 31. Oktober 2019 – passenderweise dem Reformationstag – beenden konnten. Wir wären absolut froh gewesen, wenn Ende des Jahres das Gerüst abgebaut worden wäre. Dann teilte uns der Restaurator mit, dass er Mängel gefunden hatte. Aber es ist wie es ist, und wir müssen sehen, dass wir eine nachhaltige Lösung finden, die lange Bestand hat.

Beim Pressetermin im September 2019 schien noch alles in Ordnung zu sein: Drei von vier Putz-Schichten waren aufgetragen, eine extra für den Turm entwickelte Spezialmischung sollte folgen. Haben die Probleme etwas mit dem Material zu tun?

Römelt Ich bitte um Verständnis, dass ich zu Fragen des laufenden Verfahrens nicht ins Detail gehen kann. Richtig ist: Über die Ursachen der Probleme gibt es unterschiedliche Auffassungen. Mit ihnen wird sich das Gericht beschäftigen.

     ◁  Bei der Sanierung der Dorper Kirche sollen Fehler begangen worden sein.   Fotos: Peter Meuter
◁ Bei der Sanierung der Dorper Kirche sollen Fehler begangen worden sein. Fotos: Peter Meuter Foto: Peter Meuter
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Es wird aber doch sicherlich Gespräche mit dem ausführenden Unternehmen gegeben haben, um zu klären, was schiefgelaufen ist.

Römelt Die gab es in der Tat – ebenso wie Untersuchungen von mehreren Sachverständigen. Leider hat das alles nicht zu einer übereinstimmenden Einschätzung der Situation geführt. Auch in der Frage, was jetzt geschehen muss, sind wir nicht zu einer Einigung gekommen. Wir mussten dem Unternehmen die Möglichkeit einräumen, die Mängel selbst zu beheben, deshalb blieb das Gerüst auch bis zuletzt stehen. Die letzte Frist ist aber Ende Oktober verstrichen, so dass wir die Angelegenheit in die Hände eines Gerichts gelegt haben. Einen Gerichtstermin gibt es aber noch nicht.

Wie geht es jetzt weiter?

Römelt So ein Verfahren kann natürlich eine ganze Weile dauern. Das Gerüst kostet Geld. Wir werden stark unterstützt, unter anderem von der Bürgerstiftung Dorper Kirche, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie von vielen Spenderinnen und Spendern und stehen in der Verantwortung, die Kosten erst einmal zu stoppen. Deswegen haben wir entschieden, das Gerüst vorerst entfernen zu lassen. Irgendwann, wenn klar ist, was geschehen muss, wird wieder eines aufgebaut werden, denn wir möchten, dass der Turm auf allen Seiten einen Putz erhält, der möglichst viele Jahre hält. Bis dahin wird eine provisorische Schicht das Mauerwerk schützen.

Die Gesamtkosten beliefen sich auf über 700.000 Euro – aufgebracht aus Spenden, Eigenmitteln und Stiftungsgeldern. Werden Sie jetzt noch mehr finanzielle Unterstützung brauchen?

Römelt Das ist noch nicht abzusehen. Bis zum 31. Oktober 2019 war die Entwicklung eine sehr günstige. Wir wissen aber nicht, welche Kosten jetzt zusätzlich entstanden sind und durch die Mängelbeseitigung auf uns zukommen. Das wird dann ja auch von einem rechtskräftigen Gerichtsurteil abhängen. Unsere große Hoffnung ist, dass wir die angepeilten 730.000 Euro nicht überschreiten werden.

Nun gibt es ja für die Zukunft noch mehr zu tun im Umfeld der Kirche: Die Natursteinmauer soll erneuert werden, und auch Arbeiten am Giebel stehen an. Liegen diese Pläne nun auf Eis?

Römelt Wir behalten das weiter im Blick. Diese Maßnahmen sind aber Gott sei Dank nicht ganz so dringlich.

Wie geht die Gemeinde mit der Situation um? Erstaunt, verärgert, schockiert?

Römelt Unmut höre ich nicht, sondern großes Bedauern. Die meisten Leute sagen: Mensch, wie schade, dass sich das so lange hinzieht. Wir erleben Verständnis dafür, dass wir ein gutes Ergebnis haben möchten und das durch die Umstände jetzt dauern kann. So schwierig die Lage auch ist: Wir sind sehr dankbar für die große Unterstützung durch viele Spenderinnen und Spender, der Denkmalstiftungen wie auch der Kirchbaustiftung unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und für alle Aktiven bei den Benefiz-Veranstaltungen, die uns sehr geholfen haben. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem wir den Abschluss der Maßnahmen gebührend feiern – was im Moment wegen der Corona-Pandemie gar nicht möglich wäre.

Nun nähern wir uns dem Weihnachtsfest. Wie wird man die Tage in der Dorper Kirchengemeinde begehen?

Römelt Das Wichtigste ist: Wir feiern Weihnachten. Weil auch und gerade im Corona-Jahr Gott zu uns in die Welt kommt. Es wird aber an Heiligabend keinen Gottesdienst klassisch in der Kirche oder im Gemeindezentrum Arche geben. Stattdessen wollen wir Gottesdienst-Wege rund um die Dorper Kirche und die Arche gehen. Dabei werden die Besucher im Freien an mehrere Stationen eines Gottesdienstes gelangen. Dort werden Teile der Weihnachtsgeschichte gelesen oder pantomimisch vorgeführt, Gebete gesprochen und Gedanken dazu vorgetragen. Geplant ist das an Heiligabend für die Zeit zwischen 15 und 17.30 Uhr. Am Abend um 23 Uhr wollen wir uns nochmal eine halbe Stunde mit Kerzen und Liedern vor der Kirche versammeln. Für alles muss man sich anmelden. Die Hygienekonzepte müssen aber erst noch genehmigt werden. An den beiden Weihnachtsfeiertagen finden wiederum Gottesdienste unter Einhaltung der Hygieneregeln statt.

Gibt es auch Online-Angebote ?

Römelt Die gibt es für alle Generationen, die man sich auf unserem Youtube-Kanal „evangelisch dorp“ anschauen kann.